Ferticon  
 
PrÀnataldiagnostik

  Inhaltsverzeichnis

  1.3 Bestimmung des Schwangerschaftsalters und des Entbindungstermines        1.5 Nackentransparenz

1.4 Mehrlingsschwangerschaften

Die Ursachen fĂŒr die Entstehung von spontanen Mehrlingsschwangerschaften sind weitgehend unklar. Es besteht offensichtlich eine Beteiligung genetischer Faktoren, die bei zweieiigen Zwillingen sicher mit hormonellen EinflĂŒssen in Zusammenhang stehen. Beim eineiigen Zwillingstyp ist der Erbgang autosomal dominant, beim zweieiigen autosomal rezessiv. Somit kommen bei normalem Eintritt der Schwangerschaft Mehrlinge fast ausschließlich bei Paaren vor, die in der Familienanamnese selbige vorweisen. In der Regel betrifft dies jede zweite Generation. In Mitteleuropa betrĂ€gt die HĂ€ufigkeit 1-1,2 % bei leichtem Überwiegen der zweieiigen Zwillinge.
Die FrĂŒhdiagnose einer Mehrlingsschwangerschaft stĂŒtzt sich auf den Nachweis von mehreren Fruchthöhlen bzw. Herzaktionen und ist somit ab der 5. bzw.6. Schwangerschaftswoche möglich. Dabei ist jedoch zu beachten, daß ca.70 % der primĂ€r angelegten Mehrlingsschwangerschaften im Verlaufe des ersten Schwangerschaftsdrittels ganz oder teilweise zugrunde gehen. Bei der weiteren normalen Entwicklung mindestens eines Embryo fĂŒhrt dies jedoch nicht automatisch zu Komplikationen.
Oftmals gelingt der Nachweis eines Mehrlings lagebedingt erst zu einem spÀteren Zeitpunkt. In AbhÀngigkeit von der Anzahl der gleichzeitig befruchteten Eizellen sowie dem Zeitpunkt der Teilung einer befruchteten Eizelle treten mehrere Varianten der Mehrlingsschwangerschaften auf.
Werden gleichzeitig zwei oder mehr Eizellen befruchtet, bilden sich voneinander vollstĂ€ndig getrennte Fruchtanlagen mit je einer Ă€ußeren (Chorion) und inneren (Amnion) Begrenzungsschicht heraus. Es handelt sich demzufolge um mehreiige Mehrlinge.
Kommt es nach der Befruchtung nur einer Eizelle zur Aufspaltung in zwei Fruchtanlagen bei einer gemeinsamen Ă€ußeren Begrenzungsschicht (eineiige Zwillinge), so ergeben sich je nach Zeitpunkt der Zwillingsbildung unterschiedliche Plazenta- und EihautverhĂ€ltnisse:

  • Bei der Trennung im Zweizellstadium bildet jeder Embryo eine eigene Plazenta aus.

  • Bei der Aufspaltung im frĂŒhen Stadium der Blastozyste bilden beide Embryonen eine gemeinsame Plazenta aus, entwickeln sich jedoch in getrennten Amnionhöhlen.

  • Erfolgt die DurchschnĂŒrung, die zur Zwillingsbildung fĂŒhrt, in einem spĂ€teren Entwicklungsstadium mit bereits ausgebildeter innerer Begrenzungsschicht, entwickeln sich die Embryonen auch in einer gemeinsamen Amnionhöhle. In dieser Gruppe befinden sich auch die seltenen siamesischen Zwillinge.

Durch die in immer grĂ¶ĂŸerem Umfang durchgefĂŒhrte ”kĂŒnstliche Befruchtung”, bei der 2-3 außerhalb des Körpers befruchtete Eizellen in die GebĂ€rmutter eingesetzt werden, hat sich in den letzten Jahren die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften spĂŒrbar erhöht. In diesen FĂ€llen handelt es sich grĂ¶ĂŸtenteils um mehreiige Mehrlinge.

Abb. 5
Abb.5 Drillingsschwangerschaft 8. Schwangerschaftswoche


Bei auf natĂŒrlichem Wege entstandenen bzw. monoamnialen Mehrlingen ist die Komplikations- und Fehlbildungsrate erhöht.
Mehrlingsschwangerschaften stellen somit in jedem Falle eine Risikoschwangerschaft dar und obliegen einer engmaschigeren Betreuung.

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Gerhard Leyendecker