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Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  2.3. Vermehrte zentralnervŲse Stimulation der PRL-Sekretion        4. Diagnostik der Hyperprolaktinšmie

3. Klinik der Hyperprolaktinšmie

Prolaktin f√ľhrt physiologischerweise neben der Stimulation der Brustdr√ľsen zu einer Ruhigstellung der Eierst√∂cke, wo das Heranreifen des Eies und der sp√§tere Eisprung blockiert werden. Auf die physiologische Geburtenkontrolle durch Prolaktin bei der nach der Entbindung stillenden Frau ist hingewiesen worden. Bei Frauen, die eine pathologische Hyperprolaktin√§mie haben, werden wie bei den Frauen nach der Entbindung eine St√∂rung der Eierstockfunktion beobachtet. Die mildester Form der Eierstockfunktionsst√∂rung ist eine Gelbk√∂rperschw√§che, gefolgt von anovulatorischen Zyklen oder einer Oligomenorrhoe (seltene Regelblutung). Bei den meisten Frauen mit persistierender Hyperprolaktin√§mie bleibt die Regel ganz aus (Amenorrhoe). Hat die Frau vorher normale Regelblutungen gehabt und bleibt dann die Regel aus, spricht man von sekund√§rer Amenorrhoe, ist es nie zu einer Regelblutung gekommen, von einer prim√§ren Amenorrhoe. Letztere ist selten durch eine Hyperprolaktin√§mie bedingt, wohingegen eine sekund√§re Amenorrhoe h√§ufig, d. h. in 15 - 30 % der F√§lle durch eine Hyperprolaktin√§mie verursacht wird (Abb. 10). Das erkl√§rt auch, warum die Prolaktinbestimmung die erste diagnostische Ma√ünahme bei Patientinnen mit Zyklusst√∂rungen sein sollte. Die hyperprolaktin√§mische Eierstockfunktionsst√∂rung ist √ľbrigens durch das Sistieren der pulsatillen Freisetzung der Gonadotropine, insbesondere Luteinisierungshormon (LH) bedingt. Man nimmt an, da√ü die erh√∂hten Prolaktinspiegel zu einer Erh√∂hung des hypothalamischen Dopamin- und Endorphinumsatzes (endogenes Morphin) f√ľhren, der im zentralen Nervensystem - im Hypothalamus - die Pulsatilit√§t der GnRH-Neurone unterdr√ľckt.

Daß die prolaktininduzierte Eierstockfunktionsstörung Dopamin und vor allen Dingen Opiat (=Morphin) vermittelt wird, wird auch durch die Tatsache illustriert, daß die gestörte pulsatille Freisetzung von LH durch die Gabe von Opiatantagonisten wie Naltrexon aufgehoben werden kann.


Abb. 10


Abb. 10: Ursachen der primären und sekundären Amenorrhoe.
A.: Die primäre Amenorrhoe ist relativ selten durch eine Hyperprolaktinämie bedingt (8 %).
B.: Der sekundären Amenorrhoe liegt viel häufiger eine Hyperprolaktinämie zugrunde. Im untersuchten Krankengut hatten von 750 Patientinnen 141 (= 18,8 %) eine hyperprolaktinämische Amenorrhoe (nach H. - K. Rjosk 1976).


Als Beweis f√ľr die zentrale, PRL-induzierte St√∂rung der Gonadenfunktion dient auch die Beobachtung, da√ü die pulsatile Gabe von GnRH mit Hilfe einer Zyklomatpumpe auch bei hyperprolaktin√§mischen Patientinnen eine normale Eierstockfunktion hervorrufen kann (siehe unten).

Prolaktin stimuliert bekanntlich auch die Brust. So wird in 70 % der F√§lle bei Frauen mit einer pathologischen Hyperprolaktin√§mie eine - allerdings h√§ufig nur auf Provokation - nachweisbare Milchproduktion (Galaktorrhoe) beobachtet. Dar√ľber hinaus weisen Frauen gelegentlich Zeichen einer gewissen Verm√§nnlichung auf, sie leiden unter Akne, vermehrte Talkproduktion und einen vermehrten m√§nnlichen Haarwuchs (Hirsutismus). Ursache f√ľr diese Symptomatik sind die erniedrigten weiblichen Hormonspiegel aufgrund der Eierstockfunktionsst√∂rung und erh√∂hter Spiegel m√§nnlicher Hormone, die aus der Nebennierenrinde stammen, die vermehrt durch Prolaktin stimuliert wird.

Beim Mann, bei dem Prolaktin keine physiologische Bedeutung hat, f√ľhrt die Hyperprolaktin√§mie - meist handelt es sich ja um Makroprolaktinome - ebenfalls zu einer Keimdr√ľsenfunktionsst√∂rung mit Libido- und Potenzverlust sowie Verlust der prim√§ren und sekund√§ren Sexualbehaarung. Da es sich um gro√üe Tumoren handelt, sind es nicht selten Gesichtsfelddefekte, die der erste Anla√ü zur schlu√üendlichen Diagnosestellung sind.

Hyperprolaktinämischer Knochenmassenverlust (Osteopenie und Osteoporose)
Bei den meisten Frauen findet sich neben den hyperprolaktin√§mischen Zyklusst√∂rungen auch eine Atrophie der Scheidenschleimhaut, da in diesen F√§llen die weiblichen Hormonspiegel im gleichen Bereich wie bei postmenopausalen Frauen liegen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, da√ü bei hyperprolaktin√§mischen Frauen wie bei Frauen nach den Wechseljahren eine Verringerung der Knochendichte (Osteopenie) festgestellt wurde, die in eine Osteoporose √ľbergehen kann. Dabei korreliert der Knochenmassenverlust zu dem √Ėstrogenmangel, eine Korrelation zwischen Verminderung der Knochendichte und H√∂he der PRL-Spiegel besteht nicht.

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Gerhard Leyendecker