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20.01.2003
 
Newsletter Nr. 19
 
  1. Behandlung der Akne bei HyperandrogenÀmie.
  2. Ultra-lange GnRH Agonistengabe vor IVF/ICSI-Behandlung bei Frauen mit Endometriose.
  3. Follow-up bei Mammacarcinom I
  4. Follow-up bei Mammacarcinom II
  5. Die mammographisch dichte Brust und Mammacarcinom
  6. Ein neues VerstÀndnis der Pathophysiologie der PrÀeklampsie

1. Behandlung der Akne bei HyperandrogenÀmie.

Die relative Wirksamkeit der Antiandrogene Flutamid und Finasterid wurde mit der von Cyproteronazetat (CPA) verglichen. Achtundvierzig Frauen mit mĂ€ĂŸiger bis schwerer Akne erhielten prospektiv randomisiert folgende Therapien ĂŒber die Dauer von einem Jahr: 2 mg CPA mit 35 ug Äthinylestradiol bzw. 50 mg CPA und 25 ug Äthinylestradiol (umgekehrte Sequenztherapie), 250 mg Flutamid pro Tag und 5 mg Finasterid tĂ€glich. SĂ€mtliche Behandlungsregimes wurden gut vertragen. In der Behandlung der Akne waren die hohe sowie die niedrige Dosis CPA und Flutamid in gleicher Weise wirksam. Beide Regimes waren der Gabe von Finasterid ĂŒberlegen, obwohl Finasterid selbst auch statistisch signifikant effektiv war.

Literatur
Carmina E, Lobo RA. A comparison of the relative efficacy of antiandrogens for the treatment of acne in hyperandrogenic womenClin Endocrinol (Oxf). 2002 Aug;57(2):231-4.

2. Ultra-lange GnRH Agonistengabe vor IVF/ICSI-Behandlung bei Frauen mit Endometriose.

In FĂ€llen von Endometriose fĂŒhrt offenbar die lĂ€ngere Downregulation mit einem GnRH-Analogon zu besseren Schwangerschaftsraten im IVF/ICSI-ET-Verfahren. In einer Studie wurde die Vorbehandlung ĂŒber drei Monate und in einer anderen Studie ĂŒber 6 Monate durchgefĂŒhrt. Die letzte der beiden Studien ergab, dass die Anhebung der Schwangerschaftsraten nur in FĂ€llen von schwerer Endometriose (Stadien III und IV) statistisch signifikant war.

Literatur
Surrey ES, Silverberg KM, Surrey MW, Schoolcraft WB. Effect of prolonged gonadotropin-releasing hormone agonist therapy on the outcome of in vitro fertilization-embryo transfer in patients with endometriosis. Fertil. Steril. 2002 Oct;78(4):699-704.

Rickes D, Nickel I, Kropf S, Kleinstein J. Increased pregnancy rates after ultralong postoperative therapy with gonadotropin-releasing hormone analogs in patients with endometriosis. Fertil Steril. 2002 Oct;78(4):757-62.

3. Follow-up bei Mammacarcinom I

Die Veronesi-Gruppe in Mailand berichtet jetzt ĂŒber einen 20-jĂ€hriges Follow-up von 701 Frauen, die in den Jahren von 1973 bis 1980 entweder durch eine radikale Mastektomie oder durch ein brusterhaltendes Vorgehen (Quadrantektomie) mit nachfolgender Radiatio behandelt wurden. Ab 1976 erhielten nodal-positive Frauen in beiden Gruppen Cyclophosphamid-Methotrexat-Fluouracil. Dreißig Frauen in der Gruppe des Brusterhaltes hatten lokale Rezidive in der Brust und acht Frauen hatten lokale Rezidive nach Mastektomie (8,8 versus 2,3%). Es bestand kein signifikanter Unterschied hinsichtlich des Auftreten von Carcinomen in der kontralateralen Brust, Fernmetastasen oder sekundĂ€ren Carcinomen. Nach 20 Jahren mittlerer Beobachtungszeit betrug die Todesrate bei Brusterhalt 41,7 und nach Mastektomie 41,2 %. Die Todesrate durch das Mammakarzinom betrug 26,1 bzw. 24,3% (P=0,8). Die LangzeitĂŒberlebensrate war somit in beiden Gruppen gleich. Die Brust erhaltende Therapie stellt somit die Therapie der Wahl bei relativ kleinem Mammacarcinom dar.

Literatur

Veronesi U, Cascinelli N, Mariani L, Greco M, Saccozzi R, Luini A, Aguilar M, Marubini E. Twenty-year follow-up of a randomized study comparing breast-conserving surgery with radical mastectomy for early breast cancer. N Engl J Med. 2002 Oct 17;347(16):1227-32.

