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20.03.2001
 
Newsletter Nr.8
 
  1. Ovulationsinduktion beim PCO-Syndrom mit HyperinsulinÀmie
  2. Gesundheit von 227 Kindern nach IVF und IVF/ICSI bei Verwendung des GnRH-Antagonisten Cetrorelix wÀhrend der kontrollierten ovariellen Stimulation (COS)
  3. Der GnRH-Antagonist Ganirelix im Vergleich zum GnRH-Analog Leuprolid Azetat bei der kontrollierten ovariellen Stimulation im Rahmen der IVF-Behandlung
  4. Auswirkungen des Alters des Mannes auf die SamenqualitĂ€t: Eine LiteraturĂŒbersicht.
  5. Und noch einmal: Kontrollierte ovarielle Stimulation mit LH und wieviel oder nur FSH?

1. Ovulationsinduktion beim PCO-Syndrom mit HyperinsulinÀmie und Insulinresistenz

HyperandrogenĂ€mie und Oligo-Amenorrhoe sind Komponenten eines Polycystischen Ovarial-Syndroms (PCOS), wenn sie nicht durch einen Androgene produzierenden Tumor oder einen Nebennierenrindenenzymdefekt verursacht sind. Obwohl im Vaginalultraschall hĂ€ufig die "typischen” PCO-Ovarien mit dem vermehrten zentralen Stroma und den randstĂ€ndigen multiplen kleinen Follikelzysten gefunden werden, gehört dieser Befund aufgrund einer nicht einstimmig getroffenen Konsensusfindung am NIH 1990 nicht zu den die Diagnose PCOS etablierenden Kriterien. Die HĂ€ufigkeit eines PCOS in der weiblichen Bevölkerung wĂ€hrend des reproduktiven Alters betrĂ€gt etwa 5%. Etwa 30-50% von Frauen mit einer Oligo-Amenorrhoe haben ein PCOS. Neben den erhöhten Androgenspiegeln (Testosteron, Androstendion, Dehydroepiandrosteron-Sulfat) finden sich hĂ€ufig erhöhte LH- und normale FSH-Spiegel im Blut mit einem erhöhten LH/FSH-Quotienten. Die Ursachen des PCOS sind bis heute nicht geklĂ€rt. Eine gesteigerte hypothalamische AktivitĂ€t, Störungen in der ovarielen und adrenalen Steroidhormon-Biosynthese und Störungen des Insulinstoffwechsels werden diskutiert. Im klinischen Alltag lassen sich grundsĂ€tzlich zwei PhĂ€notypen (Erscheinungsformen) unterscheiden: Die schlanke Frau mit PCOS. Die adipöse und ĂŒbergewichtige Frau mit PCOS. Erstaunlicherweise finden sich bei schlanken Frauen mit PCOS erhöhte LH-Spiegel, wĂ€hrend diese bei adipösen Frauen mit PCOS normal sind. Daher ist der erhöhte LH/FSH-Quotient auch kein entscheidendes diagnostisches Kriterium. Schlanke Frauen mit PCOS haben in der Regel keine HyperinsulinĂ€mie und Insulinresistenz. Bei adipösen und ĂŒbergewichtigen Frauen steigt die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Insulinstoffwechselstörung mit dem Gewicht. Mit Laboratoriumsuntersuchungen (z.B. oraler Glucose-Toleranztest) lĂ€ĂŸt sich eine HyperinsulinĂ€mie nachweisen. Aber auch klinische Befunde alleine lassen eine Insulinresistenz mit HyperinsulinĂ€mie als wahrscheinlich erscheinen. Dazu gehören ein BMI (body mass index) von mehr als 27 kg/m2 KörperoberflĂ€che, ein großes Taillen- HĂŒftumfang-VerhĂ€ltnis (>0,85), ein Taillenumfang von mehrt als 100 cm, eine Akanthosis nigricans und multiple Akrochordons. Die HyperandrogenĂ€mie mit Insulinresistenz und Akanthosis nigricans ist eine des PCOS mit schwerer Insulinresistenz, die auf einer Mutation des Insulinrezeptor-Gens beruht. Die Akanthosis nigricans ist praktisch beweisend fĂŒr eine Insulinresistenz, jedoch haben viele Frauen mit PCOS und Insulinresistenz keine Akanthosis nigricans. Bezogen auf den BMI lĂ€ĂŸt sich folgende generelle Feststellung treffen: Bei einem BMI von <22kg/m2 besteht sicher keine Insulinresistenz, bei einem BMI von >27 kg/m2 besteht wahrscheinlich und bei einem BMI von >30 kg/m2 sicher eine Insulinresistenz.

