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15.07.2001
 
Newsletter Nr. 10
 
  1. Entstehung der Endometriose: Weitere wichtige Einsichten
  2. Transfer eines ausgewählten Embryos: Die Bedeutung der Kryokonservierung
  3. Akne und Hyperandrogenämie
  4. Herstellung von menschlichen Embryonen zur Gewinnung embryonaler Stammzellen

1. Entstehung der Endometriose: Weitere wichtige Einsichten

Die bisher gängige Theorie nach Sampson besagt, daß während der Menstruation ein Teil des Blutes und damit ein Teil der abgestoßenen oberfächlichen Schleimhaut (Endometrium) über die Eileiter in den Bauchraum gelangt ( sog. retrograde Menstruation) und sich dort einnistet und sich zur Endometriose entwickelt. Da aber alle Frauen mit offenen Eileitern eine retrograde Menstruation und nur ein kleiner Teil eine Endometriose entwickelt, kann diese Theorie die Entstehung der Endometriose nicht ausreichend erklären. Es sind daher von vielen Forschern Hilfskonstruktionen entwickelt worden, u.a. die Vorstellung, daß bei Frauen mit Endometriose ein lokaler Immundefekt des Bauchfells im kleinen Becken das Anwachsen der abgestoßenen Schleimhaut begünstige.

Neuere Forschungen haben nun ergeben, daß bei Frauen mit Endometriose etwas geschieht, was normalerweise nicht vorgesehen ist. Normalerweise wird während der Regelblutung nur die obere Schicht der Schleimhaut, die sog. Funktionalis abgestoßen. Nach der Blutung regeneriert sich die Schleimhaut wieder aus der nicht abgestoßenen untersten Schicht, der Basalis. Die Basalis hat ganz bestimmte biochemische Eigenschaften, u.a. nämlich die, daß sie durch das Schwangerschaftshormon Progesteron, welches bereits nach dem Eisprung in der zweiten Zyklushälfte gebildet wird, nicht "eingetrocknet" wird sondern eine Potenz zum Wuchern erhält. Das liegt möglicherweise daran, daß sie über einen ganz bestimmten Progesteron-Rezeptor verfügt, nämlich die Isoform A des Progesteron-Rezeptors. Auch werden in der Basalis, im Gegensatz zur Funktionalis, die Estradiolrezeptoren während der zweiten Zyklushälfte nicht herunterreguliert.

Die neue Erkenntnis ist, daß bei Frauen mit Endometriose nicht nur die Funktionalis sondern auch Teile der Basalis abgestoßen werden. Dies konnte dadurch bewiesen werden, daß im Menstrualblut von Frauen mit Endometriose Gewebsfragmente gefunden wurden, die die biochemischen Charakteristika von Basalis aufweisen. Solche Gewebsfragmente gelangen über die Eileiter auch in den Bauchraum und bilden dort Endometrioseherde, die ebenfalls die Charakteristika der Basalis aufweisen. Auch Adenomyoseherde in der Gebärmutterwand leiten sich von der Basalschicht der Schleimhaut ab. Dies ist der Grund dafür, daß weder Endometriose- noch Adenomyoseherde auf eine Hormontherapie langfristig ansprechen und die Beschwerden sehr häufig nach Absetzen der Medikamente wieder auftreten – eben weil die Basalis nicht eintrocknet.

Literatur

G Leyendecker, M Herbertz, G Kunz, G Mall (2001) Endometriotic and adenomyotic lesions display the same cyclical estrogen (ER), progesterone (PR) and progesterone isoform B receptor (PRB) expression as the functional unit of basal (zone IV) endometrium and archimyometrium (Abstract, Endocrine Soviety Meeting, Denver)

