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Endometriose

  Inhaltsverzeichnis

  14 Die therapeutischen Ziele bei Endometriose        14.2 Spšterer Kinderwunsch; Linderung der Beschwerden;

14.1 Akuter Kinderwunsch

Neben dem Befund bei der Endometriose sind die Dauer des Kinderwunsches, das Alter der Patientin und der Spermabefund des Partners zu ber√ľcksichtigen.

Eine medikamentöse Therapie der Endometriose mit dem Ziel, die Konzeptionswahrscheinlichkeit zu erhöhen, ist nicht erfolgreich. Bei einer leichten Endometriose sind es nicht die Endometrioseherde auf dem Bauchfell, sondern die uterine Funktionsstörung des gerichteten Spermientransportes, die eine Schwangerschaft verhindern. Diese Störung kann durch eine hormonale Therapie nicht beseitigt werden. Untersuchungen haben ergeben, daß Unterlassen einer Therapie genauso erfolgreich oder genau so wenig erfolgreich ist wie die einfache Entfernung der Herde durch Laser oder Thermokoagulation während der Laparoskopie oder die anschließende hormonale Behandlung.

Es ist daher sinnlos und kontraproduktiv bei Kinderwunsch und leichter Endometriose eine mehrmonatige Therapie mit Gestagen, Danazol oder GnRH-Analoga durchf√ľhren zu lassen. Zu der Belastungen durch die deutlichen Nebenwirkungen einiger dieser Pr√§parate kommt ein Verlust an Zeit hinzu.
Besteht ein ausreichend jugendliches Alter der Patientin (<32 Jahre) so kann noch f√ľr etwa ein halbes Jahr ein abwartendes Vorgehen gew√§hlt werden, wobei sichergestellt werden sollte, da√ü der Zyklus v√∂llig normal ist mit zeitgerechtem Eisprung und normal langer Gelbk√∂rperphase.

Bei Frauen mit Endometriose besteht h√§ufig eine Lutealinsuffizienz mit verk√ľrzter Gelbk√∂rperphase und treppenf√∂rmigem Anstieg der Basaltemperatur. H√§ufig setzt der Eisprung versp√§tet ein. Die Beeintr√§chtigung der Eierstocksfunktion bei Endometriose beruht vermutlich auf einer direkten endokrinologischen Einwirkung der adenomat√∂sen Herde im Uterus auf den Eierstock durch das utero-ovarielle Gegenstromsystem. Es ist daher h√§ufig notwendig, den Zyklus medikament√∂s oder hormonal zu regulieren.

Da die Sterilität bei leichter Endometriose auf einem Defekt des gerichteten Spermientransportes beruht, kann der Versuch der intrauterinen Insemination (IUI) oder der intratubaren Insemination (ITI) in den Eileiter aufseiten des zu erwartenden Eisprunges gemacht werden.

Konservative Sterilitätsbehandlung bei leichter Endometriose
Abwartendes Verhalten
Normalisierung eines eventuell irregulären Zyklus
Intrauterine Insemination oder intratubare Insemination

Diese konservative Therapie sollte nicht l√§nger als 6 - 12 Monate durchgef√ľhrt werden. Bei Erfolglosigkeit sollte zur In-vitro-Fertilisation √ľbergegangen werden, da diese Therapie eine wesentlich h√∂here kumulative Schwangerschaftswahrscheinlichkeit aufweist. Sie betr√§gt bei 4 Zyklen bei Frauen im Alter von bis zu 32 Jahren 90% im Gegensatz zu einer Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von ca 20% pro Jahr bei konservativem Vorgehen.

Besteht beim Partner gleichzeitig eine Samenschwäche, dann ist konservatives Vorgehen kontraindiziert, und es sollte unmittelbar eine IVF-ICSI-Behandlung begonnen werden.

Kommen durch eine ausgedehnte Endometriose im Bauchraum durch Endometriome und Verwachsungen noch Störungen des tubo-ovariellen Funktionskomplexes hinzu, dann pfropfen sich diese Konzeptionshindernisse auf die uterine Funktionsstörung auf und die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit ist noch weiter reduziert.

Im Einzelfall ist nun zu entscheiden, ob bei endometriose-bedingter tubarer Sterilität eine operative Maßnahme (sog. Sterilitätsoperation; evtl als Laparoskopie oder als Laparotomie) mit dem Ziel, alleine dadurch die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zu erhöhen, sinnvoll ist.
Sie ist nur dann sinnvoll, wenn nur geringf√ľgige Verwachsungen und eine geringf√ľgige Beeintr√§chtigung des tubo-ovariellen Funktionskomplexes vorliegt und davon ausgegangen werden kann, da√ü in Bezug auf Eileiter und Ovar wieder normale Verh√§ltnisse hergestellt werden k√∂nnen. Sollte dies m√∂glich sein, so sollte bedacht werden, da√ü die uterine Komponente der Sterilit√§t nicht beseitigt werden kann. Alleine die uterine Komponente reduziert die j√§hrliche Konzeptionswahrscheinlichkeit von 90 auf 20%.
Weiterhin ist zu bedenken, daß nach einer Sterilitätsoperation nicht sicher ist, ob nicht erneut Verwachsungen infolge oder nach der Operation aufgetreten sind.

Bei endometriosebedingten St√∂rungen des tubo-ovariellen Funktionskomplexes sollte auf eine Sterilit√§tsoperation verzichtet und eine IVF-Therapie unverz√ľglich begonnen werden. Bei Samenschw√§che des Partners ist eine Sterilit√§tslaparotomie kontraindiziert.

Ausnahme: Die Endometriose behindert die Durchf√ľhrung einer Methode der Assistierten Reproduktion oder bei Eierstockstumoren ist nicht sicher, ob es sich um ein Endometriom oder einen anderen Eierstockstumor handelt. Bei Endometriomen mu√ü au√üerdem bedacht werden, da√ü bei einer versehentlichen Punktion solcher Schokoladenzysten im Rahmen einer Eizellgewinnung ein Ovarialabsze√ü (Eiteransammlung im Eierstock) entstehen kann. Es darf daher auf keinen Fall w√§hrend einer Eizellgewinnung im Rahmen der IVF-Behandlung ein Absaugen der Endometriome versucht werden.


Zusammenfassung: Konservatives Vorgehen mit dem Ziel, auf nat√ľrlichem Weg eine Schwangerschaft zu erzielen, wenn der tubo-ovarielle Funktionskomplex intakt ist oder bei geringf√ľgiger Beeintr√§chtigung dauerhaft operativ normalisiert werden kann, die Patientin noch gen√ľgend jung ist (<32 Jahre) und der Partner ein normales Spermiogramm inklusive gutem 24-Stunden -Test hat. Konservatives Vorgehen sollte auf einen Zeitraum von 6-12 Monate beschr√§nkt werden.

Ein Verfahren der Assistierten Reproduktion (IVF evtl mit ICSI) ist indiziert, wenn diese Bedingungen nicht bestehen oder konservatives Vorgehen erfolglos blieb.

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Gerhard Leyendecker