Ferticon  

Newsletter

Inhaltsverzeichnis

Zurück    Weiter

05.06.2006
 
Newsletter Nr. 5/2005
 
Reproduktionsmedizin
  1. Assoziation von Adenomyose und Endometriose - Prävalenz und Bedeutung für die Fertilität. Eine Magnet-Resonanz-Studie.
  2. Endokrine Disruptoren und Endometriose/Adenomyose.
  3. Wirkung der Endometriose auf IVF/ICSI-Ergebnisse: Schwere Endometriosen (Stadium III/IV) verschlechtern die kumulativen Schwangerschafts- und Lebendgeburtsraten.
  4. Anastrazol und orales Kontrazeptivum: Eine neue Behandlungsform der Endometriose.

1. Assoziation von Adenomyose und Endometriose - Prävalenz und Bedeutung für die Fertilität. Eine Magnet-Resonanz-Studie.

In der Arbeit wird die Hypothese geprüft, ob die pelvine Endometriose stark mit einer uterinen Adenomyose assoziiert ist und die Adenomyose ein wesentlicher Faktor für die Sterilität bzw. Subfertilität bei Endometriose darstellt. Magnetresonanztomographien (MRT) des Uterus wurden bei 160 Frauen mit und 67 Frauen ohne Endometriose durchgeführt. Die Ergebnisse wurden mit dem Stadium der Erkrankung, dem Alter der Patientinnen und den Spermaparametern der Partner korreliert. Die posteriore Junktionalzone (PJZ) war bei Frauen mit Endometriose signifikant dicker als bei solchen ohne Endometriose (P<0.001). Es bestand eine positive Korrelation der Dicke der PJZ mit dem Stadium der Erkrankung und dem Alter der Patientinnen. Bei Frauen mit Endometriose und fertilen Partnern war die PJZ dicker als bei Frauen mit in- oder subfertilem Partner. Die Prävalenz der Adenomyose betrug 79% bei allen 160 Frauen mit Endometriose. Bei Frauen mit Endometriose und einem Alter von weniger als 36 Jahren und fertilem Partner betrug die Prävalenz der Adenomyose 90% (P<0.01). Bei einer Prävalenz der Adenomyose bei Endometriose bis zu 90% besteht eine hohe Assoziation beider Krankheitsbilder miteinander. Die Adenomyose stellt einen wesentlichen Sterilitätsfaktor bei der Endometriose dar, wahrscheinlich durch Behinderung des gerichteten uterinen Spermientransportes. Auch andere, "nicht-mechanische" Einflüsse der Adenomyose auf die Fertilität werden in Betracht gezogen. Dazu gehört u.a. die unmittelbare Einwirkung von Adenomyoseherden auf die Ovarialfunktion über das utero-ovarielle Gegenstromsystem (siehe hierzu auch Kuivasaari et al., 2005; dieser Newsletter). Gemeinsame Ursache von Endometriose und Adenomyose ist eine Dislozierung basalen Endometriums infolge uteriner Peristaltik und insbesondere Hyper- und Dysperistaltik. Diese uterine Funktionsstörung beruht auf einem parakrinen archimetralen Hyperöstrogenismus, der wiederum verschiedene, bisher nicht völlig geklärte Ursachen haben kann. Eine der Ursachen kann in der Einwirkung endokriner Disruptoren bestehen, die nicht nur archimetral sondern auch in den endometriotischen und adenomyotischen Läsionen wirksam sein können (hierzu auch Heilier et al., 2005; dieser Newsletter).

Literatur

Kunz G, Beil D, Huppert P, Noe M, Kissler S, Leyendecker G. Adenomyosis in endometriosis--prevalence and impact on fertility. Evidence from magnetic resonance imaging. Hum Reprod. 2005 Aug;20(8):2309-16.

