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Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  2.1.3. Prolaktinome und Schwangerschaft        2.3. Vermehrte zentralnervöse Stimulation der PRL-Sekretion

2.2 Hyperprolaktinämie bei verminderter zentralnervöser (hypothalamischer) PRL-hemmender Aktivität

Nicht hormonfreisetzende und andere HVL-hormonsezernierende Hypophysentumoren können über die Kompression des Hypophysenstiels zu einer Hyperprolaktinämie führen (Pseudoprolaktinom, Begleithyperprolaktinämie). Die Differentialdiagnose zwischen einem Makroprolaktinom und einem Pseudoprolaktinom ist von klinischer Bedeutung, da im letzteren Fall die medikamentöse Therapie im Hinblick auf Tumorschrumpfung in jedem Fall versagen würde (siehe unten). Bei der Begleithyperprolaktinämie sind die PRL-Spiegel für die Größe des Tumors häufig inadäquat niedrig. Allerdings führen auch cystische, d. h. ausgehöhlte, Makroprolaktinome, bei denen radiologisch ein großes Adenomvolumen vorgetäuscht werden kann, gelegentlich zu niedrigeren PRL-Spiegeln. Sicher ist die Diagnose nur durch eine Gewebsuntersuchung (Immunhistologie) zu stellen.

Supraselläre Raumforderungen, Craniopharyngiome und andere hypothalamische Tumoren führen zur Zerstörung der dopaminbildenden Zentren im Hypothalamus und damit zu einer Enthemmung der Prolaktinzellen mit Hyperprolaktinämie.

Häufig haben diese Patienten durch das Fehlen anderer stimulierender hypothalamischer Neurohormone auch eine HVL-Insuffizienz, bzw. eine vermehrte Wasserausscheidung (Diabetes insipidus).

Prozesse an der Schädelbasis, z. B. chronisch-entzündliche Erkrankungen (Granu-lomatosen) oder maligne Systemerkrankungen wie die Hodgkin-Erkrankung können den Dopamin-Transport zu den Prolaktinzellen des HVL stören und damit eine Hyperprolaktinämie hervorrufen (s. Tab. 3).

Eine der häufigsten Hyperprolaktinämieursachen ist die Verabreichung von Arzneimitteln, die in den Dopaminstoffwechsel eingreifen. In der Regel handelt es sich um dopaminantagonistische Substanzen, die mit Dopamin um den Rezeptor an der Prolaktinzelle kompetieren. Hier sind besonders Medikamente, die den Brechreiz unterdrücken wie Metoclopramid und Psychopharmaka wie Sulpirid oder Phenothiazine sowie Neuroleptika, insbesondere Haloperidol, zu nennen (Tab. 5).

MedikamentenklasseArt der Substanz
Neuroleptika, Antidepressiva,Tranquilizer (Psychopharmaka)Phenothiazine, Thioxanthene, Butyrophenone (Haloperidol, Pimocid), Benzamide (Sulpirid), Amitriptylin, Imipramin
Antiemetika (gegen Brechreiz)Benzamide (Metoclopramid, Domperidon), Phenothiazine, Thiäthylperazin)
HochdruckmittelReserpin, Alpha-Methyl-Dopa
HormoneÖstrogene, TRH
AntihistaminikaCimetidin, Meclizin, Tripelenamin


Tab. 5: Medikamente, die zu einer Hyperprolaktinämie führen

  2.1.3. Prolaktinome und Schwangerschaft        2.3. Vermehrte zentralnervöse Stimulation der PRL-Sekretion
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Gerhard Leyendecker