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Hyperprolaktinämie

  Inhaltsverzeichnis

  2. Ursachen der Hyperprolaktinšmie        2.1.2. Spontane Entwicklung der Prolaktinome

2.1 Prolaktinproduzierender Hypophysentumor; Prolaktinom

2.1.1. Epidemiologie/Ultrastuktur

Bald nach Einf√ľhrung der PRL-Bestimmung anfangs der 70er Jahre hat sich gezeigt, da√ü der PRL-produzierende Hypophysentumor, das Prolaktinom, die h√§ufigste Hypophysengeschwulst ist. Mehr als die H√§lfte aller klinisch diagnostizierten Hypophysentumore sind Prolaktinome. Viele der vor der PRL-√Ąra als endokrin-inaktiv angesehenen Tumore wurden sp√§ter als Prolaktinome identifiziert. Bei 65 % der Prolaktinome handelt es sich um sogenannte Mikroprolaktinome mit einem Durchmesser von weniger als 10 mm, die vornehmlich bei Frauen gefunden werden. Im Gegensatz dazu werden gr√∂√üere PRL-produzierendeTumore, Makroprolaktinome, bei denen es sich z. T. um invasiv wachsende Tumoren handelt, bei beiden Geschlechtern gleich h√§ufig diagnostiziert.

Maligne Prolaktinome (Prolaktinzell-Carcinome) sind sehr selten. Allerdings zählen auch die PRL-freisetzenden malignen Hypophysentumoren zu den häufigsten Hypophysencarcinomen. Die meisten Mikro- und Makroprolaktinome werden zwischen dem 30. und 50. Lebenjahr festgestellt, bei Kindern sind Prolaktinome sehr selten.

H√§ufig wird Prolaktin mit Wachstumshormon zusammen produziert und freigesetzt. Es handelt sich um somatomammotrophe Tumoren bei denen Prolaktin und Wachstumshormon nicht nur in der gleichen Zelle, sondern auch in den gleichen Speichergranula nachweisbar ist. Allerdings kann eine Hyperprolaktin√§mie auch durch eine Hypophysenstielkompression bei suprasell√§r extendierendem Hypophysentumor bedingt sein. Hier produziert nicht der Hypophysentumor das Prolaktin, sondern das Prolaktin stammt aus dem noch normalen Hypophysenvorderlappengewebe, da√ü von den hemmenden zentralnerv√∂sen Einfl√ľssen nicht mehr erreicht wird (Pseudoprolaktinom, Begleithyperprolaktin√§mie).

Eine Produktion von Prolaktin außerhalb der Hypophyse in Lungentumoren oder anderen extrahypophysären Tumoren ist zwar in der Literatur beschrieben, ist aber wohl extrem selten.

Prolaktinome sind monoklonal, d. h. sie gehen von einer mutierten Zelle aus. Die Expansion des Zellklons in der Hypophyse kann mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit ablaufen. Die Wachstumsrate von Mikroprolaktinomen ist in der Regel sehr langsam, Makroprolaktinome können hingegen sehr schnell wachsen und eine erhebliche Größe erreichen.

Obwohl sich die Biologie der Mikro- und Makroprolaktinome, was Proliferationsneigung, invasives Wachstum, Aktivität der PRL-Synthese und -Freisetzung betrifft, deutlich unterscheiden, gibt es keine wesentlichen Unterschiede was die Ultrastruktur der Makro- und Mikroprolaktinome betrifft. Auch die Prolaktinzellen der Schwangeren-Hypophyse unterscheiden sich in ihrer Ultrastruktur nicht eindeutig von Prolaktinomzellen. Meist handelt es sich um Zellen mit einem gelappten Zellkern und einem prominenten Zellkernkörperchen (Nucleolus) mit deutlichem rauhen endoplasmatischen Reticulum und wenigen, vereinzelten Speichergranula, die einer sehr unterschiedliche Größe haben können.

