Ferticon  
 
Wirkungsweise von Hormonen

  Inhaltsverzeichnis

  7. Welche Rolle spielen Hormone im Zentralnervensystem        7.2. Plastizität: Sexualsteroide "modellieren" das Gehirn

7.1. Neurosteroide: Balsam für die Psyche

Zu den im Gehirn produzierten Steroidhormonen gehören Progesteron und insbesondere verschiedene Verbindungen, die dem Progesteron nahe stehen. Deren Wirkungsweise unterscheidet sich grundsätzlich vom klassischen Wirkmechanismus des Progesterons über den Progesteron-Rezeptor an der DNA im Zellkern. Die Neurosteroide beeinflussen die Erregungsübertragung bestimmter Nervenzellen auf deren nachgeschaltete Nervenzellen.

Zur Erregungsübertragung bilden Nervenzellen miteinander spezielle Kontaktstellen, sogenannte Synapsen, aus, in deren Bereich das elektrische Signal in ein chemisches Signal und wieder in ein elektrisches Signal umgewandelt wird. In dem engen synaptischen Spalt wandern kleine Moleküle, die als Neurotransmitter bezeichnet werden, zur Membran der nachgeschalteten Nervenzelle. Dort binden sie an spezifische Rezeptoren und erregen dadurch die postsynaptische Zelle.

Im Zentralnervensystem kommen zahlreiche verschiedene Neurotransmitter vor. Einer davon ist die Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Dieses Molekül bindet an Rezeptoren, die in der Plasmamembran eigentlich als Schleuse für Chloridionen fungieren. Die "Schleusentore" werden durch Binden von GABA geöffnet, so daß Chloridionen ins Plasma der Nervenzelle einströmen können. Durch diesen Effekt wird die Erregungsschwelle für die Nervenzelle wird heraufgesetzt. Darauf beruht auch die bekanntermaßen beruhigenden und angstlösende Wirkung von Progesteron (Abb. 10).


Abb. 10


Abbildung 10: Erregungsdämpfung an Kontaktstellen von Nervenzellen (Synapsen) durch Progesteron: Neurosteroide wie auch Progesteron binden an bestimmte GABA-Rezeptoren und verstärken dadurch die Wirkung von GABA. Diese besteht darin, Chloridionen in die nachgeschaltete Nervenzelle zu schleusen. Dadurch wird deren Erregungsschwelle erhöht, so daß ein dämpfender Effekt resultiert. Der Mechanismus erklärt die angstauslösenden und beruhigenden Eigenschaften des Progesterons.

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Gerhard Leyendecker