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04.02.2010
 
Sonder-Newsletter Nr. 13 (Februar 2010)
 

Die autologe Eizellspende

Unter dem Begriff der ‚Äöautologen Eizellspende‚Äô verstehen wir die Bevorratung eigener Eizellen, auf die Sie bei Bedarf zur√ľckgreifen k√∂nnen. Im Prinzip handelt es sich hierbei um ein Vorgehen wie bei der √ľblichen Eizellspende (Oocyten-Donation). Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass es sich um Ihre eigenen Eizellen handelt.

Der Sinn einer solchen Ma√ünahme erschlie√üt sich nicht ohne weiteres. Aus diesem Grunde werden wir im Folgenden einige Situationen schildern, in denen √ľber eine autologe Eizellspende nachgedacht werden sollte.

Endometriose
Die Endometriose ist ein Krankheitsbild, welches h√§ufig mit Unfruchtbarkeit einhergeht. Davon betroffene Frauen haben nicht selten erhebliche Schmerzen bei der Regelblutung (Dysmenorrhoe). In zwei Drittel aller F√§lle beginnt die Erkrankung w√§hrend der Adoleszenz (im Jugendalter). Es handelt sich um die Wucherung von Geb√§rmutterschleimhaut au√üerhalb der Geb√§rmutterh√∂hle. Endometrioseherde treten im Bauchfell und in den Organen (Eierst√∂cke) des kleinen Beckens auf. Sie wachsen auch in den Geb√§rmuttermuskel hinein und werden dann als Adenomyose bezeichnet. Es gibt unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung. Bei Kinderwunsch erfordert eine Endometriose in der Regel eine Behandlung durch ein Verfahren der k√ľnstliche Befruchtung (IVF oder IVF/ICSI).

Wichtig in unserem Zusammenhang sind Endometriosezysten der Eierst√∂cke. Sie sind die Folge von Wucherungen der Geb√§rmutterschleimhaut (Endometrium) in den Eierst√∂cken. Durch Blutungen dieser Endometrioseherde entwickeln sich im Laufe der Zeit mit altem Blut gef√ľllte Zysten, die Endometriome des Eierstocks (sog. Schokoladenzysten des Eierstocks). Der Gyn√§kologe kann sie mittels Ultraschall erkennen. Solche Zysten werden h√§ufig per Bauchspiegelung entfernt, aber nicht selten treten Rezidive (erneute Bildung) auf. Daher berichten viele Frauen mit Endometriosezysten √ľber mehrfach durchgef√ľhrte Operationen.

Es l√§sst sich nicht vermeiden, dass bei diesen Operationen auch gesundes Eierstocksgewebe verloren geht - und damit zwangsl√§ufig Eizellen, die f√ľr den Eintritt einer Schwangerschaft ben√∂tigt werden. Junge Frauen, die mehrfach auf diese Weise operiert worden sind, haben daher einen reduzierten Vorrat an Eizellen und kommen evtl. entsprechend verfr√ľht in die Wechseljahre, die normalerweise erst dann eintreten, wenn die Zahl der Eizellen bei nat√ľrlichem Verlust unter einen bestimmten Grenzwert sinkt.

Manche, auch j√ľngere Frauen mit Endometriose haben derart ausgepr√§gte Beschwerden, da√ü nur eine ausgedehnte Operation zu einem gewissen Ma√ü an Schmerzlinderung f√ľhrt. Wenn auch bei noch bestehendem Kinderwunsch vom Operateur ein weitgehender Erhalt von funktionsf√§higem Ovarialgewebe angestrebt wird, kann dies aber nicht immer garantiert werden.

Eine Frau mit Endometriose sollte sich grunds√§tzlich ‚Äď auch wenn es schmerzlich ist ‚Äď dar√ľber im Klaren sein, dass der Spontaneintritt einer Schwangerschaft eher unwahrscheinlich ist und bei Kinderwunsch √§rztliche Hilfe z.B. mittels der k√ľnstlichen Befruchtung erforderlich sein wird. Die Krankheit tritt h√§ufig in einem Alter auf, in dem unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen ein Kinderwunsch noch nicht besteht oder aus den verschiedensten Gr√ľnden noch nicht realisiert werden kann. Es ist daher sinnvoll, wenn Sie die M√∂glichkeit einer autologen Eizellspende mit Ihrem Arzt/√Ąrztin besprechen.

Fortgeschrittenes reproduktionsmedizinisches Alter
Nach dem 35. Lebensjahr kommt es zu einem kontinuierlichen Abfall der Konzeptionswahrscheinlichkeit. Dies beruht auf dem stetigen Verlust an Eizellen. Hinzu kommt, dass bei reduzierter Eierstockreserve die noch vorhandenen Eizellen in einem h√∂heren Prozentsatz als bei j√ľngeren Frauen chromosomal defekt sind.

