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Endometriose

  Inhaltsverzeichnis

  5.2.1 Proliferation und Transformation        5.2.3 Infektionsabwehr

5.2.2 Peristaltik

Die Zirkulärmuskulatur des Stratum subvasculare kontrahiert sich in peristaltischen Wellen, die im Gebärmutterhals beginnend bis in die Abgänge der Eileiter wandern. Die peristaltischen Wellen ändern sich während des Zyklus unter dem Einfluß der ovariellen Hormone. Die kräftigsten Kontraktionswellen mit höchster Frequenz werden zum Zeitpunkt der Ovulation beobachtet (Abbildung 4).

Der gerichtete Spermientransport: Spermien befinden sich bereits in weniger als einer Minute nach dem Verkehr im Eileiter, auf dessen Seite der Eisprung stattfindet. Dieser schnelle Spermientransport ist eine aktive Funktion des Uterus und nicht auf die Eigenbeweglichkeit der Spermien zur√ľckzuf√ľhren ist. Der gerichtete Spermientransport steht unter dem hormonellen Einflu√ü des sprungbereiten Follikels. Er wird dadurch erm√∂glicht, da√ü sich die Ringmuskulatur im oberen Anteil des Geb√§mutterk√∂rpers im Bereich der sog. fundo-cornualen raphe (Nahtstelle) aufteilt und in die Ringmuskulatur der jeweiligen Eileiter √ľbergeht. Durch eine besondere Blutversorgung dieses oberen Anteils der Geb√§rmutter (utero-ovarielles Gegenstromsystem) wird sichergestellt, da√ü die Ringmuskulatur auf der Seite des dominanten Follikels st√§rker als die der Gegenseite aktiviert wird, wodurch die Spermien bevorzugt in den entsprechenden Eileiter transportiert werden (Abbildung 5).



Abbildung 5: Darstellung der fundo-cornualen Raphe der Zirkul√§rmuskulatur (Stratum subvasculare). Diese Struktur erm√∂glicht den gerichteten Transport der Spermien in den Eileiter, auf dessen Seite die Ovulation zu erwarten ist. Vom dominanten Follikel gehen √ľber das utero-ovarielle Gegenstromsystem hormonale Impulse unmittelbar zu einer Uterusseite, so da√ü eine asymmetrische Funktion des Uterus m√∂glich ist. Die uterine Peristaltik ist aktiv, sobald in der Pubert√§t die Eierst√∂cke mit einer vermehrten Hormonproduktion beginnen. Die fundo-cornuale Raphe stellt daher wegen der gegengerichteten Faserkontraktionen und vor allem bei Hyperperistaltik einen Ort von Dauerbeanspruchung und chronischer Mikrotraumatisierung dar.

Es funktioniert daher der Uterus im Hinblick auf den Samentransport entsprechend seiner Entwicklungsgeschichte wie ein doppelt angelegtes Organ. Der sprungbereite Follikel hat einen unmittelbaren hormonalen Einfluß auf das auf seiner Seite befindliche Uterushorn. Diese funktionelle Zweiteilung ist auch beim Menschen im Hinblick auf die Funktion der uterinen Peristaltik erhalten geblieben (Abbildung 6).



Abbildung 6: Beim Nagetier existieren zwei Uterush√∂rner. Beim Menschen sind diese H√∂rner in der fr√ľhen Embryonalperiode fusioniert. Als Ausdruck dieser Fusion √ľberkreuzen sich an der Uterusvorder- sowie Hinterwand und am Uterusdach die zirkul√§ren Muskelfasern des Stratum subvasculare und bilden eine Raphe (Naht). Der eingerahmte Bereich zeigt den direkten hormonalen Einflu√ü des sprungbereiten Follikels auf die muskul√§re Aktivit√§t des entsprechenden Uterushorns.

Hohe fundale Implantation: Seltenere und schw√§chere Kontraktionen am Ende des Zyklus sorgen daf√ľr, da√ü der Embryo, sobald er vom Eileiter in die Geb√§rmutter √ľbertritt, hoch in der Geb√§rmutter eine Einnistungsstelle findet und nicht zu weit nach unten wandert.

Retrograde Menstruation: W√§hrend der Regelblutung herrschen zum Aussto√üen der abgesto√üenen Schleimhaut fundo-zervikale Kontraktionen vor (Abbildung 4). Bereits w√§hrend der Regelblutung kommt es zu einem Richtungswechsel mit Zunahme der zerviko-fundalen Kontraktionen, die zur retrograden Menstruation f√ľhren. Dieses offensichtlich physiologische Geschehen dient vermutlich der Verringerung des blutungsbedingten Eisenverlustes. Bei jungen Frauen gibt es das Krankheitsbild der sogenannten "juvenilen Blutung", das vor der √Ąra der K√ľrettage und der Hormontherapie durch die Blutungs- und Eisenmangelan√§mie lebensbedrohlich sein konnte. Der Eisensparmechanismus durch retrograde Menstruation bot somit in der Evolution einen Gesundheitsvorteil und hat sich daher bis heute als physiologischer Mechanismus erhalten. Obwohl mit ihr grunds√§tzlich das Einschwemmen von Zellen in die Bauchh√∂hle verbunden ist, bot sie gleichzeitig keinen gravierenden evolution√§ren Nachteil, der z.B. darin best√ľnde, wenn die retrograde Menstruation per se zu einer Endometriose f√ľhren w√ľrde.

  5.2.1 Proliferation und Transformation        5.2.3 Infektionsabwehr
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Gerhard Leyendecker