Mikroprolaktinome werden bei Frauen bekanntlich h√§ufig, beim M√§nnern eher selten diagnostiziert (Abb. 4). Mikroprolaktinome f√ľhren in der Regel zu keiner Ver√§nderung der kn√∂chernen Struktur des T√ľrkensattels (Sella turcica) in der seitlichen Sch√§delaufnahme. Fr√ľher wurde angenommen, da√ü die meisten Patientinnen mit einer radiologisch normalen Sella turcica eine nicht tumor√∂se, sogenannte funktionelle Hyperprolaktin√§mie haben. Allerdings haben die kernspintomographischen Untersuchungen mit einem immer h√∂heren Aufl√∂sungsverm√∂gen gezeigt, da√ü ein kleines, die kn√∂cherne Struktur der Sella turcica nicht ver√§nderndes Mikroprolaktinom in meisten F√§llen nachweisbar ist (Abb. 5).


Abb. 4


Abb. 4: Prolaktinspiegel bei 456 hyperprolaktin√§mischen Patientinnen und Patienten mit und ohne r√∂ntgenologischem Hinweis f√ľr ein Hypophysentumor. Erh√∂hte Prolaktinspiegel bis zu 10.000 mE/l bei normaler und nur diskreten r√∂ntgenologischen Ver√§nderungen der Sella turcica werden praktisch ausschlie√ülich bei Frauen gefunden. Auf der anderen Seite werden Makroprolaktinome bei M√§nnern und Frauen gleich h√§ufig beobachtet. Die H√∂he des Prolaktinspiegels (logarithmischer Ma√üstab) korreliert zur Prolaktinomgr√∂√üe


Abb. 5


Abb. 5: Kernspintomographie eines Mikroprolaktinoms. Das signal√§rmere Mikroprolaktinom ist auf der rechten Seite der Hypophyse gelegen und verdr√§ngt den Hypophysenstiel zur gegen√ľberliegenden Seite. Die suprasell√§re Zisterne (schwarzer Bezirk) ist frei. Die Seh-nerven (Chiasma opticum) werden nicht tangiert


Gro√üe zur Ballonierung oder Selladestruktion f√ľhrende Prolaktinome werden bei beiden Geschlechtern nahezu gleich h√§ufig gefunden. Diese Tumoren f√ľhren h√§ufig nicht nur zu hormonellen, sondern auch neurologischen Ausf√§llen, insbesondere zu einer Kompression der Sehnervenkreuzung mit Scheuklappenblindheit (bitemporale Hemianopsie). Sehr gro√üe Makroprolaktinome ("giant prolactinoma", Abb. 6) f√ľhren Augenmuskelparesen bis hin zur Erblindung. Dazu kann der Tumor in den dritten Ventrikel wachsen und zur Blockade der Liquorzirkulation (Foramen-Monroi-Blockade) f√ľhren und damit einen inneren Wasserkopf (Hydrocephalus internus) und einen komat√∂sen Zustand verursachen (Tab. 3).


Abb. 6


Abb. 6: Riesiges Makroprolaktinom ("giant prolactinoma") bei einem 50jährigen Patienten. Die Kernspintomographie in coronarer (oben) und sagittaler (unten) Projektion zeigt das die Schädelbasis zerstörende, weit in das Gehirn und das Ventrikelsystem einwachsende Makroprolaktinom


FrauenMänner
Amenorrhoe
Oligomenorrhoe
Corpus-luteum-Insuffizienz
Anovulation
Libidostörung
Hirsutismus
Seborrhoe
Libidostörung
Potenzstörung
Hypogonadismus mit und ohne
Gynäkomastie (Brustentwicklung)
Galaktorrhoe (selten)

Zeichen eines Hypophysentumors
Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz
Gesichtsfeldeinschränkung
Augenmuskelparesen
Kopfschmerzen
Zerebrale Störungen (Foramen-Monroi-Blockade)


Tab. 3: Klinische Symptomatik der Hyperprolaktinämie

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Gerhard Leyendecker