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29.03.2008
 
Newsletter Nr. 2/2008
 
Reproduktionsmedizin
  1. HMG versus rekombinantem FSH
  2. Transfer von nur einer Blastozyste
  3. Sich schnell entwickelnde Embryonen
  4. Polycystic Ovarian Disease (PCOD) durch pulsatiles GnRH induziert
  5. Ovarialprotektion während einer Chemotherapie.

1. HMG versus rekombinantem FSH

Es handelt sich um einen Übersichtsartikel, der neuere Daten zur Effizienz von Menotropin (HMG; urinäres Menopausegonadotropin) versus rekombinantem FSH hinsichtlich verschiedener reproduktionsmedizinischer Daten unter Einschluss der Schwangerschaftsraten analysiert. Die zusammengefassten Daten zeigen, dass bei ICSI und IVF mit HMG die Rate an Lebendgeburten um 4% höher als bei Verwendung von rekombinatem FSH.

Literatur

Coomarasamy A, Afnan M, Cheema D, van der Veen F, Bossuyt PM, van Wely M. Urinary hMG versus recombinant FSH for controlled ovarian hyperstimulation following an agonist long down-regulation protocol in IVF or ICSI treatment: a systematic review and meta-analysis Hum Reprod. 2008 Feb;23(2):310-5. Epub 2007 Dec 3

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2. Transfer von nur einer Blastozyste

Die Reduzierung der Mehrlingsgeburten im Rahmen der Assistierten Reproduktion (IVF und ICSI) bei gleichzeitig hoher Schwangerschaftsrate ist ein wesentliches Ziel der Reproduktionsmedizin, da höhergradige Mehrlingsgraviditäten (z.B. Drillingsschwangerschaften) hohe gesundheitliche Risiken für die Mutter und die Kinder bergen.
Es besteht kein Zweifel, dass erst im Blastozystenstadium (Punktion plus 5 Tage) die Qualität des Embryos am besten beurteilt werden kann. Der Transfer einer einzelnen guten Blastozyste führt zu einer starken Reduzierung der Mehrlingsrate ohne die Schwangerschaftsrate ungünstig zu beeinflussen.

Kommentar von Ferticonsult: Ein bekanntes österreichisches IVF-Institut vom Bodensee streut aus leicht durchschaubaren Gründen die falsche Information, dass in Deutschland die Blastozystenkultur verboten sei. Im Embryonenschutzgesetz(EschG) ist von Blastozysten nicht die Rede. Richtig ist, dass nach EschG in Deutschland nur drei Embryonen generiert, die allerdings durchaus bis in das Blastozystenstadium kultiviert werden können. Durch den kombinierten und gezielten Einsatz von Polarisationsmikroskopie; PN-Scoring und gegebenenfalls IMSI (Intrazytoplasmische Injektion von mikroskopisch selektierten Spermien) können hervorragende Blastozysten generiert und transferiert werden.
Diese Methode (Polarisationsmikroskopie; ICSI mit IMSI; PN-Scoring; Blastozystenkultur) kommen alle im Kinderwunschzentrum Darmstadt zum Einsatz.

Literatur

Khalaf Y, El-Toukhy T, Coomarasamy A, Kamal A, Bolton V, Braude P. Selective single blastocyst transfer reduces the multiple pregnancy rate and increases pregnancy rates: a pre- and postintervention study. BJOG. 2008 Feb;115(3):385-90.

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3. Sich schnell entwickelnde Embryonen

Die Teilungs- oder Wachstumsgeschwindigkeit von Embryonen ist ein Hinweis auf ihre Gesundheit. Tag-3-Embryonen (Punktion plus Tag 3) wurden unterteilt in solche, die bis zu 6 Zellen (langsame Teilung), die 7-9 (mittelschnelle Teilung) und solche, die 10 und mehr Zellen (schnelle Teilung) aufwiesen. Mittelschnelle und schnelle Embryonen entwickelten sich signifikant häufiger in Blastozysten als langsame Embryonen. Schnelle Embryonen waren in 50% euploid (normaler Chromosomensatz), während bei langsamen Embryonen 82% aneuploid (abweichender Chromosomensatz) waren. Schnelle Embryonen entwickelten sich in mikroskopisch einwandfreie Blastozysten und erzielten die höchste Schwangerschaftsrate.

Literatur

Luna M, Copperman AB, Duke M, Ezcurra D, Sandler B, Barritt J. Human blastocyst morphological quality is significantly improved in embryos classified as fast on day 3 (>or=10 cells), bringing into question current embryological dogma. Fertil Steril. 2008 Feb;89(2):358-63. Epub 2007 May 25

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4. Polycystic Ovarian Disease (PCOD) durch pulsatiles GnRH induziert

Hereditäre Faktoren bestimmen die Entwicklung eines PCO-Syndroms. Die Symptomatik manifestiert sich erst mit und nach dem Eintritt der Pubertät durch zunehmenden Hirsutismus, Zyklusstörungen, Hyperandrogenämie und dem sonographischen Bild der polyzystischen Ovarien. Die Pubertät setzt normalerweise durch Beginn der pulsatilen Abgabe von GnRH aus dem Hypothalamus ein. Die primäre hypothalamische Amenorrhoe beruht auf einem Mangel an endogenem GnRH. Durch pulsatile Zufuhr von GnRH lassen sich ovulatorische Zyklen aufbauen und Schwangerschaften induzieren. Bei einigen dieser Patientinnen entwickelten sich nach wenigen Zyklen die Charakteristika des PCOS mit ansteigendem Testosteronspiegel und beginnender Anovulation, obwohl die pulsatile Zufuhr in Dosis und Frequenz der einzelnen Pulse nicht geändert wurde. Diese Beobachtungen unterstützen die Auffassung, dass das PCOS auf einem ovariellen, genetisch-metabolischem Defekt in der Steroidbiogenese beruht, der sich mit Beginn der ovariellen Stimulation durch die Gonadotropine endokrinologisch und klinisch manifestiert.

Literatur

Mattle V, Bilgyicildirim A, Hadziomerovic D, Ott HW, Zervomanolakis I, Leyendecker G, Wildt L. Polycystic ovarian disease unmasked by pulsatile GnRH therapy in a subgroup of women with hypothalamic amenorrhea. Fertil Steril. 2008 Feb;89(2):404-9. Epub 2007 Jun 21

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5. Ovarialprotektion während einer Chemotherapie

Die vorgelegte Studie betrifft den Erhalt der Fortpflanzungsfähigkeit bei jungen Frauen, die wegen eines Hodgkin-Lymphoms (HL) chemotherapeutisch behandelt werden müssen. Durch eine Downregulation mit einem GnRH-Analogon parallel zur Chemotherapie stellte sich nach Beendigung der Chemotherapie signifikant häufiger wieder eine zyklische Ovarialfunktion ein als ohne diese Parallelbehandlung. Neben reproduktionsmedizinischen Maßnahmen (Kryokonservierung von Ovarialgewebe und von Eizellen im PN-Stadium oder Embryonen) sollte die Ovarialprotektion durch GnRH-Analogie unter Chemotherapie zum Behandlungskonzept des HL bei jungen Frauen gehören.

Literatur

Blumenfeld Z, Avivi I, Eckman A, Epelbaum R, Rowe JM, Dann EJ. Gonadotropin-releasing hormone agonist decreases chemotherapy-induced gonadotoxicity and premature ovarian failure in young female patients with Hodgkin lymphoma. Fertil Steril. 2008 Jan;89(1):166-73. Epub 2007 Jun 28.

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Gerhard Leyendecker