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Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  5.2 Die Behandlung der hyperprolaktinämischen Sterilität        5.4 Beobachtung, Behandlung mit Sexualhormonen

5.3 Operation und Bestrahlung

Größere Makroprolaktinome bei Patientinnen mit Kinderwunsch sollten wegen der möglichen Komplikationen während der Schwangerschaft transsphenoidal, seltener transfrontal operiert werden. Der Operation muß eine medikamentöse Therapie zur Tumorverkleinerung vorausgegangen sein (Tab. 10).

 Mikroprolaktinom,
intraselläres Prolaktinom
Extraselläres oder invasives Prolaktinom
Beobachtungmöglich, meist Östrogensubstitution erforderlichnicht indiziert
Medikamentöse Therapie:Behandlung der WahlBehandlung der Wahl, auch vor elektiver Operation
Operation:Nur in besonderen Fällen (DA-Resistenz)Vor Schwangerschaft; DA-Resistenz
Bestrahlung:- - -Nur in besonderen Fällen, postoperativ bei DA-Resistenz


Tab. 10: Behandlung der Hyperprolaktinämie

Eine operative Therapie des Prolaktinoms ist dann indiziert, wenn Dopaminagonisten zu keiner Absenkung der PRL-Spiegel führen und die Raumforderung im Sellabereich, die zu Symptomen geführt hat, nicht beeinflußt. Allerdings muß darauf hingewiesen werden, daß die Ergebnisse der operativen Therapie von invasiv wachsenden Makroprolaktinomen auch in erfahrenen Händen nicht sehr günstig sind, was die Normalisierung der PRL-Spiegel bzw. radikale Tumorentfernung betrifft. Auf der anderen Seite sind die Ergebnisse der chirurgischen Maßnahmen bei Mikroprolaktinomen erheblich besser. Bei über 70 % der intrasellären Mikroprolaktinom-Patientinnen wird das Adenom selektiv erfolgreich entfernt. Das bedeutet, daß sie postoperativ keinerlei Medikamente mehr einnehmen mehr müssen, im Gegensatz zu den medikamentös behandelten, die in der Regel über Jahrzehnte eine, wenn auch nur sehr niedrige, Dopaminagonistendosis brauchen (siehe oben).

Vor elektiven transsphenoidalen Eingriffen ist, insbesondere bei Makroprolaktinomen, eine präoperative Therapie mit Dopaminagonisten zur Tumorschrumpfung angezeigt. So können in Einzelfällen Adenome, die anderenfalls nur transfrontal, d.h. von oben operiert worden wären, innerhalb von wenigen Wochen so verkleinert werden, daß sie jetzt durch die Nase und die Keilbeinhöhlen (transsphenoidaler Eingriff) erreichbar sind.

Eine weitere Indikation zur chirurgischen Behandlung der Prolaktinome ist eine Progression des Prolaktinoms trotz medikamentöser Behandlung oder eine akute Hypophysendurchblutungsstörung (Apoplexie), die zu starken Kopfschmerzen und Visusausfällen führen kann.

Eine Bestrahlung wird nur von wenigen Zentren zur Therapie der Hyperprolaktinämie eingesetzt. Allerdings scheint eine vorausgegangeneBestrahlung, die Effektivität einer Langzeittherapie mit Dopaminagonisten zu verbessern. In der Regel sind es nämlich Hypophysen-bestrahlte Patienten, die nach langjähriger Dopaminagonisten-Behandlung im Auslaßversuch langanhaltend normalisierte PRL-Spiegel aufweisen. Allerdings werden durch die Bestrahlung auch die anderen Partialfunktionen des Hypophysenvorderlappens langfristig geschädigt, so daß diese Patienten zwar normale Prolaktinspiegel haben, aber mit Nebennierenrindenhormonen, Sexualhormonen und Schilddrüsenhormonen substituiert werden müssen.

Handelt es sich um Patienten mit Dopaminagonisten-Resistenz und einem Makroprolaktinom, das nicht mehr operabel ist, ist die externe Bestrahlung die letzte Möglichkeit, das Tumorwachstum aufzuhalten. Die fokussierte, hochdosierte Strahlentherapie mit dem "Gamma-Knife" ist möglicherweise der konventionellen Bestrahlung bei nicht operablen Prolaktinomen mit einem Durchmesser unter 3 cm überlegen.

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Gerhard Leyendecker