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29.07.2008
 
Newsletter Nr. 4/2008
 
  1. Erniedrigte AMH-Spiegel (Anti-Müller-Hormon) und veränderte follicular Kohorte bei Patientinnen mit geringfügiger Endometriose.
  2. Anzahl antraler Follikel nach Downregulation: Eine 3D-Ultraschallstudie.
  3. 3D-Ultraschall und die Beurteilung der ovariellen Reserve
  4. Intracytoplasmische Injektion morphologisch selektierter Spermien (IMSI): Eine prospektiv randomisierte Studie.

1. Erniedrigte AMH-Spiegel (Anti-Müller-Hormon) und veränderte follicular Kohorte bei Patientinnen mit geringfügiger Endometriose.

Frauen mit geringfügiger Endometriose (“minimal and mild”) haben eine reduzierte Chance der Konzeption, obwohl häufig der tubo-ovarielle Komplex nicht betroffen ist. In der angelsächsischen Literatur wird dann von idiopathischer („unexplainded“) Sterilität gesprochen. In dieser Studie wird nun gezeigt, dass bei diesen Frauen gegenüber Kontrollen der AMH-Spiegel reduziert ist (1,26 +/- 0,7 ng/ml versus 2,02 +/- 0,72 ng/ml). Die FSH-Spiegel Tag 3 des Zyklus sind gleich, ebenso die Anzahl anstimulierbarer Follikel. Jedoch blieben die Follikel unter Stimulation kleiner und waren in ihrer Größe heterogener. Eine geringfügige Endometriose bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch reduziert offenbar die ovarielle Reserve.

Kommentar von Ferticonsult: Mehrere Faktoren können nunmehr identifiziert werden, die bei Endometriose die Reproduktion variabel kombiniert oder einzeln beeinträchtigen können:

  1. Hyperperistaltik mit beeinträchtigtem Spermientransport
  2. Verstärkte Besiedlung der Gebärmutterschleimhaut mit Makrophagen
  3. Eingeschränkte Eizellqualität (die Implantation ist nicht beeinträchtigt
  4. Reduzierte ovarielle Reserve
  5. Begleitende, mehr oder weniger ausgeprägte Adenomyosis uteri.
  6. Beeinträchtigung des tubo-ovariellen Funktionskomplexes durch Verwachsungen und Endometriome

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Lemos NA, Arbo E, Scalco R, Weiler E, Rosa V, Cunha-Filho JS. Decreased anti-Müllerian hormone and altered ovarian follicular cohort in infertile patients with mild/minimal endometriosis. Fertil Steril. 2008 May;89(5):1064-8. Epub 2007 Jul 10

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2. Anzahl antraler Follikel nach Downregulation: Eine 3D-Ultraschallstudie.

In dieser Studie wurde die Wirkung von hypophysärer Downregulation auf das ovarielle Volumen, die Anzahl antraler Follikel und die ovariellen Blutfluss-Indizes bei 114 Frauen mit FSH Werten < 12 miE/ml am Zyklusanfang und 14 Tage nach Downregulation untersucht. Das ovarielle Volumen schrumpfte und der ovarielle Blutfluss war reduziert. Es kam aber nicht zu einer Reduzierung der Anzahl der antralen Follikel. Die Downregulation mit Agonisten über 14 Tage reduziert offenbar nicht die ovarielle Reserve.

Kommentar von Ferticonsult: Eine wichtige Studie, denn es wird immer wieder argumentiert, dass bei Frauen im fortgeschrittenen reproduktionsbiologischen Alter zur Vermeidung einer Reduzierung der ovariellen Reserve mit einem Antagonisten-Schema statt mit dem „langen Protokoll“ gearbeitet werden sollte.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Jayaprakasan K, Hopkisson JF, Campbell BK, Clewes J, Johnson IR, Raine-Fenning NJ. Quantification of the effect of pituitary down-regulation on 3D ultrasound predictors of ovarian response. Hum Reprod. 2008 Jul;23(7):1538-44. Epub 2008 May 2.

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3. 3D-Ultraschall und die Beurteilung der ovariellen Reserve

Die vaginale 3D-Sonographie eignet sich offenbar besonders gut zur Messung der Anzahl der antralen Follikel am Anfang eines Zyklus, wobei diese Methode gewährleistet, dass Variabilität der Ergebnisse verschiedener Untersucher gering ist. Ein wesentliches Resultat der Studie ist, dass sich die individuelle ovarielle Reserve nicht wesentlich von Zyklus zu Zyklus unterscheidet.

Kommentar von Ferticonsult: Das Kinderwunschzentrum Darmstadt bietet an, dass Frauen mit prospektivem Kinderwunsch eine Untersuchung der ovariellen Reserve vornehmen lassen. Diese Untersuchung besteht aus den Messungen von FSH im Blut am 2.- 4. Zyklustag und der Messung der Anzahl antralen Follikel ebenfalls an Tag 2-4 des Zyklus. AMH (Anti-Müller-Hormon) zeigt keine Schwankungen während des Zyklus, würde aber zweckmäßigerweise auch zu diesem Zeitpunkt im Blut bestimmt.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Jayaprakasan K, Campbell BK, Clewes JS, Johnson IR, Raine-Fenning NJ. Three-dimensional ultrasound improves the interobserver reliability of antral follicle counts and facilitates increased clinical work flow. Ultrasound Obstet Gynecol. 2008 Apr;31(4):439-44.

Jayaprakasan K, Campbell B, Hopkisson J, Clewes J, Johnson I, Raine-Fenning N. Establishing the intercycle variability of three-dimensional ultrasonographic predictors of ovarian reserve. Fertil Steril. 2008 Jan 11. [Epub ahead of print]

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4. Intracytoplasmische Injektion morphologisch selektierter Spermien (IMSI): Eine prospektiv randomisierte Studie.

An der Untersuchung nahmen 446 Paare teil. Bei den jeweiligen Partnern handelte es sich um Fälle schwerer Oligoasthenozoospermie (schweres OAT-Syndrom). Die Frauen waren bis zu 35 Jahre alt und ohne eigenen Sterilitätsfaktor. Prospektiv randomisiert wurden 219 (Gruppe 1) Paare mittels konventioneller ICSI und 227 (Gruppe 2) Paare mittels IMSI behandelt. Bei IMSI werden die zur Injektion benutzten Spermien unter 6600-facher Vergrößerung ausgewählt. Ergebnisse: Die klinische Schwangerschaftsrate war bei IMSI höher als bei ICSI (39,2% versus 26,5%). Paare, die vorher zweimal oder häufiger erfolglos mit konventionellem ICSI behandelt wurden, profitierten besonders von der Umstellung auf IMSI (29,8% versus 12,9%; klinische Schwangerschaften) mit gleichzeitig reduzierter Fehlgeburtsrate (17,4% versus 37,5%).

Kommentar von Ferticonsult: IMSI wird seit Anfang 2008 im Kinderwunschzentrum Darmstadt durchgeführt.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Antinori M, Licata E, Dani G, Cerusico F, Versaci C, d’Angelo D, Antinori S Reprod Biomed Online. 2008 Jun;16(6):835-41PMID: 18549694 [PubMed - in process]

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Gerhard Leyendecker