Es ist ein seit etwa 30 Jahren zu beobachtender Tatbestand, dass aus den unterschiedlichsten soziologischen Gr√ľnden die Realisierung des Kinderwunsches in das letzte Drittel der fruchtbaren Phase hinausgeschoben wird. Nicht selten fehlt dann der richtige Partner. Dies ist ein Dilemma, in dem sich viele Frauen heute befinden. Viele Patientinnen kommen mit einem ‚ÄöAlter um die 40‚Äô in unsere Sprechstunde und m√ľssen dann feststellen, da√ü eine Schwangerschaft mit eigenen Eizellen nicht mehr m√∂glich ist, da die generative Eierstocksreserve aufgebraucht ist. Die noch vorhandenen Eizellen k√∂nnen zwar noch befruchtet, aber nicht mehr zu einer Schwangerschaft f√ľhren. H√§ufig findet sich dann auch ein erniedrigter AMH-Wert im Blut, der Ausdruck der aktuell noch vorhandenen Eizellreserve ist.

Viele Paare entschlie√üen sich dann zu einer Eizellspende, die allerdings nur im Ausland durchgef√ľhrt werden kann. Die Schwangerschaftsrate nach Eizellspende ist sehr hoch. Bei Verwendung eigener kryokonservierter Eizellen, die m√∂glichst vor dem 35. Lebensjahr gewonnen werden sollten, ist mit einer entsprechend hohen Schwangerschaftsrate zu rechnen.

Onkologische Erkrankungen.
Im Zuge der Behandlung einer onkologischen Erkrankung kann es trotz ‚ÄěOvarprotektion‚Äú zu einer Sch√§digung oder zum Verlust von Eizellen kommen. Die Kryokonservierung von Eierstocksgewebe und dessen Replantation ist immer noch in einem experimentellen Stadium. Dagegen ist die Methode der Eizellspende mit Vitrifizierung etabliert. Die M√∂glichkeit einer autologen Eizellspende angesichts einer onkologischen Erkrankung muss interdisziplin√§r mit dem behandelnden Onkologen er√∂rtert werden.

Praktisches Vorgehen
Durch die neue Methode der Vitrifizierung verlieren kryokonservierte Eizellen nicht ihr Potential, sich nach Auftauen und Befruchtung in Blastozysten zu entwickeln, die die Voraussetzung f√ľr eine erfolgreiche Einnistung und Schwangerschaft sind.

Ovarielle Stimulation und Eizellgewinnung
Die ovarielle Stimulation kann mit Tabletten (100 mg Clomiphen √ľber 5 Tage) oder mit t√§glichen Injektionen von Gonadotropinen unter einem GnRH-Agonisten oder ‚ÄďAntagonistenprotokoll erfolgen. Die finale Reifung der Eizellen vor der Punktion und Eizellgewinnung erfolgt durch die terminierte Injektion von HCG. W√§hrend bei der Clomiphenstimulation mit ca 6-8 Eizellen gerechnet werden kann, werden mit dem Gonadotropinprotokoll etwa 10-12 Eizellen gewonnen. Die Follikelpunktion zur Eizellgewinnung ist ein ambulanter Eingriff unter einer Kurznarkose. Unmittelbar nach der Punktion werden die gewonnen Eizellen vitrifiziert und kryokonserviert.

Wie viele Eizellen sollten gespendet und kryokonserviert werden?
Bei autologer Eizellspende vor dem 35. Lebensjahr entwickeln sich etwa 30% der Eizellen nach Befruchtung in Blastozysten, die bei einem Zweiertransfer ihrerseits eine Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von ca 60% aufweisen. Zwanzig vitrifizierte Eizellen f√ľhren nach Befruchtung zu etwa 6 Blastozysten. Dies ergibt die M√∂glichkeit von drei Zweiertransfers und einer kumulativen Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von √ľber 90%. Hierbei kann mit einer Zwillingsrate von 30% gerechnet werden. Bei Kryokonservierung von etwa 30 Eizellen besteht eine ausreichende ‚ÄöSicherheitsreserve‚Äô. Dies bedeutet, da√ü entweder drei Gonadotropinzyklen oder f√ľnf Clomiphenzyklen durchgef√ľhrt werden sollten.

Besteht eine Gefährdung der Gesundheit?
Die Hormontherapie (Clomiphen oder Gonadotropine) birgt kaum Gesundheitsrisiken. Es kann (selten) zu einer Überstimulation der Eierstöcke kommen, Sie tritt dann auch nur passager auf, da kein Embryotransfer erfolgt. Die Gesundheitsrisiken durch Punktion und Narkose sind extrem gering.

Kosten
Die Kosten sind im Vergleich zur kompletten k√ľnstlichen Befruchtung gering, da keine Befruchtung mit Samenf√§den und daher auch keine Eizellkultur erfolgt. Die Lagerungskosten der vitrifizierten Eizellen entsprechen denen von Samenproben oder Eizellen im Vorkernstadium.

Abschließende Bemerkung
Es ist verst√§ndlich, dass viele Frauen es f√ľr eine Zumutung halten, mit dieser Problematik konfrontiert zu werden und sich √ľber eine Kryokonservierung eigener Eizellen Gedanken machen zu m√ľssen. Unserer Ansicht nach sollten Sie jedoch wissen, dass es diese M√∂glichkeit gibt.

Ferticonsult und Kinderwunschzentrum Darmstadt (www.kwz-da.de) F√ľr ein Informationsgespr√§ch machen Sie einen Termin mit uns aus.

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Gerhard Leyendecker