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15.11.2001
 
Newsletter Nr.12
 
  1. Verbesserung der ovariellen Stimulation bei IVF/ICSI durch niedrig dosierte Kortikoide.
  2. Hohe Schwangerschaftsraten bei Auswahl von Typ 0B Vorkernstadien zur weiteren Embryokultivierung
  3. Entfernung einer Hydrosalpinx vor Beginn einer IVF-Therapie
  4. Halbierung der Schwangerschaftsrate unter IVF-Therapie bei intramuralen Myomen

1. Verbesserung der ovariellen Stimulation bei IVF/ICSI durch niedrig dosierte Kortikoide.

Das Abbrechen eines Stimulationszyklus wegen einer schlechten ovariellen Reaktion ist ein großes Problem, wovon in der Regel ältere Patientinnen betroffen sind. Aber auch bei jüngeren Patientinnen kann eine schlechte ovarielle Reaktion auftreten. In der Studie zweier englischer Arbeitsgruppen war die Indikation zum Abbrechen eines Stimulationszyklus gegeben, wenn weniger als 3 Follikel heranwuchsen. In einer doppelt-blind randomisierten und placebo-kontrollierten Studie an jeweils 145 Frauen (145 Frauen erhielten parallel zur Stimulation täglich um 22:00 Uhr 1 mg Dexamethason, die anderen 145 Frauen erhielten ein Placebo) mit einem mittleren Alter von 32 Jahren kam es zu einer signifikanten Senkung der Therapieabbrüche unter Dexamethason (2,8% versus 12,4%). Die Fertilisationsrate war in beiden Gruppen gleich. Die Schwangerschaftsrate war in der Dexamethasongruppe 26,9% und in der Kontrollgruppe 17,2%. Der Unterschied war allerdings nicht signifikant.

Literatur

Keay, S.D., Lenton, EA, Cooke ID, Hull MGR, Jenkins, JM (2001) Low-dose dexamethasone augments the ovarian response to exogenous gonadotrophins leading to a reduction in cycle cancellation rate in a standard IVF programme. Hum. Reprod. 16: 1861-2001

2. Hohe Schwangerschaftsraten bei Auswahl von Typ 0B Vorkernstadien zur weiteren Embryokultivierung

Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz (EschG) dürfen aus einer Schar von Eizellen (Zygoten) im Vorkernstadium (PN-Stadium) nur jeweils so viele (maximal drei) ausgewählt und zu Embryonen kultiviert werden, wie in dem jeweiligen Zyklus auch transferiert werden. Wenn bedacht wird, daß etwa nur 30% der PN-Stadien sich zu implantationsfähigen Blastozysten entwickeln und von diesen wiederum nur maximal 50% zu einer intakten Schwangerschaft führen, so stellt eine durch das EschG erzwungene endgültige Auswahl auf der Ebene der PN-Stadien eine Art Lotteriespiel mit der Gesundheit der Frau und der Kinder dar: Es besteht die Möglichkeit, daß die nicht entwicklungsfähigen PN-Stadien ausgewählt werden mit der Folge eines hohen Therapieversagens oder es werden entwicklungsfähige ausgewählt, die zu einer Zwillings- oder Drillingsschwangerschaft führen. Nach dem deutschen IVF Register (DIR 1999) besteht bei Transfer eines Embryos eine Schwangerschaftsrate (SSR) von 9%, bei Transfer von zwei Embryonen eine solche von 23% mit einer Zwillingsschwangerschaftsrate (ZR) von 20% und bei Transfer von drei Embryonen eine SSR von 28% mit einer ZR von 24%. Eine Zwillingsschwangerschaft stellt bereits eine potentielle Gefährdung von Mutter und Kindern dar, die es zu vermeiden gilt. Internationale Standards fordern daher heute den Transfer von nur einem Embryo, der auf Grund morphologischer Kriterien ausgewählt wird (elective single embryo transfer; eSET). Die von Montag und van der Ven publizierte Multizenterstudie zeigt nun, daß durch vom EschG nicht verbotene mikroskopische Beurteilung (Scoring) der PN-Stadien eine Vorauswahl insofern getroffen werden kann, als bei den auf der Basis der Scores ausgewählten Zygoten mit einem höheren Entwicklungspotential und einer erhöhten SSR gerechnet werden kann als ohne PN-Scoring. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, daß eine zusätzliche Beurteilung und Auswahl auf der Ebene der Embryonen (z.B. Tag 3 Embryo im Achtzellstadium) die SSR noch weiter verbessern würden.

Literatur

Montag M, Van der Ven H (2001) Evaluation of pronuclear morphology as the only selection criterion for further embryo culture and transfer: results of a prospective multicenter study. Hum. Reprod. 16: 2384-2389

3. Entfernung einer Hydrosalpinx vor Beginn einer IVF-Therapie

In einer ersten Studie konnten die Autoren nachweisen, daß eine vorausgegangene Salpingektomie (Entfernung des Eileiters) die Ovarialfunktion im Rahmen der kontrollierten ovariellen Überstimulation (COH) nicht beeinträchtigt. In einer folgenden ausgedehnten Studie wird der Nachweis erbracht, daß eine Salpingektomie bei sonographisch sichtbaren Hydrosalpingen (Flüssigkeitsgefüllte Eileiter) die Implantations- und Schwangerschaftsraten signifikant erhöht. Die Autoren empfehlen daher die laparoskopische Salpingektomie bei sonographisch sichtbarer Hydrosalpinx vor Beginn einer IVF/ICSI-Therapie.

Literatur

Strandell A, Lindhard A, Waldenström U, Thorburn J (2001) Prophylactic salpingectomy does not impair the ovarian response in IVF treatment. Hum Reprod. 2001 Jun;16(6):1135-9.

Strandell A, Lindhard A, Waldenström U, Thorburn J (2001) Hydrosalpinx and IVF outcome: cumulative results after salpingectomy in a randomised controlled trial. Hum. Reprod. 16: 2403-2410

4. Halbierung der Schwangerschaftsrate unter IVF-Therapie bei intramuralen Myomen

Myome treten bei etwa 30% der Frauen auf und gelten als mit einem nicht näher bestimmten Grad von Subfertilität assoziiert. Ihr Einfluß auf den Therapieerfolg bei der assistierten Reproduktion ist bisher nicht untersucht worden. Die Autoren untersuchten 112 Frauen mit und 322 Frauen ohne Myomata. Die Frauen mit Myomen waren in der Regel etwa zwei Jahre älter als diejenigen ohne Myome (36,4 versus 34,6 Jahre). Die Studien- und Kontrollgruppe unterschieden sich nicht hinsichtlich der Dauer und Ursachen der Sterilität, der basalen FSH-Spiegel, der Dauer und Stärke der ovariellen Stimulation, der Anzahl der stimulierten Follikel und gewonnen Eizellen sowie der Anzahl der für den Transfer zur Verfügung stehenden und der transferierten Embryonen. In der Studiengruppe betrug der mittlere Durchmesser des größten Myoms 2,3 cm mit einer 90%-Spannweite von 2,1 bis 2,5 cm. Die Analyse der Resultate ergab, daß das Vorliegen von intramuralen Myomen die Rate der fortlaufenden Schwangerschaften im Vergleich zu den Kontrollgruppen in etwa halbiert.

Literatur

Hart R, Khalaf Y, Yeong C-T, Seed P, Taylor A, Braude P (2001) A prospective controlled study of the effect of intramural uterine fibroids on the outcome of assisted conception. Hum. Reprod. 2411-2417

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Gerhard Leyendecker