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Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  1.2 Biologische Aktivitšt des Prolaktins        2. Ursachen der Hyperprolaktinšmie

1.3 Prolaktinfreisetzung

Im Gegensatz zu allen anderen Hypophysenvorderlappen(HVL)-Hormonen ist der √ľber-wiegende zentralnerv√∂se Einflu√ü auf die PRL-Sekretion hemmend. Das Neurohormon, das die Hemmung der PRL-Freisetzung bewirkt, ist das biogene Amin Dopamin. Die Nervenausl√§ufer der tuberoinfundibul√§ren dopaminergen (TIDA)-Neurone (Nervenzellen in der Hirnstruktur an der Sch√§delbasis, die Hypothalamus genannt wird) enden in der gleichen Gegend, wo die Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Neurone enden, was die Beziehung zwischen Dopamin und GnRH-Freisetzung erkl√§ren k√∂nnte (s. u.). Neben dem √ľberwiegend hemmenden zentralnerv√∂sen dopaminergen Einflu√ü auf die PRL-Sekretion gibt es auch noch eine stimulierende Einflu√ünahme auf die PRL-Sekretion. So stimuliert Thyrotrophin-Releasing-Hormon (TRH) die Synthese und Freisetzung von PRL, obwohl dieses Hormon wahrscheinlich nicht der physiologische Prolaktin-Releasing-(Freisetzung)-Faktor (PRF) ist (Abb. 2). Die PRF-Aktivit√§t wird wahrscheinlich durch das vasoaktive intestinale Polypeptid (VIP) repr√§sentiert, dessen Freisetzung aus peptidergen Neuronen des Hypothalamus durch den Neurotransmitter Serotonin stimu-liert wird.


Abb. 2


Abb. 2: Regulation der Prolaktinfreisetzung: Der √ľberwiegende Einflu√ü durch den Hypothalamus ist inhibitorischer Natur und wird durch Dopamin vermittelt. Der physiologische Prolaktinfreisetzungsfaktor (PRF) ist wahrscheinlich das vasoaktive, intestinale Peptid (VIP). Erh√∂hte Cortisonaktivit√§t f√ľhrt zu einer Hemmung, erh√∂hte √Ėstrogenspiegel zu einer Stimulation der Prolaktinfreisetzung.


Der Hauptproduktionsort des Prolaktins ist der Hypophysenvorderlappen (HVL). Prolak-tin wird in den lactotrophen Prolaktinzellen des HVL gebildet, die gro√üe, sogenannte Sekretionsgranula enthalten. Im Gegensatz zu den somatotrophen Zellen, die das Wachstumshormon bilden und dicht mit solchen Granula gepackt sind, enthalten die lactotrophen Zellen des HVL in der Regel nur einige wenige Granula, was auch erkl√§rt, da√ü die Prolaktinkonzentration in der Hypophyse viel geringer als die des Wachstumshormons, n√§mlich nicht mehr als 150 ¬Ķg pro Dr√ľse.

Die Zahl der prolaktinproduzierenden Zellen h√§ngt von den physiologischen Bedingungen ab. W√§hrend der Schwangerschaft kommt es zu einer Zunahme und Vergr√∂√üerung der Prolaktinzellen, was fast zu einer Verdopplung des Hypophysenvolumens f√ľhrt. Von den beiden Wiener Pathologen Erdheim und Stumme wurden schon 1909 die Prolaktinzellen als sogenannte Schwangerschaftszellen im Hypophysenvorderlappen (HVL) nachgewiesen. Die Zunahme der Prolaktinzellen im HVL ist durch die hohen √Ėstrogenspiegel w√§hrend der Schwangerschaft bedingt. Entsprechend finden sich auch bei m√§nnlichen Patienten, die wegen eines Prostata-Carcinoms hochdosiert mit √Ėstrogenen behandelt wurden, erh√∂hte periphere PRL-Spiegel sowie eine Volumenzunahme des HVL aufgrund der Vermehrung der lactotrophen Zellen.

Die PRL-Spiegel bei erwachsenen, nicht schwangeren Frauen liegen zwischen 5 und 20 ¬Ķg/l oder 100 bis 400 mE/l. Bei M√§nnern sind die PRL-Spiegel normalerweise etwas niedriger und √ľberschreiten nicht 15 ¬Ķg/l bzw. 300 mE/l. Die Halbwertzeit von Prolaktin in der Zirkulation betr√§gt etwa 50 Minuten, wobei ungef√§hr 400¬Ķg Prolaktin pro Tag von der Hypophyse in den Kreislauf abgegeben werden. Die Faktoren, die die PRL-Sekretion beeinflussen, sind in der Tabelle 1 aufgezeigt.