4. Follow-up bei Mammacarcinom II
1976 begann die NSABP Study group eine randomisierte Untersuchung, ob die radikale Mastektomie (Gruppe 1) der brusterhaltenden Therapie mit Radiatio (Gruppe 2) oder der brusterhaltenden Therapie ohne Radiatio (Gruppe 3) ĂŒberlegen sei. In allen drei Gruppen bestand nach 20 Jahren mittlerer Beobachtungszeit kein Unterschied hinsichtlich Rezidiv-freiem Überleben, Metastasen-freiem Überleben oder generellem Überleben. Die Rate lokaler Rezidive in der Brust war bei Brusterhalt geringer (14,3%) bei Radiatio als ohne Strahlentherapie (39,2%). ZusĂ€tzliche Strahlentherapie fĂŒhrte zu einer marginal signifikanten Absenkung der Sterberate an Brustkarzinom, die allerdings durch Tod anderer Genese partiell wieder aufgehoben wurde. Die Gruppe schlussfolgert, dass die brusterhaltende Tumorentfernung mit nachfolgender Radiatio beim Mammacarcinom die Therapie der Wahl darstellt, vorausgesetzt, dass die ResektionsrĂ€nder tumorfrei sind und ein befriedigendes kosmetisches Resultat erzielt werden kann.

Literatur
Fisher B, Anderson S, Bryant J, Margolese RG, Deutsch M, Fisher ER, Jeong JH, Wolmark N. Twenty-year follow-up of a randomized trial comparing total mastectomy, lumpectomy, and lumpectomy plus irradiation for the treatment of invasive breast cancer. N Engl J Med. 2002 Oct 17;347(16):1233-41.

5. Die mammographisch dichte Brust und Mammacarcinom

Frauen mit mammographisch ausgedehnt dichter Brust haben ein 1,8 bis 6fach erhöhtes Risiko, an einem Mammacarcinom zu erkranken als gleichaltrige Frauen mit geringer oder fehlender mammographischer Dichte. Die mammoraphische Dichte hat offenbar eine starke hereditĂ€re Komponente. Die biochemische Grundlage der Beziehung zwischen mammographischer Dichte und Erhöhung des Krebsrisikos ist jedoch unklar. In dieser sorgfĂ€ltig durchgefĂŒhrten Studie ergab sich, dass in prĂ€menopausalen Frauen die Serumspiegel des Insulin like growth factor I (IGF-1) und in postmenopausalen Frauen die Höhe des Serumprolaktins signifikant und positiv mit der prozentualen Dichte in der Mammographie korrelieren. Gesamtestradiol und Progesteron zeigten in beiden Gruppen keinerlei Korrelation zur Dichte. In der Gruppe der postmenopausalen Frauen korrelierte das freie Estradiol (negativ) und das Sex hormone binding globulin (SHBG) (positiv) mit der prozentualen Dichte. Diese Daten zeigen eine Beziehung zwischen Dichte und auf die BrustdrĂŒse mitogen wirkender biologischer Substanzen und geben Hinweise auf die biochemischen Grundlagen des mit vermehrter mammographischer Dichte erhöhten Mammacarcinomrisikos.

Literatur
Boyd NF, Dite GS, Stone J, Gunasekara A, English DR, McCredie MR, Giles GG, Tritchler D, Chiarelli A, Yaffe MJ, Hopper JL. Heritability of mammographic density, a risk factor for breast cancer. N Engl J Med. 2002 Sep 19;347(12):886-94.

Boyd NF, Stone J, Martin LJ, Jong R, Fishell E, Yaffe M, Hammond G, Minkin S. The association of breast mitogens with mammographic densities. Br J Cancer. 2002 Oct 7;87(8):876-82.

6. Ein neues VerstÀndnis der Pathophysiologie der PrÀeklampsie

Die Untersuchung von fetalen Zellen, speziell Erythroblasten, und zellfreier fetaler DNS im Blut schwangerer Frauen ist gegenwĂ€rtig der Gegenstand intensiver Forschung, um neue, risiko-freie Methoden der prĂ€natalen Diagnostik zu entwickeln. Im Rahmen dieser Studien war es ein unerwarteter Befund, dass der Transfer von fetalen Erythroblasten in die mĂŒtterliche Zirkulation bei PrĂ€eklampsie erhöht war. UnabhĂ€ngige prospektive Studien kamen zu dem Ergebnis, dass der gesteigerte feto-maternale Zelltransfer frĂŒh in der Schwangerschaft bereits vor dem Erscheinen von PrĂ€eklampsiesymptomen auftritt. Des weiteren zeigten quantitative Studien ĂŒber fetale freie und maternale freie DNS im mĂŒtterlichen Blut, dass die Anstiege in einer koordinierten Weise erfolgten und mit dem Schweregrad der PrĂ€eklampsie korrelierten. Allerdings zeigten die Analysen prospektiv gesammelter Blutproben, dass nur die Konzentration fetaler freier DNS und nicht die der maternalen im mĂŒtterlichen Blut vor Auftritt der PrĂ€eklampsiesymptome erhöht ist. Diese Daten unterstĂŒtzen Hypothesen, die die Entwicklung der PrĂ€eklampsie als ein mehrere Stufen umfassendes Geschehen ansehen, bei dem es zunĂ€chst in der FrĂŒhschwangerschaft zu einer PlazentalĂ€sion kommt, die ihrerseits eine systemische mĂŒtterliche EntzĂŒndungsreaktion mit assoziiertem Endothelschaden zur Folge hat.

Literatur
Hahn S, Holzgreve W. Fetal cells and cell-free fetal DNA in maternal blood: new insights into pre-eclampsia. Hum Reprod Update. 2002 Nov-Dec;8(6):501-8.

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Gerhard Leyendecker