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Endometriose

  Inhaltsverzeichnis

  14.1 Akuter Kinderwunsch        14.3 Linderung der Beschwerden; Verhinderung des Fortschreitens der Läsionen;

14.2 Späterer Kinderwunsch; Linderung der Beschwerden;

Wenn noch kein Kinderwunsch besteht, so wird eine Endometriose in der Regel dadurch diagnostiziert, daß Beschwerden bestehen, die abgeklärt werden müssen, oder im Rahmen einer Routineuntersuchung ein Befund erhoben wird, der einer Abklärung bedarf. Das Spektrum der Beschwerden bei Endometriose ist bereits oben dargelegt worden. Bei Befunden, die bei einer Routineuntersuchung erhoben werden, handelt es sich meist um endometriosebedingte Eierstockszysten (Endometriome). Selten kommt es vor, daß eine massive Endometriose, wie z.B. bei retrozervikalem Befall, beschwerdefrei ist und zufällig entdeckt wird.

Endometriome und auch retrozervikale Endometriosen werden häufig bereits bei jungen Frauen entdeckt, wenn noch kein Kinderwunsch besteht. Die Diagnose einer Endometriose führt zu Betroffenheit, denn sie bedeutet, daß die Erfüllung späteren Kinderwunsches auf natürlichem Wege schwierig oder gar unmöglich sein könnte. Hinzu kommt die Befürchtung, daß die Endometriose weiter fortschreitet. Desweiteren bestehen in der Regel Beschwerden, die mehr oder weniger stark zu einer Beeinträchtigung führen und behandelt werden sollten.

Vorgehen: Der operative diagnostische Eingriff, der in der Regel eine Laparoskopie ist, sollte so geplant sein, daß die Endometriose im Bauchraum operativ saniert werden kann. Verwachsungen müssen gelöst und sichtbare Endometrioseherde komplett beseitigt werden. Im Falle von Endometriomen müssen diese eröffnet und die Zystenwand entweder entfernt oder der Endometrioseherd nach zystoskopischer Identifizierung komplett verkocht werden. Andernfalls kommt es prompt zum Wiederauftreten und infolge dessen zu wiederholten operativen Eingriffen am Ovar führen kann mit der Folge eines iatrogenen hypergonadotropen Hypogonadismus.
Eine retrozervikale Endometriose, die in der Regel massive Beschwerden verursacht, muß radikal operativ beseitigt werden. Der geschickte und erfahrene Operateur kann diesen Herd in der Regel unter Schonung des Darmes von vaginal her exstirpieren und mit dem Resultat kompletter Beschwerdefreiheit ein neues hinteres Scheidengewölbe schaffen. Das gleiche gilt für infiltrierende Herde in den Sacrouterinbändern.

In die Harnblase eingebrochene Endometrioseherde werden unter Eröffnung der Harnblase komplett entfernt. Bei Einbruch in den Darm wird heute nicht mehr nur die Entfernung des Herdes, sondern eine Teilresektion des Darmes empfohlen, was mitunter bereits komplett laparoskopisch durchgeführt wird.

Die Annahme ist falsch, daß Mängel einer inkompletten Operation durch eine nachfolgende medikamentöse Therapie beseitigt werden könnten, indem z.B. ein nur entleertes Endometriom durch GnRH-Analoga oder Danazol dauerhaft eingetrocknet werden könnte. In der Regel präsentiert sich das Endometriom in alter Größe, wenn die medikamentöse Therapie beendet wurde. Eine hormonale Therapie darf nicht als Ergänzung der operativen Therapie in dem Sinne verstanden werden, daß letztere dann nicht komplett zu sein braucht.

Eine komplette operative Sanierung einer Endometriose muß nicht immer dazu führen, daß Beschwerdefreiheit eintritt. Es kann z.B. eine Dysmenorrhoe persistieren. Dies beruht darauf, daß die Adenomyose des Uterus nach operativer Sanierung des Bauchraumes zwangsläufig fortbesteht.

Nach operativer Sanierung der Endometriose stellt sich die Frage, wie ein Rezidiv verhindert oder zumindest hinausgezögert werden kann. Entsprechend der Pathophysiologie der Endometriose können immer wieder Zellen der intrauterinen adenomyotischen Herde in den Bauchraum gespült werden und dort neue Endometrioseherde bilden. Desweiteren können mikroskopisch kleine Herde, die der Entdeckung und Behandlung entgangen sind, aufblühen.

Eine langfristige hormonale Ruhigstellung verbliebener Endometrioseherde und der Adenomyose und somit die möglichst lange Verhinderung eines Rezidivs ist nur mit einer Therapieform möglich, die einen ausreichenden Effekt mit einem Minimum an Nebenwirkungen mit einander verbindet. Dies ist die -möglichst ununterbrochene- Einnahme eines oralen Kontrazeptivums.

  14.1 Akuter Kinderwunsch        14.3 Linderung der Beschwerden; Verhinderung des Fortschreitens der Läsionen;
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Gerhard Leyendecker