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30.01.2010
 
Newsletter Nr. 6 (Dezember 2009)
 
  1. Hohe Häufigkeit von Endometriose bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, mit regelmäßigen Eisprüngen und Partnern mit normalem Spermiogramm.
  2. Der Effekt operativer Behandlung von Endometriomen auf die Resultate nachfolgender In-vitro-Fertilisation: Ăśbersicht und Metaanalyse
  3. Vitrifizierung von Oocyten zur Eizellspende. Resultate im Vergleich zu frisch gewonnenen Eizellen bei der In-vitro-Fertilisation.
  4. Hohe Schwangerschaftsraten nach Kryokonservierung von Eizellen im Vorkernstadium und späterem Transfer im Blastozystenstadium

1. Hohe Häufigkeit von Endometriose bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, mit regelmäßigen Eisprüngen und Partnern mit normalem Spermiogramm.

Es wurden 221 infertile Frauen laparoskopiert mit regelmäßigen Zyklen und Partnern, die ein normales Spermiogramm aufwiesen. Sonographisch waren zuvor keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Bei 50% fand sich eine Endometriose verschiedener Schweregrade und bei 40% eine die Konzeptionchance reduzierende anderweitige tubare Pathologie (z.B. Zustand nach Salpingitis; Adhäsionen etc.). Erstaunlicherweise hatte etwa die Hälfte der Frauen mit Endometriose keine Unterleibsbeschwerden. Es wird empfohlen, bei Frauen einer solchen Population unabhängig von der Schmerzsymptomatik und den sonographischen Befunden eine (operative) Laparoskopie durchzuführen, da die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Endometriose oder einer sonstigen, die Konzeptionchancen mindernden Pathologie hoch ist.

Kommentar von Ferticonsult: Überraschend ist der hohe Prozentsatz von infertilen Frauen mit Endometriose, die keine Unterleibsbeschwerden haben. Nicht weiter kommentiert wird in der Arbeit, aber es ist einer Tabelle zu entnehmen, dass bei den Frauen mit Endometriose praktisch keine zusätzlichen entzündungsbedingten tubaren Pathologien gefunden wurden. Dies beruht u.E. auf dem archimetralen Hyperöstrogenismus, der eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der Endometriose spielt. Als Folge der lokal in der tiefen Schleimhaut erhöhten Östrogenproduktion ist das immunologische Abwehrsystem des Uterus erhöht. So ist die Schleimhaut bei Frauen mit Endometriose verstärkt mit Makrophagen (Fresszellen) besiedelt.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Meuleman C, Vandenabeele B, Fieuws S, Spiessens C, Timmerman D, D'Hooghe T. High prevalence of endometriosis in infertile women with normal ovulation and normospermic partners. Fertil Steril. 2009 Jul;92(1):68-74. Epub 2008 Aug 5.

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2. Der Effekt operativer Behandlung von Endometriomen auf die Resultate nachfolgender In-vitro-Fertilisation: LiteraturĂĽbersicht und Metaanalyse.

Die Autoren kommen auf Grund einer LiteraturĂĽbersicht und Metaanalyse zu dem Schluss, dass das Unterklassen oder DurchfĂĽhren einer operativen Behandlung von Endometriomen keinen Einfluss auf den Erfolg einer In-vitro-Fertilisation habe.

Kommentar von Ferticonsult: Metaanalysen sind immer nur so gut wie das zugrunde liegende, ausgewertete Material. Das gilt nebenbei auch für die Cochrane data base. Die gute Nachricht dieser Studie ist, dass die Entfernung von Endometriomen die Resultate einer späteren In-vitro-Fertilisation nicht verbessert. Es ergibt sich also aus dieser Sicht nicht die Notwendigkeit, Endometriome vor IVF zu entfernen. Was aus dieser Studie nicht ersichtlich ist, und dies liegt wahrscheinlich am Patientenkollektiv in den einzelnen Studien, dass die operative Behandlung von Endometriomen zu einer Reduzierung des Eizellpools führen kann. Dies sollte immer bedacht werden, wenn Frauen wegen rezidivierende Endometriome mehrfach laparoskopiert werden.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Tsoumpou I, Kyrgiou M, Gelbaya TA, Nardo LG. The effect of surgical treatment for endometrioma on in vitro fertilization outcomes: a systematic review and meta-analysis. Fertil Steril. 2009 Jul;92(1):75-87. Epub 2008 Aug 9. Review.

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3. Vitrifizierung von Oocyten zur Eizellspende. Resultate im Vergleich zu frisch gewonnenen Eizellen bei der In-vitro-Fertilisation.

