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Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  2.1.2. Spontane Entwicklung der Prolaktinome        2.2 Hyperprolaktinšmie bei verminderter zentralnervŲser (hypothalamischer) PRL-hemmender Aktivitšt

2.1.3. Prolaktinome und Schwangerschaft

Genau wie die prolaktinproduzierenden Zellen der normalen Hypophyse k√∂nnen die Hypophysentumorzellen auch unter dem Einflu√ü der √Ėstrogene w√§hrend der Schwangerschaft wachsen und somit zu einer Vergr√∂√üerung des Prolaktinoms f√ľhren. Diese Tatsache gewinnt zunehmend Bedeutung, da durch die Behandlung mit Dopaminagonisten auch Patientinnen mit Makroprolaktinomen, die schon √ľber die Eingangsebene der Sella turcica hinausragen, schwanger werden k√∂nnen. Bei diesen Patientinnen kann die zunehmende Raumforderung zu Gesichtsfeldeinschr√§nkungen, Augenmuskell√§hmungen bzw. Kopfschmerzen f√ľhren. Auch sind Einblutungen in den Tumor mit pl√∂tzlicher Hypophysenzerst√∂rung und Erblindung und anderen schweren neurologischen Komplikationen beobachtet worden. In einzelnen F√§llen wird dabei nur Tumorgewebe zerst√∂rt, was gar nicht bemerkt wird und sich nur anhand des pl√∂tzlichen Abfalls der im Ansteigen begriffenen PRL-Spiegel dokumentiert (Abb. 7). Bei ungef√§hr 6 % der Schwangeren finden sich deshalb nach der Schwangerschaft niedrigere PRL-Spiegel als vor Beginn der medikament√∂sen Therapie, die die Schwangerschaft erm√∂glicht hatte.


Abb. 7


Abb. 7: Verlauf der Prolaktinspiegel während 3 Schwangerschaften bei einer Prolaktinompatientin mit persistierender Hyperprolaktinämie nach vorausgegangener Operation.

Nach Normalisierung der Prolaktinspiegel durch Bromocriptin kommt es zu regelrechten Eispr√ľngen und zur ersten Schwangerschaft. Die Prolaktinspiegel steigen prompt an, um dann Ende des ersten Trimesters scharf abzufallen. Nach der Entbindung bestehen wieder erh√∂hte Prolaktinspiegel, die zur Amenorrhoe f√ľhren. Eine erneute kurzfristige Bromocriptinbehandlung f√ľhrt wiederum zu regelrechten Zyklen mit Eisprung und zur zweiten Schwangerschaft. Hier kommt es nur noch zu einem sehr geringf√ľgigen Anstieg des Prolaktins, gefolgt von einem sofortigen Abfall der Prolaktinspiegel. Die Prolaktinspiegel nach der zweiten Schwangerschaft liegen im Normbereich. Es kommt entsprechend zu regelrechten ovulatorischen Zyklen. W√§hrend der dritten Schwangerschaft kommt es zu keinem Prolaktinanstieg mehr im Vergleich zum Normalverhalten (schraffierte Fl√§che). Der Prolaktinspiegelverlauf ist am ehesten durch eine selektive Apoplexie des Prolaktinomgewebes zu erkl√§ren (Rjosk et al. 1982)


Im Gegensatz zu den Makroprolaktinomen, ist bei Mikroprolaktinomen mit einem bedeutsamen Tumorwachstum während der Schwangerschaft nicht zu rechnen. Auch liegen die PRL-Spiegel während einer durch Dopamin-Agonisten-Therapie ermöglichten Schwangerschaft bei Mikroprolaktinom-Patientinnen in der Regel im gleichen Bereich wie bei nicht hyperprolaktinämischen Schwangeren (Abb. 8).


Abb. 8


Abb. 8: Prolaktinspiegel während der Schwangerschaft bei Mikroprolaktinompatientinnen nach vorausgegangener Dopaminagonistentherapie:

Bei allen Patientinnen wurde der Dopamin-Agonist nach Feststellung der Schwangerschaft abgesetzt. Der Anstieg der Prolaktinspiegel entspricht dem Anstieg bei gesunden Frauen während der Schwangerschaft (schraffierter Bereich). Nach der Entbindung kommt es zu einem normalen Abfall der Prolaktinspiegel auf den Ausgangswert (Rjosk et Al 1982).


Die Wachstum des Prolaktinoms in der Schwangerschaft ist abh√§ngig von der Gegenwart plazentarer √Ėstrogene. Bei einzelnen Patientinnen wurde nach der Entbindung wieder eine Normalisierung des w√§hrend der Schwangerschaft eingeschr√§nkten Gesichtsfeldes beobachtet, was durch die Schrumpfung des unter √Ėstrogeneinflu√ü gewachsenen Tumors bedingt ist. Da√ü die √Ėstrogene des Mutterkuchens zu keiner persistierenden Prolaktinomvergr√∂√üerungen f√ľhren, wird auch dadurch dokumentiert, da√ü die PRL-Spiegel 3 Monate nach der Entbindung im gleichen Bereich liegen wie vor Beginn der medikament√∂sen Therapie (Abb.9).


Abb. 9


Abb. 9: Einfluß der Schwangerschaft auf die Prolaktinspiegel bei 60 hyperprolaktinämischen Patientinnen:

Die Prolaktinspiegel vor Beginn einer Bromocriptintherapie werden verglichen mit den Prolaktinspiegeln 3 Monate nach der Entbindung. Alle Patientinnen hatten Bromocriptin zur Normalisierung der Prolaktinsekretion erhalten. Bromocriptin wurde, nachdem die Schwangerschaft gesichert war, abgesetzt. Bis auf eine Ausnahme liegen die Prolaktinspiegel vor der Schwangerschaft und vor dem Beginn der Behandlung im gleichen Bereich wie 3 Monate nach der Entbindung. Dies weist darauf hin, daß kein anhaltendes Tumorwachstum erfolgt ist (Rjosk et al. 1982).

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Gerhard Leyendecker