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29.01.2011
 
Newsletter Nr. 1/2011 (Januar 2011)
 
Eizellspende

Im Deutschen Ärzteblatt (DÄ, Jahrgang 108, Heft 3, 21. Januar 2011) erschien der Artikel „Eizellspende – ein Risikofaktor für Schwangerschaftshochdruck“ aus der Frauenklinik der RWTH Aachen. Die Autoren (Pecks, Maass und Neulen) beobachteten mehrere schwere Fälle dieser Schwangerschaftskomplikation bei Frauen nach Eizellspende, was sie veranlasste, über diese zu berichten und gleichzeitig eine Literaturübersicht (Metaanalyse) vorzunehmen, in der sie in ihrer Auffassung bestätigt wurden, dass die Eizellspende gehäuft mit einem Schwangerschaftshochdruck einhergeht.

Die Publikation hat auch in der Presse für Aufsehen gesorgt, und die FAZ, bekannt für ihre betont schöngeistige Ausrichtung und notorisch hyperkritische Haltung gegenüber der Fortpflanzungsmedizin (es sei an den bizarren Betrag „Sex im Glas“ vor Jahren im FAZ-Feuilleton von Jan Ross erinnert) titelt heute (26.1.2011) in der Beilage ‚Natur und Wissenschaft’ „Gefährliche Eizellspende“ (Martina Lenzen-Schulte). Der Bericht in der FAZ gibt im Wesentlichen den Inhalt der Veröffentlichung im DÄ wieder unter anderem auch die Betonung auf die möglichen immunologischen Ursachen für die Komplikationen, die eben in der Eizellspende als solcher lägen. In der Diskussion über die möglichen Ursachen der Komplikation durch (oder besser nach?) Eizellspende wiesen die Autoren darauf hin, dass es keine geeignete Kontrollgruppe gäbe.

Doch, die gibt es. Es ist die Leihmutterschaft (surrogate pregnancy). Auch dabei stammt die Eizelle nicht von der austragenden Mutter. Über den Verlauf der Schwangerschaft bei Leihmutterschaft gibt es eine große Anzahl von Einzelpublikationen und Übersichtarbeiten, die erstaunlicherweise im Artikel des DÄ nicht zitiert werden. Ganz im Gegensatz zur Eizellspende wird bei der Leihmutterschaft nicht über gehäuften Schwangerschaftshochdruck berichtet. Im Gegenteil: die Häufigkeit dieser Komplikation liegt sogar unter der in der Normalpopulation. Wie das? Im Laufe der Evolution hat die Natur eben keinen immunologischen Abwehrmechanismus gegen die üblicherweise 5 bis 7 Tage nach Befruchtung aus dem Eileiter in die Gebärmutter gelangenden Embryonen entwickelt. Warum sollte sie auch. Vor der Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut schlüpfen die Embryonen aus der Eizellhülle (Zona pellucida), die in der Tat mütterlichen Ursprungs ist, schnell zerfällt und durch Phagozytose abgebaut wird. Ungeachtet der sehr variablen genetischen Distanz der Embryonen zur Mutter kommt es bei ‚gesunden’ Embryonen in einem hohen Prozentsatz zur Einnistung und Schwangerschaft.

Aus all dem läßt sich folgern, wie es auch durch die Autoren in den Arbeiten zur Leihmutterschaft geschieht, dass im Hinblick auf die Komplikationen nicht die gespendete Eizelle, sondern die Empfängerin das Problem darstellt. So wiesen auch mindestens drei der fünf im DÄ vorgestellten Empfängerinnen von gespendeten Eizellen zusätzlich zum fortgeschrittenen reproduktionsbiologischen Alter weitere prädisponierende Faktoren wie Adipositas und Bluthochdruck auf. Bei den beiden übrigen Frauen (Zwillingsschwangerschaft und Wachstumsretardierung) lag der Blutdruck im hohen grenzwertigen Bereich. Der entscheidende Unterschied zwischen Leihmüttern und Frauen mit Eizellspende liegt in der Tat darin, dass Leihmütter in der Regel jung und gesund sind und darüber hinaus bereits erfolgreich eigene Schwangerschaften ausgetragen haben, während bei Frauen mit Eizellspende neben dem Alter und der Sterilität als solcher multiple Risiken vorliegen können, die im Einzelfall analysiert werden müssten und durchaus auch Folge des Alters sein können. Dazu gehören Stoffwechselerkrankungen, kardiovaskuläre Risiken und auch Ursachen, die im Alterungsprozess der Gebärmutter begründet sein können, wie z.B. die Adenomyose des Uterus, von der ca 50 bis 60% von Frauen in der Perimenopause betroffen sind.

Nein, das grundsätzliche Problem ist nicht die Eizellspende, sondern dass häufig Frauen mit Kinderwunsch in ein Alter kommen, in dem ein genetisch eigenes Kind nicht mehr möglich ist. Für viele dieser Frauen stellt die Eizellspende einen Segen dar, und sie sind dankbar, dass diese im europäischen Ausland durchgeführt werden kann. Zweifelsohne müssen die Frauen über die Risiken informiert und in der ersehnten Schwangerschaft engmaschig betreut werden. Nochmals: Es ist nicht die Eizellspende als solche und es kommt auch nicht auf eine „gelungene Kommunikation zwischen natürlichen Killerzellen der Mutter und dem HLA-C Antigen des Feten an“. Entscheidend sind ein vitaler Embryo sowie, abgesehen von der vorliegenden Sterilität, die reproduktionsbiologische und sonstige Gesundheit der Mutter, die diesen Embryo austrägt.

Literatur

Pecks U, Maass N, Neulen J. Oocyte donation – a risk factor for pregnancy-induced hypertension – a meta-analysuis and case series, Dtsch Arztebl Int 2011; 108(3) 23-31

Serafini P. Outcome and followe-up of children born after IVF-surrogacy Hum Reprod Update. 2001 Jan-Feb;7(1):23-7. Review.

Parkinson J, Tran C, Tan T, Nelson J, Batzofin J, Serafini P. Perinatal outcome after in-vitro fertilization-surrogacy. Hum Reprod. 1999 Mar;14(3):671-6.

Brinsden PR. Gestational surrogacy. Hum Reprod Update. 2003 Sep-Oct;9(5):483-91.

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Gerhard Leyendecker