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Wirkungsweise von Hormonen

  Inhaltsverzeichnis

  3.3 Klassischer Regelkreis: Wie der Blutzuckerspiegel reguliert wird        3.5 Hormonale Kontrazeption: Wie der Zyklus "ausgeschaltet" wird

3.4 Hormonale Rückkoppelung: Wie wird der weibliche Zyklus reguliert?

Ein ähnlicher Regelkreis wie er anhand der Regulierung des Blut-Zuckerspiegels beschrieben wurde liegt auch - in etwas komplizierterer Form - bei der Regulierung des weiblichen "Zyklus" zugrunde. Allerdings ist dasjenige, das im Zyklus eigentlich reguliert wird, nicht die "Regelblutung", sondern die zyklische Reifung und Ausstoßung einer Eizelle. In diesem Regelkreis spielen drei Stationen eine zentrale Rolle:


  • Ein Teil des Mittelhirns - der Hypothalamus: Er ist u. a. oberstes Steuerorgan für reproduktive Funktionen.
  • Die Hirnanhangdrüse - Hypophyse: Sie ist eine Art Umschaltstation für Signale aus dem Hypothalamus an Empfänger im Organismus wie die Eierstöcke bzw. die Hoden, die Schilddrüse und die Nebennierenrinde.
  • Die Eierstöcke - Ovarien: In ihnen sind jeweils pro Zyklus nur einige bestimmte Strukturen an der Eizellreifung beteiligt. Das sind die heranwachsenden Eizellen und Zellen, die die Eizelle umhüllen. Sie werden zusammen als Follikel bezeichnet.


In dem Regelkreis mit den Stationen Hypothalamus - Hypophyse - Ovarien sind mehrere hormonale Signale eingeschaltet. Vom Hypothalamus ergeht eine hormonelle "Botschaft" an die Hypophyse die diese anweist, ebenfalls Botenstoffe auszusenden, deren Adressat die Ovarien sind. Im Zuge der Eizellreifung werden vom Follikel Hormone wie insbesondere Estradiol gebildet, die die oberen Zentren über den Fortgang der Follikelentwicklung informieren. Damit schließt sich der Regelkreis (Abb. 2).


Abb. 2


Abbildung 2: Estradiol wirkt im ovariellen Zyklus als Steuerhormon; dementsprechend verändert sich die Östrogen-Produktion in den Eierstöcken in Abhängigkeit vom Reifegrad der Follikel. In dieser Funktion ist Estradiol in eine Rückkopplungsschleife eingebunden. Es übermittelt der Steuerzentrale im Hypothalamus Informationen über den Funktionszustand der Ovarien. Entwicklung und Reifung der Gebärmutterschleimhaut werden zwar auch zyklisch durch Estradiol (und Progesteron) angeregt, ohne daß dieser Prozeß jedoch über einen Feedback-Mechanismus gesteuert würde. Während der fruchtbaren Lebensphase einer Frau ist der Östrogen-Spiegel relativ hoch, so daß auch in den zahlreichen anderen Östrogen-abhängigen Organen von einer optimalen Versorgung ausgegangen werden kann.

Die beteiligten Hormone an der Steuerung des ovariellen Zyklus sind die beiden Gonadotropine Follikel-stimulierendes Hormon (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH), welche im "Auftrag" des Hypothalamus von der Hypophyse aus "Anweisungen" an die Ovarien übermitteln. Gonadotropine heißt frei übersetzt: An die Gonaden gerichtete Stoffe. Diese allgemeine nicht geschlechtsbezogene Bezeichnung erklärt sich daher, daß FSH und LH eben nicht nur die Reifung der Eizellen und die Hormon-Produktion in der weiblichen Gonade, den Eierstöcken, sondern auch die Reifung der Spermien und die Hormon-Produktion in der männlichen Gonade, den Hoden, anregen.

Die realtiv kurze Signalstrecke zwischen Hypothalamus und Hypophyse wird durch ein Hormon überbrückt, das als Gonadotropin-freisetzendes Hormon (engl.: gonadotrophin-releasing hormone; GnRH) bezeichnet wird. Es handelt sich um ein Oligopeptid aus 10 Aminosäuren, das aus spezialisierten Nervenzellen im Hypothalamus episodisch, d. h. in diskreten Sekretionspulsen freigesetzt wird und über einen "eigenen" Blutweg zur Hypophyse gelangt.

Auf der Schiene Hypothalamus -> Hypophyse -> Ovarien wird die Follikelentwicklung angeregt. Zugleich mit der Reifung werden im Follikel Hormone produziert über die der Hypothalamus und zum Teil auch die Hypophyse eine Rückmeldung erhalten und ihre weitere Steueraktivität darauf abstimmen können. Eine zentrale Rolle bei der Rückmeldung spielen Östrogene oder genauer gesagt das eigentlich wirksame Östrogen, das Estradiol. Estradiol hemmt im Hypothalamus die Freisetzung von GnRH (negative Rückkoppelung). Doch kurz vor dem Eisprung (Ovulation) kehrt sich die Estradiol-Wirkung um, so daß die Rückkoppelung positiv wird und die Bildung sowie Freisetzung von GnRH gesteigert wird. Infolgedessen erreicht der Spiegel von LH im Blut ebenfalls einen Scheitelpunkt (LH-Gipfel).

Bei der Regulierung des ovariellen Zyklus fungiert Estradiol uneingeschränkt als Hormon. Es ist Glied einer Signalkette, die einen geschlossenen Regelkreis bildet. Allerdings wirken auf derselben Strecke auch andere Hormone aus den Eierstöcken wie z. B. Progesteron (Gestagen; Schwangerschaftshormon) synergistisch.

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Gerhard Leyendecker