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20.07.2004
 
Newsletter Nr. 28
 
Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
  1. PN-Stadium-Transfer an Tag 1 oder Tranfer im Achtzellstadium an Tag 3. Ein Vergleich.
  2. Die Epidemie der Mehrlingsschwangerschaften: Die Rolle der Assistierten Reproduktion.
  3. Transfer eines “top quality” Embryos (SET). Verlauf der Frühschwangerschaft.
  4. Gesundheitsökonomie bei Transfer von einem “top quality” Embryo (SET) oder von zwei Embryonen (DET).
  5. Transfer von einem Embryo – “state of the art”.

Reproduktive Biologie

  1. Zyklusphase und Sex.

1. PN-Stadium-Transfer an Tag 1 oder Tranfer im Achtzellstadium an Tag 3. Ein Vergleich.

Die Morphologie der Eizellen im PN-Stadium (Zygote) gibt Hinweise auf die Qualität der sich daraus entwickelnden Embryonen, und der Transfer von PN-Stadien führt zu Schwangerschaften. Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob der Transfer von PN-Stadien zu gleichen Schwangerschaftsraten wie der Transfer von Embryonen im Achtzellstadium (Tag 3 Embryonen) führe. Patienten mit IVF/ICSI Behandlung wurden randomisiert im Hinblick auf den Transfer an Tag 1 oder Tag 3 nach Eizellgewinnung. Die Zygoten wurden klassifiziert nach dem Muster “0” oder Nicht-Muster “0 ” je nach Größe und Anordnung der Pronuclei sowie Zahl und Anordnung der Nucleoli. Die jeweils zwei besten Zygoten oder Embryos wurden an Tag 1 bzw. an Tag 3 transferiert. Das Primärergebnis war die Schwangerschaftsrate. Die Schwangerschaftsrate war höher in der Tag 3 Gruppe (55/131, 42%) im Vergleich zur Tag 1 Gruppe (34/123, 28%, P = 0.024). Auch die Implantationsraten waren höher in der Tag 3 Gruppe (P = 0.03). Verständlicherweise kam es zu mehr Kryokonservierungen in der Tag 1 Gruppe (P < 0.001). Diese Arbeitsgruppe fand erstaunlicherweise keinen Unterschied in der Embryoqualität auf der Basis der PN-Muster. Die Autoren schließen, dass der Embryotransfer an Tag 3 zu besseren Resultaten als derjenige an Tag 1 führt und das PN-Scoring nicht die Embryobeurteilung in der Auswahl der geeigneten Embryonen ersetzen kann.

Literatur

Jaroudi K, Al-Hassan S, Sieck U, Al-Sufyan H, Al-Kabra M, Coskun S. Zygote transfer on day 1 versus cleavage stage embryo transfer on day 3: a prospective randomized trial. Hum Reprod. 2004 Mar;19(3):645-8. Epub 2004 Jan 29.

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2. Die Epidemie der Mehrlingsschwangerschaften: Die Rolle der Assistierten Reproduktion.

Der Autor gibt einen Überblick über die Zunahme der Mehrlingsgraviditäten durch die Assistierte Reproduktion. Hier geht es nicht alleine um die Drillings-, sondern auch um die Zwillingsschwangerschaft, die ebenfalls mit einem erhöhten Risiko der kindlichen und mütterlichen Morbidität und Mortalität behaftet ist. Ziel muss die intakte Einlingsgravidität und das normale und gesunde Kind sein. Der Autor plädiert für den Transfer von nur einem Embryo, der als bester aus einer Schar von Embryonen ausgewählt wird.
Kommentar von Ferticonsult: Das EschG lässt dies nach der Interpretation der Strafrechtlerin, Frau Prof. Dr. Frommel, Kiel, zu. In einigen Bundesländern muss allerdings das Berufsrecht angepasst bzw. verändert werden, um ärztliches Handeln im Bereich der Reproduktionsmedizin auch in Deutschland entsprechend den hippokratischen Prinzipien und internationalen Standards zu ermöglichen.

Literatur

Templeton A. Joseph Price oration. The multiple gestation epidemic: the role of the assisted reproductive technologies. Am J Obstet Gynecol. 2004 Apr;190(4):894-8.

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3. Transfer eines “top quality” Embryos (SET). Verlauf der Frühschwangerschaft.

Die Durchführung eines SET führt unabhängig vom Alter der Patientin zu einer Schwangerschaftsrate von 52% pro Zyklus. Die Fehlgeburtenrate war jedoch altersabhängig. Insgesamt betrug sie 15,4%. Sie betrug nur 9% bei Frauen unter 30 und 19% bei Frauen über 30 Jahren.

Literatur

De Neubourg D, Gerris J, Mangelschots K, Van Royen E, Vercruyssen M, Elseviers M. Single top quality embryo transfer as a model for prediction of early pregnancy outcome. Hum Reprod. 2004 Jun;19(6):1476-9. Epub 2004 Apr 29.

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4. Gesundheitsökonomie bei Transfer von einem “top quality” Embryo (SET) oder von zwei Embryonen (DET).

