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PrÀnataldiagnostik

  Inhaltsverzeichnis

  2.3 Brustkorb, Herzdiagnostik        2.5. Urogenitaltrakt

2.4. Verdauungstrakt

Bei der Beurteilung des Verdauungstraktes dient als Einstieg der Nachweis und die Lagebe-stimmung des Magens. Dieser stellt sich im Ultraschall normalerweise als flĂŒssigkeitsgefĂŒllter Hohlraum schwarz im linken Oberbauch des Feten dar. Der Inhalt des Magens ist Fruchtwasser, welches durch periodisches Schlucken des Feten dorthin gelangt. In der 20. Schwangerschaftswoche sind dies ca.12 ml pro Tag. Der sonographische Nachweis der Magenblase gelingt nahezu mĂŒhelos ab der 14. -15. Schwangerschaftswoche. Sollte dies nicht der Fall sein, muß in einer Folgeuntersuchung unbedingt seine Darstellbarkeit erbracht werden.
Im Gegensatz zum Magen stellen sich die parenchymatösen Organe (Leber, Milz) echodicht dar. Dabei ist die Leber aufgrund ihrer GrĂ¶ĂŸe das Hauptorgan des Bauchraumes. Sie liegt im rechten Oberbauch und wegen des zunĂ€chst noch bestehenden Zwerchfellhochstandes teilweise im Brustkorb. Vom Nabelschnuransatz zieht die Nabelvene ziemlich geradlinig in die Leber hinein und mĂŒndet dort in die Pfortader. Mitunter kommt bei der Beurteilung der Leber auch die Gallenblase als kleine flĂŒssigkeitsgefĂŒllte Struktur zur Darstellung.
Der Darm ist in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln nur als inhomogenes echodichtes Gebilde mit einem breiten Spektrum an Variationen nachweisbar. Ein isolierter Nachweis einzelner Darmabschnitte gelingt bei unauffÀlliger Entwicklung erst zu einem spÀteren Schwangerschaftsalter.

Bei Fehlbildungen des Verdauungstraktes unterscheidet man in erster Linie zwischen Defek-ten der Bauchwand und VerÀnderungen der Organe im Körperinneren. Zu den OberflÀchendefekten zÀhlen der angeborene Nabelbruch (Omphalocele) und die vollstÀndige Bauchdeckenspalte (Gastroschisis). Sie treten in einer HÀufigkeit von etwa 1: 2000 auf.
Bei der Omphalocele handelt es sich um eine Hemmungsmißbildung, bei der die wegen Platzmangel in der Bauchhöhle des Feten in den ersten Entwicklungswochen erfolgte natĂŒrliche Vorverlagerung des DĂŒnndarmes vor die Bauchwand in den Nabelstrang durch eine unvollstĂ€ndige Drehung der Nabelschleife zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche nicht komplett rĂŒckgĂ€ngig gemacht wurde. Die Omphalocele geht in 30 –60 % mit anderen Fehlbildungen und hĂ€ufig mit einer Chromosomenanomalie einher, so daß eine genetische AbklĂ€rung durch eine Fruchtwasserpunktion dringend anzuraten ist.
Bei der seltener vorkommenden Gastroschisis handelt es sich um einen bruchsackfreien meist rechts neben der Körpermittellinie gelegenen Bauchwanddefekt. Die Nabelschnur mĂŒndet somit von der Bruchpforte getrennt ein. Je nach GrĂ¶ĂŸe des Defektes treten mehr oder weniger viele Anteile der Baucheingeweide nach außen und flottieren so frei im Fruchtwasser.
Der Nachweis eines Bauchwanddefektes impliziert die Entbindung durch Kaiserschnitt in einer Einrichtung mit entsprechend spezialisierter Kinderchirurgie.

