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Wirkungsweise von Hormonen

  Inhaltsverzeichnis

  3. Wann ist ein Hormon ein Hormon, und wann ist ein Hormon eigentlich gar kein Hormon?        3.2 Steuerfunktionen: Wann haben Hormone Signalcharakter?

3.1 Begriffsbestimmung: Was ist eine Hormon-Wirkung?

Grundsätzlich ist erst einmal zu klären, welche Merkmale eine Verbindung überhaupt aufweisen muß, um sie als Hormon zu klassifizieren. In diesem Punkt bestehen - sehr zum Leidwesen eines um Systematik bemühten Menschen - doch einige begriffliche Unklarheiten. Allerdings wird man sich über die meisten Punkte sehr leicht verständigen können: Etwa darüber, daß Hormone in speziellen Drüsenzellen produziert, durch sogenannte innere Sekretion in Körperflüssigkeiten - im wesentlichen ins Blut - abgegeben und im gesamten Organismus verteilt werden. Auch daß Hormone auf Zielzellen einwirken, indem sie deren spezifische Rezeptoren aktivieren dürfte auf breiten Konsens treffen. Diffiziler wird es, die Natur der Hormon-Wirkungen eindeutig zu definieren: Werden durch Hormone Zell- bzw. Körperfunktionen beeinflußt, kontrolliert, oder gar gesteuert?

Man kommt nicht umhin zu registrieren, daß sich hinsichtlich der Wirkungsweise von Hormonen doch erhebliche Meinungsverschiedenheiten ergeben können. Denn wird schon die Beeinflussung von Zellfunktionen über die Rezeptoren - das eine Extrem - als Hormon-Wirkung angesehen, spräche eigentlich nichts dagegen, z. B. auch die Gabe von Digitalis-Präparaten, die die Kontraktionskraft des Herzmuskels bei Herzinsuffizienz stärken sollen, als eine Hormon-Therapie anzusehen, zumal Digitalis - ein Naturstoff, der aus dem Fingerhut extrahiert wird - den Östrogenen bzw. dem Testosteron strukturell verwandt ist. Daß eine Therapie mit Digitalis aber eben nicht als eine Hormon-Therapie angesehen wird, liegt insbesondere daran, daß dieser Stoff nicht vom menschlichen bzw. tierischen Organismus gebildet wird.

Am eingeschränktesten wird der Hormon-Begriff definiert, wenn man nur solche Wirkungen als echte Hormon-Effekte akzeptiert, bei denen eine Stellgröße wie z. B. der Blutzuckerspiegel, der Wassergehalt des Körpers, die Zahl der roten Blutkörperchen oder ein sich in regelmäßigen Abständen wiederholender Vorgang wie der "Zyklus" bei Frauen einreguliert, d. h. in bestimmten Grenzen konstant gehalten wird.

  3. Wann ist ein Hormon ein Hormon, und wann ist ein Hormon eigentlich gar kein Hormon?        3.2 Steuerfunktionen: Wann haben Hormone Signalcharakter?
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Gerhard Leyendecker