In dieser Studie wurden die maternalen, neonatalen und totalen Kosten nach Tag 3 SET und Tage 3 DET im jeweils ersten IVF/ICSI-Zyklus analysiert. Die Lebendgeburtrate war bei beiden Verfahren mit 37,4% bzw. 36,6% gleich. Die Schwangerschaftsdauer war bei SET signifikant länger als bei DET. Bei DET fand sich eine höhere Rate an Unreife der Kinder. Die Länge der Hospitalisation der Neugeborenen unterschied sich zu Ungunsten von DET signifikant. Die Gesamtkosten nach DET waren signifikant höher als nach SET. Dies ging im Wesentlichen zu Lasten der neonatalen Kosten. Es lässt sich schlussfolgern, dass SET in Bezug auf die Rate an Lebendgeburten ebenso effektiv ist wie DET, aber mit signifikant weniger Kosten verbunden ist.
Kommentar von Ferticonsult: In dieser gesundheitsökonomischen Studie ist das unter Umständen unsägliche Leid, welches mit Komplikationen bei Mehrlingsgraviditäten verbunden ist, zwangsläufig nicht thematisiert worden.

Literatur

Gerris J, De Sutter P, De Neubourg D, Van Royen E, Vander Elst J, Mangelschots K, Vercruyssen M, Kok P, Elseviers M, Annemans L, Pauwels P, Dhont M. A real-life prospective health economic study of elective single embryo transfer versus two-embryo transfer in first IVF/ICSI cycles. Hum Reprod. 2004 Apr;19(4):917-23. Epub 2004 Feb 27.

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5. Transfer von einem Embryo (SET)– “state of the art”.

Der Artikel gibt einen Überblick über die Problematik der Mehrlingsgravidität und stellt ein Plädoyer für SET dar. Hierfür ist eine gute Patientinnenauswahl erforderlich, und jede Frau unter einem Alter von 38 Jahren mit guter ovarieller Reaktion sollte zumindest in dem ersten aber gegebenenfalls auch in dem zweiten Zyklus SET erhalten. Die Autoren konnten in 39% aller Transfers im Jahre 2002 SET durchführen. Insgesamt war die Mehrlingsrate auf 11% gefallen (zum Vergleich: DIR 25%) bei einer stabilen Lebendgeburtrate von 31% (zum Vergleich: DIR 22%).

Literatur

De Neubourg D, Gerris J. Single embryo transfer - state of the art. Reprod Biomed Online. 2003 Dec;7(6):615-22.

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6. Zyklusphase und Sex.

Von der Arbeitsgruppe um Wilcox kann man immer gute Resultate, die intelligent mit einfachen Mitteln erzielt wurden, erwarten. Bekanntlich ist im Tierreich die Kopulationsfrequenz eng mit der fruchtbaren Phase des weiblichen Tieres verbunden. Rhesusäffinnen drängen Männchen geradezu zur Kopulation, wenn der Eisprung naht. Danach wollen sie nicht nur nichts mehr von den Männchen wissen, sondern verbeißen sie sogar. Ein solches Verhalten wäre in der menschlichen Gesellschaft unter den Bedingungen der Monogamie sozial nicht kompatibel. Die Frage aber, ob es auch beim Menschen eine von der Zyklusphase abhängige Änderung der Kohabitationsfrequenz gibt, ist schon häufig untersucht worden. Diverse Faktoren spielen jedoch bei solchen Untersuchungen eine große Rolle, die die Ergebnisse verfälschen können. Erwähnt sei hier nur die Angst vor einer Empfängnis oder auch der Wunsch nach einer Konzeption. Um der Frage nachzugehen, ob es rein biologische Einflussfaktoren hinsichtlich der Kohabitationsfrequenz im normalen Zyklus der Frau gibt, muss daher das Studiendesign richtig gewählt werden. Bei den untersuchten Frauen handelte es sich um solche, die zwar einen normalen Zyklus, aber z.B. infolge Tubensterilisation keine Furcht vor einer Konzeption hatten. Die Frauen sammelten Urinproben für die retrospektive Analyse der Zyklusdaten und notierten die Zeiten der Kohabitationen. Diese Daten wurden mit einander in Beziehung gesetzt und es zeigte sich, dass in den sechs Tagen vor dem Eisprung am häufigsten Kohabitationen stattfinden. In einer früheren Untersuchung hatten die Autoren zeigen können, dass dies die Tage im Zyklus sind, an denen eine realistische Konzeptionswahrscheinlichkeit besteht.
Ferticonsult: Das biologische Signal ist wahrscheinlich das ansteigende Ă–stradiol aus dem heranwachsenden Follikel. Oder eventuell auch die ansteigenden ovariellen Androgene (Libido)?

Literatur

Wilcox AJ, Baird DD, Dunson DB, McConnaughey DR, Kesner JS, Weinberg CR. On the frequency of intercourse around ovulation: evidence for biological influences. Hum Reprod. 2004 Jul;19(7):1539-43. Epub 2004 Jun 09.

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Gerhard Leyendecker