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Pränataldiagnostik

  Inhaltsverzeichnis

  4.3. Fruchtwasserpunktion

4.4. Nabelschnurpunktion

Bei der Nabelschnurpunktion wird unter Ultraschallsicht mit einer dünnen Nadel (wie bei der Fruchtwasserpunktion) durch die Bauchdecke und den Gebärmuttermuskel ein Nabelschnurgefäß punktiert und mindestens 1 ml Blut entnommen. Dies ist mit den gegenwärtig verfügaren Techniken etwa ab der 18. -20. Schwangerschaftswoche in entsprechenden Spezialprechstunden und unter strenger Indikationsstellung (kein eindeutiges Ergebnis der Fruchtwasserpunktion, fortgeschrittenes Schwangerschaftsalter, aber auch bei Verdacht auf eine Infektion des Kindes bzw. auf einen Rhesus -, Blutantikörper- sowie Blutgruppenkonflikt) möglich.
Im Labor wird für die Chromosomenuntersuchung aus den Blutlymphozyten eine stimulierte Kurzzeitkulturtechnik angewendet. Die Bearbeitungszeit beträgt 48 -72 Stunden.
Grundsätzlich besteht die Gefahr einer Verunreinigung der Probe mit mütterlichem Blut. Aus diesem Grunde ist eine zusätzliche Untersuchung erforderlich, um den kindlichen Ursprung der Probe zu sichern.
Ablauf: Bei der Nabelschnurpunktion geht wie bei der Fruchtwasserpunktion eine eingehende Ultraschalluntersuchung voraus, wobei das Schwangerschaftsalter sowie die Lage des Feten und vor allem der Plazenta kontrolliert werden. Bei einer Plazentalokalisation an der Gebärmuttervorder- bzw. Gebärmutterseitenwand wird die Punktion durch die Plazenta hindurch am Nabelschnuransatz durchgeführt. Bei einer Hinterwandplazenta erfolgt die Punktion durch die Fruchthöhle hindurch möglichst plazentanah. Auch bei dieser Untersuchung wird auf weitere, durch die vorgeburtliche fetale Blutuntersuchung nicht zu erkennende Störungen der kindlichen Entwicklung, z.B. Fehlbildungen, geachtet. Oftmals macht sich für die Durchführung der Nabelschnurpunktion eine stationäre Aufnahme zur weiteren Beobachtung notwendig.

Risiken der Punktion: In seltenen Fällen (bei erfahrenen Diagnostikern ca. 1 –2 %) kann es durch die Nabelschnurpunktion zu einer Fehl- oder Frühgeburt, einem vorzeitiger Blasensprung bzw. dem Absterben des Kindes in der Gebärmutter kommen. Durch entsprechende Behandlung, z.B. durch strenge Bettruhe, wehenhemmende Medikamente kann dieses Risiko auf ein Minimum reduziert werden. Ab einem Schwangerschaftsalter, bei dem die Lebensfähigkeit des zu erwartenden Kindes gegeben ist, wird der Eingriff in einer Kaiserschnittbereitschaft durchgeführt.


Autor: Dr. Andreas Worms
Klinikum Darmstadt

  4.3. Fruchtwasserpunktion      
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