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Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  5.1 Dopaminagonisten        5.3 Operation und Bestrahlung

5.2 Die Behandlung der hyperprolaktinšmischen Sterilitšt

Die Behandlung der hyperprolaktin√§mischen Sterilit√§t erfordert besondere Aufmerksamkeit (Kasuistik). Eine alleinige medikament√∂se Therapie mit Dopaminagonisten ist dann zu verantworten, wenn durch eine Kernspin- bzw. Computertomographie gesichert ist, da√ü keine wesentliche suprasell√§re Extension eines Makroprolaktinoms besteht. Diese k√∂nnte sonst w√§hrend der durch medikament√∂se Therapie erm√∂glichten Schwangerschaft aufgrund der √Ėstrogen-stimulierten Tumorwachstums ernste Komplikationen (Gesichtsfeldst√∂rungen bis zur Erblindung) verursachen. Bei Patientinnen mit Makroprolaktinom, das die Sella-Eingangsebene erreicht oder supra- parasell√§r extendiert, sollte vor einer medikament√∂sen Sterilit√§tsbehandlung transsphenoidal operiert werden, um Probleme der Tumorexpansion w√§hrend der Schwangerschaft zu verhindern. Ist eine Operation nicht m√∂glich, m√ľssen solche Patientinnen durch die gesamte Schwangerschaft hindurch mit Dopaminagonisten behandelt werden (s. Kasuistik).

Kasuistik:

29jährige Patientin - Amenorrhoe-/Galaktorrhoe-Syndrom - Makroprolaktinom

Die 29j√§hrige Patientin, 165 cm gro√ü, 54 kg schwer, normaler femininer Habitus wird wegen einer sekund√§ren Amenorrhoe in die endokrinologische Sprechstunde √ľberwiesen, nachdem au√üerhalb ein erh√∂hter Prolaktinspiegel von 5.200 mE/l (^= 260 ¬Ķg/l) festgestellt worden war. Die Patientin hatte ihre Menarche mit 12, hatte anschlie√üend immer regelm√§√üige Periodenblutungen, hatte vom 19. - 26. Lebensjahr steroidale Antikonzeptiva genommen. Nach Abset zen der ovulationshemmenden Therapie blieb die Regelblutung aus. Die "Post-Pill-Ame norrhoe" hatte die Patientin erst dann beunruhigt, als sich ein Kinderwunsch einstellte. Als erster Schritt der hormonellen Abkl√§rung der Amenorrhoe wurde die Prolaktinbestimmung veranla√üt, die die Diagnose Hyperprolaktin√§mie ergab. Aufgrund der H√∂he des Prolaktinspie gels ist mit Sicherheit von einem Prolaktinom auszugehen, entsprechend war auch der TSH-Spiegel im Normbereich gelegen und die Einnahme von prolaktinstimulierenden Medikamen ten wurde verneint.

Das daraufhin veranlaßte Kernspintomogramm zeigte ein intraselläres, zapfenartig nach su prasellär extendierendes Makroadenom. Klinisch bot die Patientin neben der anamnestisch imponierenden sekundären Amenorrhoe eine durch Kompression der Brustwarzen provozier bare Galaktorrhoe beidseits. Die Patientin wurde daraufhin mit Bromocriptin in einer Dosie rung von 3 x 2,5 mg pro Tag behandelt (die Dosis wurde langsam im Verlauf von 8 Tagen, beginnend mit einer halben Tablette abends zu den Mahlzeiten, aufgebaut). Innerhalb von 4 Wochen kam es zu einer Normalisierung der Prolaktinspiegel, nach 6 Wochen trat die erste Monatsblutung ein, wobei die Galaktorrhoe noch weiterhin provozierbar war, nach 4 Monaten allerdings dann auch verschwand.

In der Kernspintomographie zeigte sich eine eindrucksvolle Schrumpfung des Tumors. Die suprasell√§ren Anteile des Adenoms waren v√∂llig verschwunden, dar√ľber hinaus stellte sich die Sella-Eingangsebene nach intrasell√§r gew√∂lbt dar.
Die stattgehabten Ovulationen wurden durch den Eintritt einer Schwangerschaft bewiesen, die unter einer Fortf√ľhrung der Therapie mit 2,5 mg Bromocriptin am Abend unkompliziert verlief. Unter dieser Therapie stieg der Prolaktinspiegel bis zum 3. Trimester auf 1000 mE/l (^= 50 ¬Ķg/l) an (entspricht einem gering ausgepr√§gten schwangerschaftstypischen PRL-Anstieg). Die Bromocriptin-Behandlung wurde deshalb durchgef√ľhrt, um eine erneute Tumorex pansion unter dem Einflu√ü der √Ėstrogene zu verhindern. Alternativ h√§tte die Patientin auch vor der Schwangerschaft transsphenoidal operiert werden k√∂nnen.

Da die Patientin nicht stillen wollte, wurde postpartal die Bromocriptin-Dosis wieder auf 5 mg pro Tag erh√∂ht, was zu einem prim√§ren Abstillen und zu einer Normalisierung der Prolaktin spiegel f√ľhrte.


Bei absoluter Unverträglichkeit der Dopaminagonisten kann der Eisprung auch durch pulsatille GnRH-Therapie ausgelöst werden. Diese Behandlung ermöglicht auch Patientinnen, die trotz hoher Motivation eine Therapie mit Dopaminagonisten wegen der bekannten Nebenwirkungen in keinem Fall vertragen, eine normale Schwangerschaft

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Gerhard Leyendecker