Ferticon  
 
PrÀnataldiagnostik

  Inhaltsverzeichnis

  1.1 Ziel und Vorgehensweise        1.3 Bestimmung des Schwangerschaftsalters und des Entbindungstermines

1.2 Embryologische Grundlagen, Ultraschall in den frühen Schwangerschaftswochen

WĂ€hrend die Geburtshilfe im allgemeinen als Bezugspunkt den ersten Tag der letzten Periodenblutung verwendet und somit vom sogenannten Menstruationsalter (p.m.) einer Schwangerschaft spricht, wird in der Embryologie auf den Zeitpunkt der Befruchtung (p.c.) Bezug genommen und folglich vom sogenannten Konzeptionsalter ausgegangen.
Die im folgenden aufgefĂŒhrten Angaben basieren auf einem normalen Zyklus von 28 Tagen, bei dem die Befruchtung der Eizelle (Konzeption) am 14.Zyklustag erfolgt, die Angaben der Schwangerschaftswochen beziehen sich auf das Menstruationsalter.

  • 3.Tag p.c., 17.Tag p.m.: Die befruchtete und schon mehrfach geteilte Eizelle (Morula) tritt in die GebĂ€rmutterhöhle ein. Aus der Morula entwickelt sich die Blastozyste.

  • 5.-6.Tag p.c. ,19.-20.Tag p.m.: Die Blastozyste legt sich an die GebĂ€rmutterschleimhaut, einen Tag spĂ€ter nistet sie sich in die Schleimhaut ein (Implantation).

  • Am 9.-10.Tag p.c., 23.-24.Tag p.m.: Der bei der Implantation entstandene Defekt der GebĂ€rmutterschleimhaut schließt sich. Die Ă€ußere Schicht wandelt sich in das sogenannte Chorion um.

  • 15.Tag p.c., 29.Tag p.m.: Das Chorion beginnt sich zu verzweigen. In den nĂ€chsten 5 Tagen kommt es zur Bildung der ersten Zotten, die zwar die gesamte ChorionoberflĂ€che einnehmen, sich jedoch im Bereich der Implantationsstelle besonders ausprĂ€gen. Ab diesem Zeitpunkt ist durch einen Ultraschall ĂŒber die Scheide eine Schwangerschaft als Ringstruktur (Chorionhöhle) in der GebĂ€rmutter nachweisbar (Abb.2). Durch das rasche Wachstum verdoppelt sich der Durchmesser dieses Fruchtsackes pro Tag um einen Millimeter.

Abb. 2
Abb.2 Fruchthöhle von 7,4mm, 5+3 Schwangerschaftswoche, typische Doppelringstruktur



  • 28.Tag p.c., 42.Tag p.m.: Ab diesem Zeitpunkt ist im Ultraschall durch die Scheide die fetale Herzaktion nachweisbar. Es handelt sich hierbei um das frĂŒheste sichere Zeichen einer intakten Schwangerschaft, denn erst Tage spĂ€ter ĂŒberschreitet der Embryo die 5-mm-Grenze und lĂ€ĂŸt sich somit eindeutig darstellen.

  • 36.Tag p.c., 50.Tag p.m.: An diesem ersten Tag der 8.Schwangerschaftswoche mißt der Embryo mehr als 1cm und wĂ€chst im weiteren um einen Millimeter pro Tag.

  • 42.Tag p.c., 56.Tag p.m.: Erste Eigenbewegungen und Einzelheiten der Ă€ußeren Körperkontur wie die Kopfanlage, der Nabelschnuransatz an der Bauchwand nachweisbar. Die oberen und unteren ExtremitĂ€ten sind als Knospen darstellbar, der Embryo Ă€hnelt somit einem GummibĂ€rchen (Abb.3).

  • 49.Tag p.c., 63.Tag p.m.: Die fetalen Strukturen sind nun eindeutig zu erkennen, die KörperlĂ€ngsachse somit leicht meßbar. HĂ€ufig stellt sich zu diesem Zeitpunkt im Fruchtsack ein kreisrundes Echo von ca.5 mm dar. Es handelt sich hierbei um das DottersackblĂ€schen.


Abb. 3
Abb.3 Embryodarstellung in der 8. Schwangerschaftswoche, Darstellung der ExtremitĂ€tenknospen (”GummibĂ€rchen”)



Im weiteren Verlauf unterliegt der Embryo mit 1,6 mm pro Tag einem raschen Wachstum. Dies geht mit einer zunehmenden Verknöcherung der SchĂ€deldecke sowie des Beckens einher. Der Kopf nimmt eine zunehmend runde Gestalt an. Man spricht nun vom ”Fetus” bzw. ”Fötus”.
Im ersten Schwangerschaftsdrittel besteht der Großhirnanteil hauptsĂ€chlich aus den von einem nur dĂŒnnen Hirnmantel umgebenen, mit HirnflĂŒssigkeit gefĂŒllten Gehirnkammern (Hirnventrikeln). Der SchĂ€delinhalt stellt sich somit im Ultraschall ĂŒberwiegend schwarz dar.
Das Kleinhirn kann ab der 10. Schwangerschaftswoche verlĂ€ĂŸlich dargestellt und vermessen werden.
Ab der 12. Schwangerschaftswoche kommen im SchĂ€delinneren beidseits große echoreiche Strukturen zur Darstellung. Hierbei handelt es sich um in die Hirnventrikel eingestĂŒlpte gefĂ€ĂŸ- und nervenreichen Bildungen der Hirnhaut (Plexus choroideus). Im weiteren Verlauf nehmen diese Adergeflechte im Zuge der VerĂ€nderungen der Gehirnkammern und der Entwicklung des Großhirns einen stetig geringer werdenden Raum ein.
In der 11./12. Schwangerschaftswoche ist die komplette Verknöcherung der SchÀdelknochen und der Wirbelkörper sicher zu erkennen.
Am Rande des Fruchtsackes ist nun auch die Plazenta eindeutig nachweisbar. Die LĂ€nge der Nabelschnur nimmt linear bis zur 11. Schwangerschaftswoche auf durchschnittlich 40mm zu. Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels (13./14. Schwangerschaftswoche) nimmt die fetale Struktur bereits derart Gestalt an, daß nun auch schon eine gezielte Organdiagnostik (KörperoberflĂ€che und -kontur, Magen, Harnblase, HĂ€nde, FĂŒĂŸe, mitunter auch Lippenkontur und Profil) möglich ist (Abb.4).

Abb. 4
Abb.4 Profildarstellung eines Feten in der 14. Schwangerschaftswoche

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Gerhard Leyendecker