StimulationSupression
Physiologie
Schwangerschaft
Stillen
Brustwarzenstimulation
Körperliche Anstrengung
Nahrungsaufnahme
Schlaf
Unspezifischer Stress
 
Pharmakologie
Hypoglykämie (Insulin)Hyperglykämie
Aminosäuren, Hormone
(√Ėstrogene, TRH)
Hormone (Thyroxin, Glukokortikoide)
Neurotransmitter (Dopamin-Antagonisten, Katecholamindepletoren, Serotoninpräkursoren, GABA-Agonisten, Histamin-Antagonisten, Opiate)Neurotransmitter (Dopamin und Dopamin-Agonisten, Serotonin-Antagonisten)



Tab. 1: Beeinflussung der Prolaktinsekretion


Abb. 3


Abb. 3: Verlauf der Prolaktinspiegel während Schwangerschaft und Wochenbett.
A: PRL-Spiegel w√§hrend der Schwangerschaft und der sich anschlie√üenden Stillperiode. Nach der Entbindung und dem Abfall des Estradiols (E2) und des Progesterons kommt der Prolaktineffekt an der Brustdr√ľse zum Tragen, die Milch schie√üt ein. Durch den regelm√§√üigen Saugreiz und der damit verbundenen Stimulation der Prolaktinsekretion werden die Milchbildung und die Hemmung des Eisprunges (physiologische Geburtenkontrolle) aufrechterhalten.

B: Prolaktin und Oxytozin (OT)-Spiegel w√§hrend des Stillens am 3 Tag nach der Entbindung. Nach Anlegen des Kindes kommt es zu mehreren kurzfristigen Phasen der Oxytozinfreisetzung, was zur Milchfreisetzung f√ľhrt, wohingegen Prolaktin von erh√∂hten Ausgangsspiegel langsam, aber deutlich, auf einen Maximalspiegel √ľber 8.000 mE/l ansteigt.


W√§hrend der Schwangerschaft kommt es also zu einem kontinuierlichen Anstieg der PRL-Spiegel, die vor dem Geburtstermin im Mittel 10fach h√∂her liegen als vor der Konzeption (Abb.3). Der Anstieg der PRL-Spiegel wird durch die ebenfalls ansteigenden √Ėstrogene, die aus der Plazenta (Mutterkuchen) stammen, hervorgerufen, die zu der erw√§hnten Vergr√∂√üerung der Hypophyse f√ľhren. W√§hrend der Schwangerschaft blockieren die plazentaren Steroidhormone (√Ėstrogene und Gestagene) die biologisches PRL-Wirkung an der Brust. Nach dem Aussto√üen der Plazenta (Mutterkuchen) und Abfall des Estradiol- und Progesteronspiegels kommt es dann innerhalb von 24 Stunden zum Auftreten des PRL-Effektes an der Brust, d. h. die Milch schie√üt ein. Nach der Entbindung kommt es nach dem √Ėstrogenentzug auch zu einem allm√§hlichen Abfall der PRL-Spiegel, die nach etwa 4 - 5 Wochen nach der Entbindung den Ausgangswert erreichen. Der postpartale Saugreiz durch das Kind f√ľhrt allerdings zu intermittierenden PRL-Anstiegen, die - wenn sich das Kind ausschlie√ülich durch Muttermilch ern√§hrt und 6 - 8 x am Tag angelegt wird - die Milchproduktion und die physiologische Hemmung des Eisprunges nach der Entbindung aufrechterhalten (Abb. 3).

Medikamente k√∂nnen zu einer Stimulation der PRL-Sekretion durch Antagonisierung des Dopamineffektes an den lactotrophen Zellen des HVL f√ľhren. Die PRL-Spiegel un-terliegen erheblichen Tagesschwankungen. Der h√∂chste Spiegel wird am fr√ľhen Morgen beobachtet, kurz vor dem Aufwachen; im Verlauf des Tages fallen die PRL-Spiegel wieder ab. Der n√§chtliche PRL-Anstieg ist schlafgekoppelt und l√§√üt sich mit dem Schlaf verschieben. Sowie dopaminantagonistische Medikamente die PRL-Sekretion steigern, f√ľhren Dopamin-Agonisten zu einer Hemmung der PRL-Sekretion, was therapeutisch ausgenutzt wird (s. u.).

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Gerhard Leyendecker