Ferticon  
 
Wirkungsweise von Hormonen

  Inhaltsverzeichnis

  2. Woher weiß die einzelne Zelle überhaupt, was sie zu tun hat?        2.2. Proteinsynthese: Vom Gen zum zellulären Produkt?

2.1. Differenzierung: Wie sich unter Zellen Spezialisten herausbilden

Alle Zellen eines Organismus lassen sich letztendlich auf eine befruchtete Eizelle zurückführen, aber logischerweise nur auf eine der beiden daraus entstandenen Tochterzellen. In dem frühen Stadium der ersten Teilungen sind Zellen noch "Alleskönner", d. h. in ihnen steckt das Potential, sich in jede Richtung zu entwickeln. Das ändert sich aber sehr rasch, denn es treten schrittweise Veränderungen ein, die einzelne Zellen zu immer größeren Spezialisten werden lassen. Solche Vorgänge werden als Differenzierung bezeichnet und stellen im Grunde genommen eine fortschreitende Beschneidung von Fähigkeiten dar - von Fähigkeiten, die die nicht-differenzierte Zelle aber gar nicht in vollem Umfang wahrgenommen haben muß. Beispielsweise führt eine direkte Linie von der befruchteten Eizelle über etliche Stationen zu Zellen, die Hämoglobin bilden, ohne daß eine der Vorläuferzellen jemals Hämoglobin synthetisiert hätte. Bei jeder Abweichung von der direkten Zellinie, die rote Blutkörperchen hervorbringt, führt aber unweigerlich zu Zellen, die des Potentials zur Hämoglobin-Synthese unwiderruflich verlustig gegangen sind.

In gewisser Weise stellen Teilungsaktivität und die Annahme spezifischer Funktionen konträre Tendenzen dar, denn je höher differenziert Zellen sind, desto weniger reagieren sie auf Signale, die eine "Aufforderung" darstellen, sich zu teilen, bzw. sie interpretieren solche Signale in einer anderen Weise. Wodurch wird aber festgelegt, ob sich eine Zellpopulation weiter vermehren und ab wann sie sich zu Spezialisten entwickeln, d. h. sich ausdifferenzieren soll? Sowohl das eine als auch das andere bedarf der "Abstimmung" mit anderen Zellen. Anstöße zur Teilung bzw. zur Differenzierung geben chemische Signale, die von außen an Zellen herangetragen werden. Daran sind in verschiedenen Geweben unter anderem auch klassische Hormone wie Insulin, Östrogene, Gestagene und Androgene beteiligt. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür sind die Östrogen- und Progesteron-Wirkungen an der Gebärmutterschleimhaut. Unter dem beherrschenden Einfluß von Östrogenen baut sich die Schleimhaut nach der Menstruation auf und wird zugleich für Progesteron-Effekte sensibilisiert. In der zweiten Zyklushälfte sorgt das vermehrt vorhandene Gestagen dafür, daß die funktionelle Ausdifferenzierung der Gebärmutterschleimhaut erfolgt. Zwar sind im Blut beide Sexualsteroidhormone stets nebeneinander vorhanden, d. h. es ist so wie Gas geben und Bremsen zugleich, doch zu verschiedenen Zyklusphasen überwiegt jeweils entweder der Östrogen- oder der Progesteron-Einfluß.

  2. Woher weiß die einzelne Zelle überhaupt, was sie zu tun hat?        2.2. Proteinsynthese: Vom Gen zum zellulären Produkt?
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Gerhard Leyendecker