Die Bedeutung der Insulinresistenz beim PCOS besteht zum einen darin, daß diese Frauen gefĂ€hrdet sind, einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln und verstĂ€rkte kardiovaskulĂ€re Risiken aufweisen. Zum anderen ist die Insulinresistenz bei diesem Subtyp von PCOS an der Pathogenese des Syndrom zumindest beteiligt. Dies bedeutet, daß eine therapeutisch gĂŒnstige Beeinflussung der Insulinresistenz gleichzeitig eine Behandlung des PCOS bei HyperinsulinĂ€mie darstellt und gĂŒnstige Voraussetzungen fĂŒr eine erfolgreiche SterilitĂ€tstherapie schafft (siehe FertiConsult-Übersicht PCOS und Gynexpert Aktuelle Diagnostik und Therapie PCOS).

Literatur

Barbieri RL (2000) Induction of ovulation in infertile women with hyperandrogenism and insulin resistence. Am J. Obstet. Gynecol. 183: 1412-1418

Vandermolen DT, Ratts VS, Evans WS, Stovall DW, Kauma SW, Nestler JE (2001) Metformin increases the ovulatory rate and the pregnancy rate from clomiphene citrate in patients with polycystic ovary syndrome who are resistant to clomiphene citrate alone. Fertil. Steril. 75: 310-315

2.Gesundheit von 227 Kindern nach IVF und IVF/ICSI bei Verwendung des GnRH Antagonisten Cetrorelix wÀhrend der kontrollierten ovariellen Stimulation (COS)

In einer Multizenterstudie wurden die Schwangerschaften und die 227 Kinder untersucht, die unter der hypophysĂ€ren Blockade mit dem GnRH-Antagonisten Cetrorelix nach kontrollierter ovarieller Stimulation in IVF- und IVF/ICSI-Zyklen nach "frischem" (grĂ¶ĂŸere Anzahl) und nach "Kryotransfer" (kleinere Anzahl) entstanden bzw. geboren wurden. In jeglicher Hinsicht (Schwangerschaftsrate; Mehrlingsrate; Rate an ExtrauteringraviditĂ€ten; Malformationen und Entwicklung der Kinder bis zu einem Alter von zwei Jahren) war kein Unterschied zu anderen Verfahren der hypophysĂ€ren Blockade festzustellen. Die Autoren ziehen den Schluß, daß die Verwendung von Cetrorelix kein Risiko im Hinblick auf die nach IVF und IVF/ICSI geborenen Kinder darstellt.

Literatur

Ludwig M, RiethmĂŒller-Winzen H, Felberbaum RE, Olivennes F, Albano C, Devroey P, Diedrich K (2001) Health of 227 children born after controlled ovarian stimulation for in vitro fertilization using the luteinizing relaesing hormone antagonist cetrorelix. Fertil Steril 75: 18-22

3.Der GnRH-Antagonist Ganirelix im Vergleich zum GnRH-Analog Leuprolid-Azetat bei der kontrollierten ovariellen Stimulation im Rahmen der IVF-Behandlung

In einer Multizenterstudie der nordamerikanischen "Ganirelix study group" wurde die Sicherheit und Wirksamkeit der Verwendung des GnRH-Antagonisten Ganirelix im Rahmen der IVF-Bahandlung untersucht und mit dem agonistischen GnRH-Analog Leuprolid-Azetat verglichen. Im einzelnen wurde die Zahl der gewonnenen Eizellen, der transferierten und kryokonservierten Embryonen, die Implantations-, Schwangerschaftsrate und Rate der weiterfĂŒhrenden Schwangerschaften bestimmt. In allen diesen Parametern bestand im wesentlichen Übereinstimmung zwischen der Anwendung von Ganirelix und der Down-Regulation mit dem Agonisten. Als Vorteil der Verwendung des Antagonisten Ganirelix kann die deutlich kĂŒrzere Stimulationszeit bis zur Ovulationsinduktion angesehen werden.