Die Cryotop-Methode der Vitrifizierung von Eizellen hat zu einem Durchbruch in der Kryokonservierung von Eizellen geführt. In einem Programm der Eizellspende in Valencia wurden die Resultate einer ICSI-Behandlung mit frischen Eizellen und vitrifizierten Eizellen überprüft. 30 Spenderinnen in einem Alter von 18-35 (26,7 + 3,6; SD) und 30 Empfängerinnen in einem mittleren Alter von 41 (+ 3,8; SD) Jahren nahmen an der Studie Teil. Es erfolgte eine randomisierte Zuordnung der Empfängerinnen zur Behandlung mit „frischen“ und vitrifizierten Eizellen. Die Konservierung nach Vitrifizierung erfolgte über die Dauer von zwei Stunden, so dass ICSI mit den frischen und vitrifizierten Eizellen einer Spenderin zeitgleich erfolgen konnte. Die Überlebensrate nach Vitrifizierung betrug 96,7%. Die Fertilisationsrate sowie die Teilungsraten an Tag 2 und 3 waren nicht unterschiedlich zwischen den Gruppen. Ebenso die Rate der Bildung von Blastozysten mit 48,7 bzw. 47,5%. Bei 23 Embryotransfers mit zuvor vitrifizierten Eizellen an Tag 3 resultierte eine Rate weiterführender Schwangerschaften von 47,8%. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Eizell-Spende-Programm ohne Einschränkung der Schwangerschaftsrate mit vitrifizierten Eizellen durchgeführt werden kann. Darüber hinaus ergibt sich aus den Ergebnissen die Möglichkeit zur Etablierung einer effektiven Eizellbank.

Kommentar von Ferticonsult: Ein Oocyten-Donor-Programm ist in Deutschland auf Grund der gegenwärtigen gesetzlichen Regelung (EschG) nicht möglich. Allerdings ist es reproduktionsmedizinisch sinnvoll, ein Programm der Lagerung von Eizellen zur autologen Nutzung („Eigenspende“) zu etablieren. Die hohe Blastozystenrate von ca 48% ist auf das niedrige Alter der Spenderinnen zurückzuführen.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Cobo A, Kuwayama M, PĂ©rez S, Ruiz A, Pellicer A, RemohĂ­ J. Comparison of concomitant outcome achieved with fresh and cryopreserved donor oocytes vitrified by the Cryotop method. Fertil Steril. 2008 Jun;89(6):1657-64. Epub 2007 Sep 24.

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4. Hohe Schwangerschaftsraten nach Kryokonservierung von Eizellen im Vorkernstadium (2PN) und späterem Transfer im Blastozystenstadium

In dieser retrospektiven Studie wurde die Schwangerschaftsrate nach Kryokonservierung von Eizellen im 2PN-Stadium analysiert. Die Mucosa in den Transferzyklen wurde durch das Kaufmann-Schema vorbereitet. Die Ergebnisse bei Frauen unter 35 Jahren wurden mit denen bei Frauen zwischen 35 und 40 Jahren verglichen. Nach Auftauen der PN’s wurde grundsätzlich eine Embryokultur bis in das Blastozystenstadium vorgenommen (Tag 5 – 6) und ein Blastozystentransfer mit im Mittel 1,9 Embryonen durchgeführt. Bei Frauen unter 35 Jahren konnten im Mittel 14, bei den älteren Frauen im Mittel 10 PN’s eingefroren werden. Erstaunlicherweise war nach Auftauen und Blastozystenkultur die Blastzystenrate pro PN mit 21.5 vs 20,3% in beiden Gruppen annähernd gleich. Die Rate weiterführender Schwangerschaften pro Blastozystentransfer betrug 79,2% bei den jüngeren und 51,2% bei den älteren Frauen. Die Rate früher Fehlgeburten war bei den älteren Frauen mit 31.3 % signifikant höher als bei den jüngeren Frauen (15,6%). In einer weiteren Studie (Eizell-Spenden-Programm) (Epub ahead) wurde die Schwangerschaftsrate nach Transfer von Blastozysten in frischen autologen oder frischen Donorzyklen mit derjenigen in Donorzyklen nach Kryokonservierung im 2PN-Stadium verglichen. Die Spenderinnen waren nicht älter als 34 Jahre. Die weiterführende SSR war –nach Blastozystentransfer – in beiden Gruppen gleich (79 vs 75%)

Kommentar von Ferticonsult: Diese Daten entsprechen den Erfahrungen des Kinderwunschzentrum Darmstadt. Schwangerschaften sind praktisch nur dann möglich, wenn an Tag 5 der Embryokultur Blastozysten transferiert werden (ca 60%). Liegen expandierte Blastozysten vor, so liegt die SSR bei 80% (Transfer von 1 – 2 Blastozysten). Das Ziel jeglicher Verbesserung bei IVF und IVF/ICSI muss daher im Erreichen eines Transfers mit Blastozysten liegen. Die Vitrifizierung von Eizellen in Metaphase II (s. Cobo et al.) oder von Eizellen im 2 PN-Stadium führt sicherlich zu einer erhöhten Blastozystenrate nach Auftauen und 5-Tage-Kultur als in der Arbeit von Shapiro et al., die mit der konventionellen Kryoprozedur eine Blastozystenrate von ca 20% erzielten.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Shapiro BS, Daneshmand ST, Garner FC, Aguirre M, Hudson C, Thomas S. High ongoing pregnancy rates after deferred transfer through bipronuclear oocyte cryopreservation and post-thaw extended culture. Fertil Steril. 2009 Nov;92(5):1594-9. Epub 2008 Nov 11.

Shapiro BS, Daneshmand ST, Garner FC, Aguirre M, Hudson C, Thomas S. Similar ongoing pregnancy rates after blastocyst transfer in fresh donor cycles and autologous cycles using cryopreserved bipronuclear oocytes suggest similar viability of transferred blastocysts. Fertil Steril. 2009 Aug 13. [Epub ahead of print]

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Gerhard Leyendecker