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Wirkungsweise von Hormonen

  Inhaltsverzeichnis

  3.5 Hormonale Kontrazeption: Wie der Zyklus "ausgeschaltet" wird        4. Womit können Zellen an sie gerichtete Boschaften empfangen?

3.6 Substitutionstherapie: Östrogene mit rein vitalisierenden Funktionen

Der Vorrat an ursprünglichen Follikeln, die heranreifen könnten, ist bei Frauen im Durchschnitt mit etwa 51 bis 52 Jahren erschöpft. Damit erlischt praktisch auch die Sexualhormon-Produktion in den Eierstöcken und die Frau befindet sich in einer Lebensphase, die als Postmenopause bezeichnet wird. Herkömmlicherweise wird der Zeitraum von einigen Jahren vor und nach der letzten Regelblutung als Klimakterium bezeichnet. In diesem Lebensabschnitt durchleiden eine Reihe von Frauen einen für sie mehr oder weniger unangenehmen Beschwerde-Komplex, dessen Auftreten im wesentlichen auf das Versiegen der Östrogen-Produktion zurückgeführt wird.

Um die typischen klimakterischen Symptome zu lindern und um ernsteren gesundheitlichen Risiken wie dem Verlust von Mineralien aus den Knochen und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die mit einem Mangel an Sexualsteroidhormonen verbunden sind, vorzubeugen, werden die betroffenen Frauen heute vielfach mit einer sogenannten Hormon-Ausgleichstherapie versorgt. Zumeist werden Östrogene in Kombination mit einem Gestagen verabfolgt. Doch anders als bei der hormonalen Kontrazeption wird dadurch nicht in einen hormonalen Regelkreis eingegriffen, da durch den Ausfall der Eierstock-Funktionen eine Station im ovariellen Regelkreis nicht mehr "mitspielt" und somit gar kein Regelkreis mehr existiert (Abb. 3).


Abb. 3


Abbildung 3: In der Postmenopause besteht kein ovarieller Zyklus mehr: Da Follikel nicht mehr heranreifen, produzieren die Eierstöcke auch kein Östrogen mehr. Geringe Mengen des Sexualsteroidhormons werden aber weiterhin in peripheren Organen durch Umwandlung aus Androgenen (periphere Konversion) gebildet. Ohne eine Hormon-Ausgleichstherapie sind zahlreiche Organe bzw. Gewebe nicht mehr in der Lage, ihre Funktionen optimal zu erfüllen.

Daß es je nach Therapieschema unter einer Hormon-Ausgleichsbehandlung weiterhin zu Menstruationszyklen kommt, liegt daran, daß die Gebärmutterschleimhaut auch nach der Menopause durch Östrogene zum Wachstum angeregt wird, durch Gestagene funktionell ausreift und bei vorrübergehendem Aussetzen der Gestagen-Zufuhr abblutet. Die Gebärmutterschleimhaut kann eben nicht "wissen", daß die Signale auf die sie reagiert, nicht mehr von den Eierstöcken ausgesandt werden, sondern medikamentös erzeugt werden.

Nicht nur die Gebärmutterschleimhaut, sondern praktisch alle Organe und Gewebe, die bei der gebärfähigen Frau auf Sexualsteroidhormone ansprechen, bleiben auch nach der Menopause responsiv, d. h. Gene, die unter dem Einfluß von Östrogenen, Testosteron oder Progesteron stehen, behalten diese Eigenschaft ein Leben lang bei. Ohne die stimulierende Wirkung der Sexualsteroid-Hormone fällt die Produktion wichtiger, funktioneller Proteine auf einen niedrigen, basalen Wert ab. Unter anderem gilt das auch für die Haut-Kollagene: Nach der Menopause wird dieses wichtige Strukturprotein bei Östrogen-Mangel nur noch auf "Sparflamme" produziert. Aber unter einer Hormon-Ausgleichstherapie belebt sich die Kollagen-Synthese und die Haut strafft sich. Ob sich letzteres durch Kollagen-haltige Cremes ebenso erreicht läßt, erscheint eher zweifelhaft.

Wie das Insulin und eigentlich alle anderen Hormone auch, ist Estradiol nur in einem bestimmten Regelkreis aktiv und agiert darüber hinaus auf vielen Ebenen als Wirkstoff. Es unterscheidet sich jedoch von den meisten anderen Hormonen darin, daß es ab einem bestimmten Zeitpunkt im Leben einer Frau - nämlich ab der Menopause - als Steuerhormon nicht mehr gebraucht wird und auch nur noch in sehr viel geringerem, d. h. in unzureichendem Maße zur Verfügung steht. Allerdings sind die vitalisierenden Funktionen des Estradiols in fast allen Organen bzw. Geweben über diesen Zeitpunkt hinaus bei steigender Lebenserwartung heute mehr denn je gefragt. In dieser Rolle ohne Steuerfunktionen bedarf es keiner Schwankungen des Hormon-Spiegels, so daß eine gleichmäßige Anhebung der Spiegel - wie er annähernd bei Anwendung von Östrogen-Pflastern erzielt wird - alle positiven Wirkungen der Hormon-Ausgleichstherapie zum Tragen kommen.

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Gerhard Leyendecker