Ferticon  
 
Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  Vorwort        1.2 Biologische Aktivität des Prolaktins

1. Physiologische Grundlagen

1.1 Struktur des menschlichen Prolaktins

Das menschliche (humane) Prolaktin ist ein einkettiges Eiweißhormon dessen 199 Aminosäuren mit 3 Disulfidbrücken verknüpft sind. Es hat eine Molekülmasse von 23.000 Daltons. Es ist im Hypohysengewebe aller bisher untersuchten Wirbeltiere nachgewie-sen worden. Prolaktin und Wachstumshormon (Growth hormone = GH) sind was die Struktur betrifft sehr ähnlich. Auch haben sich beide Moleküle während der Evolution nur geringgradig verändert. Es wird angenommen, daß PRL, GH und das plazentare Laktogen (hPL) sich aus einem sogenannten Urgen entwickelt haben, das sich dann in die 3 hormonspezifischen Gene weiter entwickelt hat. Es gibt nur ein Gen für das Prolaktin, das auf Chromosom 6 lokalisiert ist. Die Übersetzung (Transkription) des PRL-Gens in das Eiweißhormon wird durch verschiedene Faktoren reguliert. Ein Transkriptionsfaktor in der Hypophyse ist Pit-1, das an die Desoxyribonukleinsäure (DNS) des Gens bindet und daß nicht nur die Genexpression des Prolaktins, sondern auch die des Wachstums-hormon und des TSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon) stimuliert. Die 5 kodierenden Exonsequenzen des Prolaktin-Gens sind durch 4 nicht kodierende Introns unterbrochen (Abb. 1). Das Prolaktin-Gen erstreckt sich über 10 Kilobasen (10.000 Nukleotide) verglichen mit 2,7 Kilobasen des Wachstumshormon-Gens. Dies ist ausschließlich auf die größeren Introns des Prolaktin-Gens zurückzuführen. Die kodierenden exonischen Sequenzen beider Gene sind sehr ähnlich.


Abb. 1


Abb. 1: Transcription und Translation des Prolaktingens (siehe Text, 1.1.)


Das PRL-Gen kodiert ein größeres Präkursorpeptid (Vorstufe des Eiweißhormons) mit einem Molekulargewicht von 28.000 Daltons, das Pro-Prolaktin, welches auch die Signalsequenz enthält (Abb. 1). Die Signalsequenz mit 28 Aminosäuren wird vom aminoterminalen Ende des 199 Aminosäuren enthaltenden PRL-Moleküls abgespalten bevor PRL in die Blutbahn abgegeben wird.

Im Blut zirkulieren neben dem regelrechten monomeren Prolaktin auch noch größere, dimere und polymere PRL-Formen. Darüber hinaus läßt sich noch ein hochmolekulares PRL im Serum nachweisen (Makroprolaktin), das keine biologische Aktivität aufweist. Es handelt sich bei dem Makroprolaktin um einen PRL-Autoantikörperkomplex.

  Vorwort        1.2 Biologische Aktivität des Prolaktins
  Newsletter
  abonnieren?

Gerhard Leyendecker