2. Transfer eines ausgewählten Embryos: Die Bedeutung der Kryokonservierung

Die wissenschaftliche Literatur befaßt sich gegenwärtig intensiv mit dem Transfer eines einzigen ausgewählten Embryos. Es wird damit das Ziel der Einlingsgravidität bei gleichzeitig hoher Schwangerschaftsrate verfolgt. Beim gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse ist dieses Ziel erreichbar, indem eine Beurteilung der Embryonen am 2. oder 3. Tag der Embryokultur erfolgt und nur derjenige transferiert wird, der das größte Entwicklungspotential hat. Die essentiellen Kriterien in der Beurteilung der Entwicklungsapotenz ist die Geschwindigkeit der Teilung und die Qualität der einzelnen Blastomeren der Embryonen. Überzählige gute Embryonen werden kryokonserviert. Beim "Ein-Embryo-Transfer”(single embryo transfer; SET) unter diesen Bedingungen wird eine Schwangerschaftsrate von nahezu 40% erreicht. Die Autoren legen Wert auf die Feststellung, daß zu einem solchen Programm des SET auch eine gute Kryokonservierung dazugehört. Denn wenn der Transfer kryokonservierter Embryonen hinzugezählt wird, dann ergibt sich eine kumulative Schwangerschaftsrate von über 50% pro Follikelpunktion.

Literatur

Tiitinen A, Halttunen M, Härkki P, Vuoristo P, Hyden-Grnasko C (2001) Elective single embryo transfer: the value of cryopreservation. Hum Reprod. 16: 1140-1144

3. Akne und Hyperandrogenämie

Die Bedeutung der Hyperandrogenämie bei Frauen mit Akne ohne Hirsutismus wurde an 30 konsekutiven Fällen und 24 Frauen ohne Akne als Kontrollen untersucht. Es zeigte sich, daß bei den Frauen mit Akne, jedoch ohne Zeichen eines Hirsutismus, eine signifikante Hyperandrogenämie vorlag, indem die SHBG-, die freien Testosteron- und DHEAS-Spiegel über denjenigen der Kontrollen lag. Dies weist auf die Bedeutung der Hyperandrogenämie bei der Entstehung der Akne nichthirsuter Frauen und auf die Wertigkeit einer antiandrogenen Hormontherapie hin.

Literatur

Slayden SM, Moran C, Sams WM, Boots LR, Azziz R (2001) Hyperandrogenemia in patients presenting with acne. Fertil Steril 75: 889-892

4. Herstellung von menschlichen Embryonen zur Stammzellforschung

Die Gewinnung menschlicher embryonaler Stammzellen (ESZ) aus Präimplantationsembryonen bedeutet Zerstörung entstandener Embryonen. In den meisten Ländern, soweit Bestimmungen und Gestze darüber erlassen worden sind, ist "verbrauchende" Embryonenforschung bis zum 14. Tag nach der Vereinigung von Ei- und Samenzelle möglich, in anderen Ländern (z.B. Deutschland) ist eine verbrauchende Embryonenforschung nicht erlaubt und daher eine Gewinnung von ESZ nicht möglich. Forschung an Embryonen ergibt die Möglichkeit vertiefter Einblicke in die frühen Entwicklungsprozesse; die Gewinnung von embryonalen Stammzellen und deren Züchtung eröffnet die Möglichkeit einer gezielten Organreparatur. Bisher wurden Kolonien aus EST aus sog. "überzähligen" Embryonen gewonnen, die im Rahmen einer Sterilitätsbehandlung aus verschiedensten Gründen nicht mehr benötigt werden. Auch in Ländern, in denen verbrauchende Embryonenforschung bis zum 14. Tag grundsätzlich erlaubt ist, wird die Gewinnung von und Forschung mit ESZ sehr kontrovers diskutiert. Die Arbeitsgruppe um Gary Hodgen am Jones Institute in Norfolk hat nun ESZ aus Embryonen gezüchtet, die ausschließlich zu diesem Zweck aus gespendeten Ei- und Samenzellen gebildet wurden. Die Forscher halten diesen Weg für ethisch vertretbarer als die Verwendung "überzähliger" Embryonen.

Literatur

Lanzendorf SE, Boyd CA, Wright DL, Muasher S, Oehninger S, Hodgen GD (2001) Use of human gametes obtained from anonymous donors for the production of human embryonic stem cell lines. Fertil Steril 76: 132-137

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Gerhard Leyendecker