Ein angeborener Verschluß der Speiseröhre (Ösophagusatresie) wird mit einer HĂ€ufigkeit von 1: 2000 beobachtet. In 50 % der FĂ€lle geht er mit weiteren Fehlbildungen des Verdauungstraktes sowie des Herzens einher. HĂ€ufig stellt er einen Teilaspekt der Trisomie des Chromosoms 18 bzw. 21 dar. Eine genetische AbklĂ€rung durch eine Fruchtwasser-bzw. Nabelschnurpunktion ist somit zu empfehlen.
Bei der Ultraschalluntersuchung fĂ€llt beim Vorliegen einer Ösophagusatresie in der Mehrzahl eine stark vermehrte Fruchtwassermenge auf. Dieser Sachverhalt beruht auf dem durch den Verschluß der Speiseröhre fehlenden naturgemĂ€ĂŸen Verschluckens von Fruchtwasser. Außerdem gelingt die Darstellung des Magens als flĂŒssigkeitsgefĂŒllte Struktur im linken Oberbauch nicht bzw. nur unzureichend.
Da etwa 90 % der Kinder mit dieser Fehlbildung auch Verbindungen zwischen der Speise- und der Luftröhre aufweisen, gestaltet sich die vorgeburtliche Diagnose oftmals als Ă€ußerst schwierig, denn durch diese Fisteln gelangt trotz alledem Fruchtwasser in den Magen.
Bei Nichterkennen des Krankheitsbildes kann es fĂŒr das Neugeborene durch Eindringen von Speichel oder NahrungsflĂŒssigkeiten ĂŒber die Fisteln in die Atemwege zu lebensbedrohlichen ZustĂ€nden kommen. Eine sofortige operative Korrektur nach der Geburt ist somit lebensnotwendig und bei Reifgeborenen ohne schwere Begleitfehlbildung mit gutem Erfolg möglich.

Finden sich im Bauchraum zusĂ€tzlich zu Magen- und Harnblase flĂŒssigkeitsgefĂŒllte Strukturen, so handelt es sich in der Mehrzahl der FĂ€lle bei unauffĂ€lligen Urogenitalorganen um Verschlußerkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Diese Unterbrechungen können entweder membranös oder komplett mit oder ohne bindegewebige BrĂŒcken sein. Ihre HĂ€ufigkeit liegt bei 1: 400- 500. Ein vermehrtes Vorkommen bei Verwandtenehen und der Trisomie des Chromosoms 21 sind beschrieben. Betreffen diese VerĂ€nderungen die oberen Darmabschnitte, so gehen sie in der Mehrzahl mit einer mitunter extremen Fruchtwasser-vermehrung einher. Beim Verschluß des Zwölffingerdarmes (Duodenalatresie) bildet sich das typische Ultraschallbild eines ”double-bubble” heraus (Abb.15). Die eine dieser mit Fruchtwasser gefĂŒllten Blasen wird von dem durch die Stenose ĂŒbervollen Magen gebildet, die zweite entsteht durch den Aufstau im Zwölffingerdarm zwischen der Stenose und dem Magenpförtner.

Abb. 15
Abb.15 Verschluß des Zwölffingerdarmes 24. Schwangerschaftswoche, Double-bubble- PhĂ€nomen


Erweiterungen der anderen DĂŒnndarmabschnitte treten höchst selten auf und sind fast immer ein Erscheinungsbild von Chromosomenstörungen.
Bei weitgestelltem Dickdarm kann es sich am Ende der Tragzeit um ein natĂŒrliches PhĂ€nomen handeln. In frĂŒheren Schwangerschaftswochen ist an ein Verschluß des Enddarmausganges (Analatresie) oder an eine Hirschsprung-Krankheit zu denken. Bei letzteren handelt es sich um eine mit einer Wahrscheinlichkeit von 1: 5000 vorkommende genetisch bedingte Störung der nervalen Versorgung des Dickdarmes. Eine chirurgische Korrektur nach der Geburt ist unabdingbar und in den meisten FĂ€llen erfolgreich.

Als Zufallsbefunde werden mitunter Gallensteine oder eine vergrĂ¶ĂŸerte Gallenblase beobachtet. Diese als cystische Struktur am Leberrand zur Darstellung kommende VerĂ€nderung (Choledochuscyste) beruht auf einem angeborenen Verschluß des gallenableitenden Kanals.

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Gerhard Leyendecker