Literatur

The North American Ganirelix Study Group (2001) Efficiancy and safety of ganirelix acetate versus leuprolide acetate in women undergoing controlled ovarian hyperstimulation. Fertil Steril. 75: 38-45

4.Auswirkungen des Alters des Mannes auf die SpermienqualitĂ€t: Eine LiteraturĂŒbersicht

Die Auswertung bezieht sich auf englischsprachige Literatur der Jahre 1980 bis 1999 unter Benutzung der Medline und Biosis Datenbasen. Unter BerĂŒcksichtigung methodisch stĂ€rker abgesicherter Studien ergibt das Gewicht der Daten, daß mit zunehmendem Alter des Mannes eine Abnahme des Ejakulatvolumens, der Spermienbeweglichkeit, eine Verschlechterung der Spermienmorphologie, aber keine Abnahme der Spermienkonzentration zu beobachten ist.

Literatur

Kidd AS, Eskenazi B, Wyrobek AJ (2001) Effects of male age on semen quality and fertility: a review of the literature. Fertil Steril 75: 237-248

5. Und noch einmal: Kontrollierte ovarielle Stimulation mit LH und mit wieviel oder nur FSH?

Mehrere Untersuchungen weisen nunmehr darauf hin, daß in der kontrollierten ovariellen Stimulation fĂŒr die IVF/ICSI-Bahandlung die Verwendung von hochgereinigtem bzw. rekombinantem FSH alleine der Verwendung von der Kombination von FSH mit LH in der Form HMG nicht ĂŒberlegen, eventuell sogar unter der BerĂŒcksichtigung verschiedener Parameter tendenziell unterlegen ist. In einer dieser Studien wurde die optimale Dosierung von LH pro Ampulle HMG im Vergleich zu rekombinantem FSH untersucht. Obwohl in den einzelnen Gruppen (FSH alleine; 1, 25, 75 Einheiten pro Ampulle) hinsichtlich der Implantations- und Schwangerschaftsraten keine statistische Signifikanz erreicht wurde, ergab sich der Trend, daß die Kombination von FSH mit LH der alleinigen Applikation von FSH ĂŒberlegen ist und ein VerhĂ€ltnis von 75 Einheiten FSH zu75 Einheiten LH pro Ampulle am gĂŒnstigsten sei.

Literatur

Fillicori M, Cognigni, GE, Taraborrelli S, Spettoli D, Ciampaglia W, Tabarelli de Fatis C, Pocognoli P, Cantelli B, Bosch S (2001)Luteinizing hormone activity in menotropins optimizes folliculogenesis and treatment in controlled ovarian stimulation. J. Clin. Endocrinol. Metab. 86: 337-343

Gordon DU, Harrison AF, Fawzy M, Hennelly B, Gordon AC (2001) A randomized prospective assessor-blind evaluation of luteinizing hormone dosage and in fitro fertilization outcome. Fertil. Steril. 75: 324-331

Strehler E, Abt M, El-Danasouri I, De Santo M, Sterzik K (2001) Impact of recombinant follicle-stimulating hormone and human menopausal gonadotropins on in vitro fertilization outcome. Fertil. Steril. 75: 332-341

Ng EHY, Lau EYL, Yeung WSB, Ho PC (2001) HMG is as good as recombinant human FSH in terms of oocyte and embryo quality: a prospective and randomized trial. Hum. Reprod. 16: 319-325

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Gerhard Leyendecker