Leyendecker G, Kunz G, Herbertz M, Beil D, Huppert P, Mall G, Kissler S, Noe M, Wildt L. Uterine peristaltic activity and the development of endometriosis. Ann N Y Acad Sci. 2004 Dec;1034:338-55

TOP

2. Endokrine Disruptoren und Endometriose/Adenomyose.

In einer Fall-Kontroll-Studie mit 71 Frauen mit peritonealer Endometriose (n=25), tief infiltrierender Endometriose (n=25) und Kontrollen (n=21) wurde die Belastung mit endokrinen Disruptoren (z.B. Dioxin) untersucht. Frauen mit tief infiltrierender Endometriose zeigten eine größere Belastung als solche mit leichter und moderater (nur oberflächlich peritonealer) Endometriose und diese wiederum höhere Werte als die Kontrollen. Endokrine Disruptoren greifen über Bindung an Arylhydrokarbonrezeptoren in die archimetrale Estrogenbildung oder direkt an den Estrogenrezeptoren an.
Kommentar Ferticonsult: Die Wirkung ist letztlich ein archimetraler Hyperestrogenismus

Literatur

Heilier JF, Nackers F, Verougstraete V, Tonglet R, Lison D, Donnez J. Increased dioxin-like compounds in the serum of women with peritoneal endometriosis and deep endometriotic (adenomyotic) nodules. Fertil Steril. 2005 Aug;84(2):305-12.

TOP

3. Wirkung der Endometriose auf IVF/ICSI-Ergebnisse: Schwere Endometriosen (Stadium III/IV) verschlechtern die kumulativen Schwangerschafts- und Lebendgeburtsraten.

Im IVF-Programm haben Frauen mit schwerer Endometriose (Stadium III und IV) eine schlechtere Prognose hinsichtlich Schwangerschaft und Lebendgeburt als solche mit einer geringergradigen Endometriose (Stadium I und II) oder reiner tubarer Sterilität. Die respektiven Schwangerschaftsraten betrugen 22,6%, 40,0% und 36,6%. Nach 1-4 IVF/ICSI-Behandlungen unter Einschluss von Zyklen nach Kryokonservierung wurden 56,7% der Frauen mit schwerer Endometriose schwanger und 40,3% hatten eine Lebendgeburt. Die korrespondierenden Zahlen bei leichter bis moderater Endometriose betrugen 67,7% und 55,8% und bei den Kontrollen 81,6% und 43,7%. Diese schlechtere Prognose bei schwerer Endometriose rechtfertigt den Transfer von zwei Embryonen.
Kommentar Ferticonsult: Man muss davon ausgehen, dass die Frauen mit schwere Endometriose auch eine ausgeprägtere Adenomyose haben mit einem entsprechenden direkten Effekt auf die Oozytenreifung über das utero-ovarielle Gegenstromsystem. Hierzu siehe auch die Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe von Kleinstein (Magdeburg), die eine Verbesserung der ART-Resultate bei schwerer Endometriose nach 2-6 Monaten GnRH-Analogatherapie beobachteten (temporäre Austrocknung der Adenomyoseherde ?)

Literatur

Kuivasaari P, Hippelainen M, Anttila M, Heinonen S. Effect of endometriosis on IVF/ICSI outcome: stage III/IV endometriosis worsens cumulative pregnancy and live-born rates. Hum Reprod. 2005 Jul 8;

TOP

4. Anastrazol und orales Kontrazeptivum: Eine neue Behandlungsform der Endometriose.

Nachdem nun die zentrale Bedeutung der endometrialen P450-Aromatase für die endometriale Estrogenproduktion mit der archimetral-parakrinen Wirkung sowie der entsprechenden Estrogenproduktion in den endometriotisch/adenomyotischen Herden erkannt worden war, war es naheliegend, zusätzlich zur Gabe von oralen Kombinationspräparaten einen Aromatasehemmer (Arimidex 1mg/die) zur Schmerzbehandlung bei Endometriose zu verordnen. Die vorgelegte Untersuchung ergibt Hinweise, dass es sich um eine effektive Behandlungsmodalität handeln könnte, die allerdings weitere detaillierte Studien erfordert.

Literatur

Amsterdam LL, Gentry W, Jobanputra S, Wolf M, Rubin SD, Bulun SE Anastrazole and oral contraceptives: a novel treatment for endometriosis. Fertil Steril. 2005 Aug;84(2):300-4.

Zurück    Weiter

  Newsletter
  abonnieren?

Gerhard Leyendecker