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Wirkungsweise von Hormonen

  Inhaltsverzeichnis

  6. Wachstum und Sterben als Hormon-abhängige genetische Programme        6.2. Zelltod: Selbstmord-Programme sind überlebenswichtig

6.1. Zellzyklus: Hormone beeinflussen die Teilungsfrequenz von Zellen

Daß es sich um regelrechte Programme handelt, bei denen eine in den Genen festgelegte Abfolge einzelner Programmpunkte abgearbeitet wird, kann anhand des Zellzyklus, der Zeitspanne während der sich eine Zelle einmal teilt, recht gut dargestellt werden: Denn beim Programm "Zellzyklus" lassen sich vier Phasen unterscheiden, während denen sich in der Zelle jeweils andere Aktivitäten nachweisen lassen (Abb. 9).


Abb. 9


Abbildung 9: Zellzyklus: Die Zellen haben häufig eine etwa 16stündige Generationszeit. Während der ersten 15 Stunden werden drei unterschiedliche Phasen durchlaufen:G1-Phase (g = gap, engl.; Lücke; postmitotische Phase), S-Phase (Synthese-Phase) und G2-Phase (prämitotische Phase). Zusammen werden diese drei Phasen auch als Interphase bezeichnet, in der die Zelle normal ihre Funktionen erfüllt. Die Phase der eigentlichen Zellteilung (Mitose-Phase) ist relativ kurz und schließt sich unmittelbar an die Interphase an. Zellen, die sich vorübergehend oder auf Dauer nicht teilen, befinden sich im sogenannten G0-Stadium.

Man kann die einzelnen Phasen des Zellzyklus u. a. auch darin unterscheiden, daß während jeder Phase teilweise andere Proteine hergestellt werden. Da diese Proteine im Leben von Zellen eben zyklisch während einer ganz bestimmten Phase auftauchen und wieder verschwinden, hat man solchen Stoffen den Namen "Zykline" verpaßt. Deren Funktion besteht im wesentlichen darin, sich an bestimmte Enzyme anzulagern und diese dadurch zu aktivieren. An der Kontrolle des Zellzyklus sind neben den erwähnten Zykline noch eine Fülle weiterer Proteine beteiligt. Wie in einem Räderwerk greift ein Faktor in den anderen. An der Regulierung verschiedener Reaktionen im Rahmen des Zellzyklus greifen auch Hormone in das "Räderwerk" ein.

Bei einigen Zell-Typen wie bei Brustdrüsenzellen, bei Zellen der Gebärmutterschleimhaut und bei Zellen der Scheidenhaut wirkt Estradiol anregend auf den Zellzyklus, d. h. es kommt in kürzeren Zeitabständen zur Zellteilung. Fälschlicherweise wird dieser Effekt häufig als krebsauslösend betrachtet. Richtig ist allerdings, daß die teilungsfördernde Eigenschaft des Estradiols an bestimmten Geweben wie insbesondere der Brustdrüse das Wachstum eines bestehenden Krebses stimulieren kann.

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Gerhard Leyendecker