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Endometriose

  Inhaltsverzeichnis

  3 Hšufigkeit        5 Die neue Sicht: Die Endometriose ist eine Erkrankung der Archimetra

4 Die heute vorherrschenden Theorien zur Entstehung der Endometriose

Die sp√§ter von Sampson Endometriose genannte Erkrankung ist erstmalig Jahre 1860 durch von Rokitansky beschrieben worden. In den folgenden Jahren wurde in der wissenschaftlichen Literatur die Endometriose ausf√ľhrlich beschrieben, und es hat sich herausgestellt, da√ü sie ein Krankheitsbild von herausragender klinischer Bedeutung ist. Seit Jahrzehnten ist sie daher Gegenstand intensiver klinischer und wissenschaftlicher Forschung. Bis heute ist allerdings die Entstehung des Krankheitsbildes r√§tselhaft geblieben. Von den vielen vorgeschlagenen Theorien werden heute im wesentlichen nur noch zwei diskutiert.

Implantationstheorie. Diese Theorie stammt von dem amerikanischen Gyn√§kologen Sampson (1927). Er nahm aufgrund seines umfangreichen Untersuchungsmaterials an, da√ü normales Endometrium infolge einer retrograden Menstruation von der Geb√§rmutterh√∂hle √ľber die Eileiter in die Bauchh√∂hle gelange und sich dort einniste (implantiere). Diese Theorie fand in der Folgezeit bis heute die breiteste Zustimmung. In der Tat k√∂nnen w√§hrend des gesamten Zyklus im Bauchraum abgeschilferte Zellen des Endometrium gefunden werden, die offensichtlich √ľber die Eileiter dorthin gelangt sind und in Zellkulturen weiter wachsen. Die Annahme ist daher berechtigt, da√ü sie sich auch im Bauchraum einnisten k√∂nnen.

Metaplasietheorie: Diese Theorie geht auf den Berliner Gyn√§kopathologen Robert Meyer zur√ľck (1927). Sie beruht auf der Vorstellung, da√ü jenes Gewebe im Bauchraum, aus dem sich w√§hrend der Embryonalperiode die inneren Genitalorgane gebildet haben, unter bestimmten Umst√§nden, z.B. durch √Ėstrogeneinwirkung, auch sp√§ter noch, also beim Erwachsenen, das Potential zur Umwandlung (Metaplasie) z.B. in Endometrium habe. Robert Meyer nahm aufgrund seiner feingeweblichen Untersuchungen an, da√ü ein entz√ľndlicher Proze√ü den Ansto√ü zur Metaplasie g√§be.

Zur Unterst√ľtzung der jeweiligen Theorien werden klinische Fallbeispiele herangezogen. Beim Mayer-Rockitansky-K√ľster-Hauser-Syndrom wird h√§ufig eine Endometriose angetroffen. Da bei diesem Syndrom die Geb√§rmutter fehlt, k√∂nne die Endometriose dann nur durch eine Metaplasie entstanden sein. Es wird aber h√§ufig √ľbersehen, da√ü bei solchen Fehlbildungen noch verk√ľmmerte Anlagen von uterinem Gewebe vorhanden sind, die durchaus der Ausgangspunkt f√ľr eine Endometriose sein k√∂nnen.

Als weitere Unterst√ľtzung f√ľr die Metaplasietheorie gilt das Auftreten einer Endometriose bei mit hohen Dosen √Ėstrogen behandelten M√§nnern mit Prostatakarzinom. Diese Endometriosen finden sich aber nicht am Peritoneum mit seinem vermuteten Potential zur Metaplasie, sondern im Karzinom bzw. den Metastasen selbst und k√∂nnten vom Utriculus¬†prostaticus herr√ľhren, jenem Teil der Prostata, der entwicklungsgeschichtlich dem Uterus der Frau entspricht.

Im Falle der Implantationstheorie infolge retrograder Menstruation wird das Auftreten von Endometriose bei Gynatresien als Beweis ihrer G√ľltigkeit betrachtet. Bei Gynatresien kann das Menstrualblut nicht nach au√üen abflie√üen, sondern gelangt vollst√§ndig in den Bauchraum. Solche Frauen haben eine massive Endometriose, die nach operativer Korrektur der Gynatresie verschwindet.

Beide Theorien lassen au√üer Acht, da√ü sich Endometrioseherde auch innerhalb der Geb√§rmutterwand befinden, f√ľr die weder eine Metaplasie noch eine retrograde Menstruation verantwortlich gemacht werden kann. Konsequenterweise wurde von den Anh√§ngern der Implantationstheorie die Endometriosis genitalis interna als Adenomyose zu einer eigenst√§ndigen Erkrankung erkl√§rt. Die Bezeichnung Endometriose wurde dann nur noch f√ľr das Auftreten von Endometrium im Bauchraum (pelvine Endometriose) verwendet.

Beide Theorien sind ferner nicht in der Lage, das Problem der Sterilit√§t befriedigend zu erkl√§ren. Bereits bei geringgradiger Endometriose besteht eine eingeschr√§nkte Empf√§ngnisf√§higkeit, die durch medikament√∂se oder operative Beseitigung der Endometriose nicht √ľberwunden werden kann. Dies l√§√üt vermuten, da√ü die Subfertilit√§t nicht durch die Beckenendometriose an sich verursacht wird, sondern Endometriose und Subfertilit√§t m√∂glicherweise eine gemeinsame Ursache haben.
Die Implantationstheorie bzw. ihr Aspekt der transtubaren Transplantation normaler Schleimhautpartikel wurde zunehmend in Frage gestellt, als erkannt wurde, da√ü die retrograde Menstruation bei Frauen im geschlechtsreifen Alter und mit offenen Eileitern ein v√∂llig normales Ereignis ist und somit praktisch alle Frauen betrifft, jedoch nicht alle Frauen eine Endometriose entwickeln. Es wurde daher spekuliert, da√ü eine verst√§rkte retrograde Menstruation vermehrt Zellen einschwemme und so eine Endometriose hervorrufe oder besondere Bedingungen im Bauchraum, wie z.B. ein lokalisierter Immundefekt, vorl√§gen, die das Anwachsen von Endometriumszellen beg√ľnstigten.

Beide Theorien haben dazu gef√ľhrt, die Endometriose im Bauchraum und die in der Geb√§rmutter als etwas Getrenntes aufzufassen. Hinzu kam eine starke Beeinflussung durch die klinische Routine. Die Endometriose wird heute fa√üt ausschlie√ülich durch die Bauchspiegelung z. B. im Rahmen einer Sterilit√§tsabkl√§rung diagnostiziert. Zwangsl√§ufig entzieht sich daher in der Regel der Uterus einer feingeweblichen Beurteilung. Es sind somit die vorherrschenden Theorien und klinische Realit√§t, die dazu f√ľhrten, da√ü sich die Forschung im wesentlichen auf die Herde im Bauchraum konzentrierte und auch dort der Grund f√ľr die Entstehung der Endometriose gesucht wurde.

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Gerhard Leyendecker